( 90
)
unte»/ fest neben einander/ ohne sie jedoch zu quet,
schen/ aufgestellt, vnd der ganze Haufen wird mit Laken
fest zugedeckt. Zn fünf/ sechs oder mehrern Tagen
erhitzen sich die Blätter/ kommen in starken Schweiß,
vnd werden an den Rippen und Rändern gelb. Zn
dieser Zeit müssen sie des Tags einigemal untersucht
werden / und wenn sie bis zu diesem Grcide desSchwi-
tzens gebracht sind/ so muß derHaufen schnell aus ein, '
ander gelegt werden, daß er sich abkühlet, und nun
werden die Blätter auf Schnüre gezogen und aufge,
hängt. Können die Ocfnungen des Bodens, auf wel,
chem der Taback aufgehängt ist, verstopft werden, so
pflegt man, so bald das Aufhängen beendigt ist, von
Wacholder, Holz Rauch darauf zu machen, wodurch
die Poren der Blätter geschlossen werden, und ihr
Trocknen schneller erfolgt.
Durch dieses Verfahren bekommen die Blätter sämt
lich eine egale hellbraune Farbe, und sie sind äußerlich
von guten Vtrgintschen nicht zu unterscheiden.
Eöttingen. Zach art ä.
Verschiedene Gedanken.
Wenn die Menschen unter einander sich gehörig
verständigen könnten, und Mangel an Zutrauen, Vor,
urtheile, hartnäckiger Eigensinn, und stolzer Egoismus
dieser Verständigung nicht so schwer zu überwindende
Hindernisse in den Weg legren, so würde das gesellige
Leben weit reicher an unschuldigen Freuden sein. Viele
würden Freunde werden , die sich vorher mit Mts,
trauen ansahen, und mit dem Argwohn würbezugleich
der böse Stoff zu feindseligen Urtheilen verschwinden.
Manche Meinung erhielt dadurch viele Anhänger,
daß sie in einem kühnen und entscheidenden Ton vor,
getragen wurde, uvd die Menge der Anhänger und
Nachsprecher gab nun wieder der Meinung cur großes
Gewicht. Beides aber, der entscheidende Ton, und
die Betstimmung Vieler, geben einer Meinung an sich
noch kernen Werth; sondern dieser beruht aufden Grün
den , die für ihre Wahlbcit angeführt werden. Da sich
jedoch unter tausend Menschen kaum dreisig finden
möchten, die Fähigkeit oder Neigung haben, nach
Gründen die Wahrheit oder Falschheit, das Nütz,
liche oder Nachtheilige einer Meinung ,ehörig zu un,
tersuchen und zu prüfen, so erhellt, wie unpolitisch die
politischen Philosophen unter den Franzosen in der Re
volutionszeit verfuhren, da sie die öffentliche Meinung
als rin Orakel der Wahrheit betrachteten und dehan,
delten.
Es giebt manche Lustigmacher und Witzlinge, die
gewohnt sind, aus alles, auch sogar aus Fragen, de,
reo Beantwortung bloß gesunde Vernunft, feinen Ge,
schmeck, gelehrte Kenntnisse erfordert, mrt einem wt,
tzig setn sollenden Spaßezu antworten. Sie wollen zwar
dadurch ihre Schwäche und Unwissenheit verhüllen,
aber ber Witz ttiiffrath ihncn die mciste Zeit und wird
frostig. Voltaire, der doch cin Mtister im Scherzen
war, sagt in seinem witzigen Roman Zadig: L’em-
prcssement de montrer de l’esprit e&t la plus sûre
manière de n’en point avoir et de gâter la société
la plus brillante.
Manchem fließt die Rede lieblich wie Honig von
den Lippen, aber dies ist doch nicht immer ein Beweis,
daß sie wirklich aus dem Herzen quillt. Auch der Schalk
kann zu Zeiten schön klingende, rührende pathetische
Reden halten. Beispiele genug davon liefert uns die
Geschichte der französischen Revolution.
Gerade weil die Macht der Beredsamkeit, mag sie
mündlich oder schriftlich auf die Lenkung der G wülher
es anlege», bedeutend groß ist, verlangt man mit
Recht, daß der große Redner, wie auch Cicero ihn
haben will/ ein guter und rechtschaffener Mann sei.
Wqrme und Kälte.
Dis Wärme ist das Element, worin alles gedeihet,
so wie die Kalte allen Wachsthum verhindert. In den
nördlichen Gegenden der Erde,' wo beinahe ein ewiges
Winter herrscht, giebt es weder Frühling noch Herbst,
sondern unmäßige Hitze und unmäßige Kälte, und im
Sommer geschieht der Wachsthum der Pflanzenprsducte
ungeheuer schnell.
In Sibirien
schmilzt der Schnee den 23. Zunii,'
der Schnee ist völlig fort den l. Julii,
die Felder sind völlig grün den 9. Zulii,
die Pflanzen und Kräuter stehen in vollem Wüchse he«
»7- Zulii,
die Pflanzen blühen den 27. Jolti,
die Früchre sind reif de» 2. August,
Pflanzen vnd Bäume verliere« die Blätter den io. Aug.,
eö fällt Schnee den ¡8. August.
Schnee und Eis bleiben vom iZ. August bis 23. Zunii.
A n e c &; 0 t e n.
1.
Der Kardinal Dubois hatte einen Haushofmeister,
dessen Betrügereien ihm bekannt waren, den er aber,
seiner übrigen Brauchbarkeit wegen, nicht gern seines
Dienstes entlassen wollte. Am Nenjahrstage brachte
ihm derselbe allemal seine Glückwünsche Anstatt daß
ihn der Kardinal, gleich seinen übrigen Bedienten,
beschenkte, sagte er bloß jedesmal zu ihm: Ich schenke
dir das, was t>* mir im »erwicheuen Zahr gestohlen
hast. Der Haushofmeister machte alsdann seine riefe
Verbeugung, sagte weiter kein Wort, und entfernte
sich.
2.
Man sagte einst dem Herzoge von Longu ev Ule,
daß die Edelleute, welche ihre Landsitze zunächst «#
! J
M