47 Postoffizianten enthielt, durften keine Aenderungen ohne landesherrliche Genehmigung vorgenommen werden. Zur Besetzung der Poststellen durften nur Landeseingeborene dem Landesherrn in Vor ­ schlag gebracht werden, deren Bestätigung er sich vorbehielt, auch die Verleihung der Titel war lediglich seine Sache. Alle Administrations- Transport-, Unterhaltungs- rc. Kosten (einschließlich der Besoldungen und Pensionen der Beamten und Unterbeamten) sowie die Entschädigungs ­ beträge für in Verlust gerathene Sachen hatte der Erblandpostmeister zu bestreiten. Zum Schluß wurde vonr Kurfürsten dem unter der neuen Verwaltung stehenden Postwesen der landesherrliche Schutz und alle bisherigen Begünstigungen zu ­ gesichert. Als staatliche Kontrolbehörde wurde die „Kurfürstliche General-Post-Inspection" in Kassel eingesetzt. Es dürfte hier noch zu erwähnen sein, daß der Erblandpostmeister im Laufe der Zeit noch weitere Verpflichtungen zu übernehmen hatte, insbesondere die Zahlung der Pensionen, welche auf Grund des im November 1836 zwischen der kurfürstlichen Staatsregierung und dem Fürsten Erblandpost ­ meister verabredeten „Pensions-Regulativ für die Kurhessischen Postbeamten, sowie deren Hinter ­ bliebenen Wittwen und Waisen" festgesetzt wurden. Die Privilegien der Fürsten von Thurn und Taxis, welche ihnen ungeheuere Reichthümer ein ­ brachten, fanden in den 60er Jahren ihr Ende: Nach dem von Preußen glücklich beendeten Krieg von 1866 wurde das gesammte fürstlich Thurn und Taxis'sche Postwesen von diesem Staate in Administration genommen, und ging dasselbe dann nach dem zwischen dem preußischen Staat und dem Fürsten Maximilian Karl von Thurn und Taxis am 28. Januar 1867 abgeschlossenen Vertrag in seinem ganzen Umfange mit allen Rechten und allem Zubehör an unbeweglichem und beweglichem Eigenthum, Inventarien, Uten ­ silien rc. in das Eigenthum, den Besitz und Genuß des preußischen Staates über. Als Entschädigung erhielt der genannte Fürst 3 Millionen Thaler. Ohm und Onkel. Erzählung von C. von Dincklage-Campe. (Fortsetzung.) ^l er Oberst war so sehr in seine eignen Ange- l| legenheiten vertieft, daß ihm das anfängliche Schweigen seiner Zuhörerin nicht aufgefalleit war. Jetzt, wo sie sprach, erschrak er fast vor dem herben Klang ihrer Stimme, der wie einer ge ­ sprungenen Glocke alle weichen Akkorde fehlten. Von seinem Sitz gleichfalls aufspringend rief er: „Agnese! das willst Du thun?" „Was ist da zu verwundern? Ohm Tankmar ist der klügste und edelste Mensch, der jemals ein treues Herz in der Brust trug; warum sollte ich ihn nicht glücklich machen?" Eckebrecht biß sich auf die Lippen. Die lang ­ jährige Gewohnheit, Agnese als ihm verbunden anzusehen, hatte ihn hingerissen, bis er sich be ­ wußt ward, daß er selbst jedes Anrecht an das Mädchen verloren hatte. „Ich verstehe durchaus nicht," nahm Fräulein von Loßberg wieder das Wort, „was mir dies alles soll, warum Du nicht freimüthig vor Deine Mutter hintrittst, ihre Vergebung zu erbitten. Die alte Frau sehnt sich längst danach, Dich in die Arme zu schließen." „Weiß Gott, Agnese, daß ich nicht feige bi», habe ich bewiesen, aber mit dem Bekenntniß meiner ohne ihre Zustimmung eingegangenen Ehe vor sie hinzutreten, fehlt mir der Muth. Ich hoffte, Du würdest es übernehmen, Mama vorzubereiten und sie zu überzeugen, daß die Verhältnisse mich zu ungesäumtem Handeln drängten. Wenn Du mich anhören willst, wirst auch Du vielleicht das harte Urtheil ändern, welches in Deinen Zügen geschrieben steht." „So rede," lautete ihre Antwort, „aber mache es kurz und sei wahr, sofern ich Dir beistehen soll." „Liebe kleine Agnese!" begann er weich. „Immer hat mein Herz Dir angehangen, und wenn es auch, leicht entflammt, für die wechselnden Ein ­ drücke weiblicher Schönheit nicht unempfindlich war, immer kehrte es zu Dir zurück." „Das habe ich nicht zu hören verlangt", schaltete das Mädchen ein. „Nein, aber Du willst Wahrheit." „Komm zu Deiner Heirath, das andere ist Nebensache." „Wohl! Bei Lady Hemfort vereinten sich dem Reize einer bestrickenden Erscheinung Geist und Herzensgüte. Wenigstens durfte ich auf letztere aus der sorgsamen Pflege schließen, durch welche sie in Philadelphia mein Leben rettete. — Was soll