Full text: Sammelband

—⸗ 
66 
— 
„Sagen Sie mir genau, wie es mit mir steht. Ich bin auf alles 
gefaßt!“ darf den Arzt nicht dazu bringen, gleich in den schwärzesten 
Farben zu schildern. Er gibt dann einen heilfaktor aus der hand, 
der noch Erhebliches leisten kann. Gewiß kann es natürlich Fälle geben, 
bei denen die ganze Sachlage erfordert, daß mit der Wahrheit nicht 
hinter dem Berge gehalten wird. Es ist Sache der Menschenkenntnis 
und des Taktes des Arztes, hier den richtigen Weg zu finden. Im 
ganzen wird der erfahrene Arzt mit solchen bestimmten Vorhersagen 
des Krankheitsverlaufes äußerst vorsichtig sein, denn er hat oft 
genug Gelegenheit, festzustellen, daß das Leben sich noch unter Ver—⸗ 
hältnissen erhält, wo er es nach menschlichem Ermessen nicht mehr 
erwarten konnte. Die hier erörterten seelischen Faktoren in der 
ärztlichen Berufstätigkeit eröffnen auch das Verständnis für die Tat⸗ 
sache, daß zwei ürzte, trotz gleichen Könnens in wissenschaftlicher 
Beziehung, doch einen ganz verschiedenen Erfolg in ihrer Praxis 
haben können. Der eine versteht es, mit den Leuten umzugehen; 
er weiß, sie in der richtigen Art anzufassen. Dadurch vermag er 
suggestiv ganz anders zu wirken. Der zweite kommt gar nicht 
recht an die Leute heran und kann ihnen infolgedessen die seelische 
hilfe, die der andere gibt, nicht leisten. So vermag auch die hinzu— 
ziehung einer Autorität“ manchmal eine günstige Wirkung zu zei— 
gen, trotzdem diese therapeutisch oft auch nichts anderes hat anord— 
nen können, als die vom erstbehandelnden Arzt getroffenen Maß— 
nahmen. Aber der Nimbus solcher Persönlichkeit erweckt die Zu— 
versicht, daß nun auch alles getan sei, und diese entfaltet eine so be— 
ruhigende Wirkung auf den bis dahin ängstlichen Patienten, daß 
dadurch in seinem Befinden oft tatsächlich eine Wendung zum 
Besseren erzielt wird. 
Starke Wirkungen zeigt die Suggestion ferner in Verbindung 
mit besonderen heilmethoden. Ja, man kann sagen, daß sie bei 
pielen Kuren und heilmitteln der wirksame Bestandteil ist. So 
geht es vielfach mit den vielgepriesenen Bäderkuren, der Behandlung 
durch den elektrischen Strom, gleichgültig, ob er nun, wie es früher 
Mode war, als faradischer Strom gebraucht wird, oder ob er jetzt 
als die ins Maßlose gepriesene „künstliche Heohensonne“ zur Anwen⸗ 
dung kommt. Sweifellos haben diese Methoden ihr Gutes, und ihr 
Wert soll mit dieser Feststellung des wirksamen Bestandteils durch—
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.