Unser Werden, unser VDergehen, ein wesentlicher Teil unseres
deins spielt sich in den vier Wänden ab. Sie sind Zeugen der großen
kreignisse unseres Lebens, des Glückes der Liebe, der ersten seligen
klternfreuden, aber sie nehmen auch Teil an allen Mißklängen, die
der Cauf des Daseins mit sich bringt. Ist es nicht natürlich, daß sich
in unserem heim, an das wir uns gewöhnt haben, auch ein Teil un⸗
serer Seele widerspiegelt, daß wir das durch Mörtel zusammen⸗
gehaltene, mit Mörtel und Putz bekleidete Mauergefüge als eine
Individualität betrachten, daß nicht nur im Drama der Gefangene
seine Klagen an die Wände des Kerkers richtet, sondern auch wir in
manchen Augenblicken unser heim, das wir gern als traut bezeichnen,
anzureden geneigt sind? Dieser Gedanke liegt nahe, wenn wir uns
des Schutzes erinnern, den uns die Wohnung gewährt, die uns mütter⸗
lich aufnimmt, wenn draußen die Naturgewalten auf uns einbrausen
ind wir flüchten müssen, um uns innerhalb der vier Wände sofort
geborgen zu fühlen. Die alten Deutschen glaubten an schirmende,
manchmal neckende hausgeister (Heinzelmännchen); auch die Kömer
belebten das haus mit besonderen Göttern, den Laren und Penaten.
Nun kommt es vor, daß die Wohnung das auf sie gesetzte Ver⸗
rrauen nicht erfüllt; nicht selten birgt sie Gefahren in sich, deren wir
uns oft zuerst gar nicht bewußt sind, die sich aber bei Gelegenheit
doch bemerkbar machen. Diese Gefahren betreffen unsere Gesund⸗
heit. Die Urvölker suchten nach einem Obdach, um den Unbilden
der Witterung, den Angriffen menschlicher und tierischer Feinde zu
entgehen. Zwar fand man Schutz vor diesen Gefahren, zuerst in
krd- und Felshöhlen, später in hütten und Häusern, aber man setzte
sich neuen Gefahren aus, die aus dem dichteren Zusammenleben ent⸗
sprangen. Je weiter die Uultur fortschritt, desto enger pferchte
sie die Menschen ein, besonders in den raumgeizigen Städten. Das
Abereinanderwohnen brachte große Nachteile, raubte Licht und Luft.
Das Eigenheim wurde durch das Massenobdach verdrängt. Jetzt ließ
die Bauweise zu wünschen übrig: man sparte nicht selten an Material