32 von ihm erbauten katholischen Kapelle. Die noch von den ehemaligen Klöstern in Kassel übrigen Gebäude sind außer dem gewesenen Nonnenkloster zum Ahnaberge, Angnstinerordens, Beweise, daß die Stadt zur Zeit frommer Stiftungen keine der reichsten war, sowenig von Seiten der Stiftenden, als derer, welche den Genuß von jenen hatten. Es schildert auch Mittelalter und neue Zeit, wenn das angeführte Kloster jetzt eine Kaserne für des Landgrafen Leibgarde zn Pferde und zn Fuße ist. Das Hofhospital ist eine Stiftung von Land ­ graf Heinrich I., 1297 der heiligen Elisabeth ge ­ widmet, das Gebäude aber ist neuer. Von später errichteten Gebäuden ist das Zeughaus ans dem 16. Jahrhundert seiner Größe nach dem kriegerischen Geiste Hessens angemessen; der siebenjährige Krieg raubte ihm viele Denkmale von: bewiesenen Muthe der letzteren. Der sogenannte Renthof, zum Theil das ehemalige Karmeliterkloster, ist wenigstens so räumlich, das die meisten hohen Landeskollegien darin ihren Platz haben. Betrachtungswürdiger sind einige neue Gebäude in und bei der Stadt, alle von Zeiten Karl's an bis auf die von Friedrich II., zumal da sie den Kenner der Wissenschaft beschäftigen und unterhalten können. Nach der Zeitrechnung darge ­ stellt sind sie ein Beitrag zur Geschichte neuer Literatur und Kunst, doch mehr zu dieser, als jener. Entweder liegt's iin Geiste der hessischen Fürsten oder ihres Volkes, der in beiden kriegerisch ist und bleibt, daß Kassel niemals ununterbrochen ein Sitz der Wissenschaften blieb. Meßkunst und die damit verwandten Wissenschaften, Astronomie besonders, sind ausgezeichnete Liebhaberei eines Landgrafen nach dem anderen gewesen, in neuester Zeit Kriegswissenschaft, mit solcher schöne Kunst. Mich deucht, daß man dies einem Fürstenhause und einem deutschen Volke zum Verdienste an ­ rechnen sollte, sobald es fester Charakter ist. Karl's und Friedrich's II. Kassel ist und bleibt eine neue Schöpfung, die Wilhelm IX. allem Ansehen nach vor dem Ende des XVIII. Jahrhunderts vollenden wird." •——• Me hohen Feiertage in Marburg vom 15. bis 23. Juni 1653. Von G. Th. Dithmar. ^Dach einer großen Muth, welche guten Erd- Ty boden weggeschwemmt, tiefe Rinnen und &} Spalten gerissen und allerlei Gerölle in den Weg geworfen, giebt es Arbeit, wenn man die angerichteten Schäden heilen und den früheren Zustand wieder Herstellen will. Ebenso bedurfte es auf dem höheren Gebiete der Kunst, Wissen- schaft und Sitte einer heilenden Thätigkeit in den deutschen Landen, nachdem der zerstörende dreißig ­ jährige Krieg in dem westfälischen Frieden sein Ende gefunden hatte. In der Landgrafschaft Hessen war es die Wittwe Wilhelm's V., Amalie Elisabeth, welche, soviel in ihrer Macht stand, für ihr Volk Sorge getragen hatte, welche, als der Friede geschlossen war, nun mit der Absicht umging, die vom Landgrafen Philipp gegründete Universität als eine Helle Leuchte für Land und Volk wieder in das Leben zu rufen. Heil erblühte dem Hessen lande durch Mutter und Sohn, und das getreue Hessenvolk hat es an Dank und Nachruhm nicht fehlen lassen. Seit dem Jahre 1624, also während des dreißigjährigen Krieges, bestand zwar noch die Universität zu Marburg, allein Marburg und ganz Oberhessen, das einst durch seines Vaters Testament Ludwig IV., genannt Testator, zugefallen war, war Hessen-Darmstädtisch geworden, und die Universität war zu einer streng lutherischen gemacht worden. In Kassel sollte eine höhere Schule, das Mauritianum, vom Landgrafen Moritz gegründet, einen Ersatz für die verloren gegangene Universität leisten, und seit 1633 wurde dasselbe 20 Jahre lang eine aber nicht ge ­ nügende Universität. Auf die Regentin Amalie Elisabeth folgte ihr Sohn Wilhelm VI., der Gerechte genannt, der den Gedanken seiner im Jahre 1651 verstorbenen ruhmwürdigen Mutter, eine Universität zu schaffen, verwirklichte, so daß er der zweite Gründer genannt wird. Aber so leicht ging die Sache doch nicht von statten. Für das erste bedurfte es der kaiserlichen Bestätigung. Diese für Hessen-Kassel zu erlangen schien nicht leicht. Hatte im dreißig ­ jährigen Krieg Hessen-Darmstadt aus österreichischer Seite gestanden, so war ja im Gegentheil Hessen- Kassel Gegner des Kaisers gewesen. Eine andere Schwierigkeit war: an welchem