46 Posten, Couriers und Estafetten; die §§ 7, 8, 12, 60 handeln von den Posthäusern und Passagierstuben, von der äußeren Bezeichnung der ersteren. In den §§ 13—22, 24, 40, 42—45, 47, 50, 51, 53, 54, 58, 61, 63, 75, 76, 77 sind die Vorschriften enthalten über die einzelnen Dienstzweige, über die Versendungsgegenstände, als Briefe, Packete, Geld- und Werthsendungen, über Passagiere und Extrapostreisende nebst deren Gepäck, über die Poststraßen re. lind der Nest, nämlich die 88 22, 28—33, 36—39, 46, 68, 69, 72, 79 enthält die Vorschriften über den Postzwang, über Inhalt und Beschaffenheit der aufgeliefert werdenden Gegenstände, über verloren gegangene Sachen, über Aushülseleistung der Pferdebesitzer in besonderen Fällen re. Dem Landgrafen war es hoher Ernst, daß die fahrenden Posten sicher überkamen und die zu befördernden Sachen nicht geraubt oder verun ­ treut wurden, denn im 8 58 heißt es: „Ueber- haupt wollen Wir, daß den Posten auf Straßen und Wegen Sicherheit geleistet werde und befehlen, daß sich bey Lebens- und Leibesstrafe niemand an den sauf den Postens befindlichen Personen, Sachen und Paqueten vergreifen, oder solchen einigen Schaden und Nachtheil zufügen soll." Das Post ­ institut und die Beamten desselben sowie die Postillone werden außerdem unter den besonderen Schutz des Landesherrn gestellt, auch den Post- häusern, den Beamten und Postillonen von dem ­ selben besondere Vorrechte gegeben, damit das Volk den nöthigen Respekt habe. Alle Zuwider ­ handlungen gegen die ergangenen Vorschriften werden in jedem einzelnen Falle unter hohe Strafe gestellt. Diese Postordnung behielt Geltung bis zur Errichtung des Königreichs Westfalen unter Jöröme, welcher die hessischen Posten mit denen der Posten in den anderen Gebietstheilen verband und für dieselben gemeinsame Vorschriften erließ. Nach der Rückkehr des angestammten Herrschers, nun (seit 1803) Kurfürsten Wilhelm I. in seine Lande erhielt die von ihm erlassene Postordnung ihre Geltung wieder; derselbe er ­ gänzte sie noch durch das am 14. Oktober 1815 herausgegebene Reglement über die Extraposten, Couriers und Estafetten. Dies Reglement be ­ stimmt die Entfernungen auf den Haupt- und Nebenkursen iin Lande von Ort zu Ort nach Meilen, dann die Taxen pro Pferd und Meile bei Extraposten, Courieren und Estafetten, die Taxen für die bedeckten und unbedeckten Post ­ kaleschen pro Meile, die Höhe des Pvstillvns- trinkgeldes und des Schmiergeldes. Der Kurfürst mochte aber doch wohl einsehen, daß es besser sei, wenn das hessische Postwesen dem eines anderen größeren Postgebiets eingefügt werde, und daß dies den Unterthanen sowohl als der Staatskasse große Vortheile eintragen würde. Ein Anerbieten des Hauses Thurn und Taxis zur Uebernahme der hessischen Posten kam ihm daher ganz gelegen, und so entschloß er sich denn im Jahre 1816, dieselben in die Verwaltung jenes Hauses zu geben und zwar gegen Zahlung eines jährlichen Kanons von 40 000 Thalern. Die vom Kurfürsten erlassenen Vorschriften be ­ hielten zwar ihre Geltung, allein die Thurn und Taxis erlangten nun doch das Postwesen, nach welchem die Ahnen über 300 Jahre lang gestrebt hatten, und das in dieser langen Zeit von den Landesherren gehütet und gepflegt üwrden war. In dem am 29. Juni 1816 abgeschlossenen Vertrag heißt es: „ zur Erreichung einer dem handelnden und correspondirenden Publico vortheilhaften, sowie den allgemeinen Verkehr be ­ fördernden Gleichförmigkeit (übertragen Wir) dem Fürsten Carl Alexander von Thurn und Taxis für ihn und seine männlichen Nachkommen die Würde eines kurhessischen Erblandpostmeisters, auch damit als eigentliches Erb-Mann-Thronlehn das nutzbare Eigenthun: und die Verwaltung sämmtlicher Posten in Unserem Kurstaate. — Das Postregale mit allen seinen Ausflüssen, das Obereigenthum der Posten, sowie alle Hoheits ­ rechte über dieselbe, namentlich: die Ergreifung jeder Maßregel, welche die Sicherheit und das Wohl des Staates und des Publikums erfordern können, die Ausübung der Postpolizeigewalt und das uneingeschränkte Gesetzgebungsrecht in Post ­ sachen und alle dahin einschlagende Gegenstände bleiben Uns und Unseren Nachfolgern in der Regierung als Landes- und Lehnsherrn lediglich vorbehalten." Demzufolge unterlagen die Pvrtotaxen bei den reitenden und fahrenden ordinären Posten und die Taxe für Beförderung der Extraposten, Couriers und Estafetten, ferner Verträge und Konventionen über Anknüpfung und Verbindung der Posten mit denen anderer Staaten der landesherrlichen Genehmigung; die vorhandenen Postordnungen und Reglements verblieben in voller Kraft und waren zukünftig nur vom Landesherrn zu erlassen; Postbeamte und Postoffizianten hatten nur die vom Landesherrn verordnete Uniform und die Unterbeamten die verordnete Livree, die Postsiegel aber die Aufschrift „Kurhessisches Postamt" (Verwaltung, Station re.) zu tragen, die Post- häuser und Postcomtoirs als äußeres Erkennungs ­ zeichen das kurhessische Wappen zu führen; in der Eidesformel, welche die Dienstinstruktion der