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Bassin, wo auf den Seiten über 80,Fontainen
und in der Mitte der Name Wilhelm springet.
Der Garten ist nach einem ganz neuen und be
sondern Geschmack. In der Mitten sind 3 Gär
ten, nemlich ein Holländischer, ein Englischer
und ein Französischer; auf den Seiten aber
sind 4 verschiedene, wo die 4 Jahreszeiten vor
gestellet sind. Also hat der nördliche Theil
nichts als Tannen, Tax und Fichtenalleen; der
Frühling zeigt uns das schönste Blumenreich
mit verschiedenen Vögelhecken. Der Sommer
giebt kühlende Früchte, als Melonen, Gemüse
etc., und der Herbst lässet uns Reihen voll
Obstbäume sehen. Mitten in dem Garten ist
ein springendes Wasser, welches einen Cham
pignon formiret.
Die Chinesischen Gebäude, das Grotten und
Cascaden Werk sind Meisterstücke der Kunst.
Neben dem Garten liegt ein mehr durch Kunst
als durch die Natur gemachter Wald.
Des andern Tages [9. Julis sahe ich auf
der Baracke das Exercice der Hessischen
Soldatesque, welche nicht nur wegen ihrer
Manoeuvres, sondern auch wegen der glänzen
den Uniform und schönen Mannschaft gleich
der Würtembergischen gesetzet zu werden ver
dienet. Von hier gieng ich das Mockellhanß
besehen, wo ich im kleinen jedes Stück und
Gebäude sehe, was Hessen Caßel vorzügliches
hat, worunter ich besonders Weißenstein und
den Carlsberg rechne, welches Stück int Modell
ich mit Erstaunen examiniret habe.
Während meines Aufenthalts in Cassel war
der iztregierende Landgraf nach Aachen unb
Spaa der Wasser wegen gereiset. Die Land
gräfin seine Gemahlin resickiret mit dem Erb
prinzen und dessen Gemahlin aus dem Däni
schen Hause zu Hanau.
Ich wollte von hier aus Göttingen gehen,
allein die unangenehme Nachrichten, welche
man mir von diesem Wege gab, die hohen
Felsen und Gebirge bey Hannöverisch
Minden, die öden Gehölze und Waldungen,
die verschiedene Zufälle, welchen viele Reisende
auf diesem Wege sind unterworfen gewesen,
alles dieses schreckte mich ab, diese Reise allein
zu unternehmen. Ich nahm also den 9 ten
Nachmittags Extraposte und fuhr über Geis
mar, wo man sehr gesunde Bäder antrift,
über Carlshafen, welches eine vom Land
graf Carl au dem Weserfluß sehr angenehm
und regulair. gebauete Statzt ist, und über
Hoechster und über das Backerhorn'sche
Städtlein Bücke nach Pyrmont, woselbst
ich nach einer Tag und Nacht durch fort
gesetzten Reise des andern Tages um 7 Uhr
Abends ankam. Auf dieser kurzen Reise mußte
ich nicht nur 2 mahl die Weser passiren, son
dern ich hatte auch das Ungemach, durch ver
schiedener Herren Lande zu kommen. Ich ver
lasse kaum das Hessen Casselsche Gebiet, so
komme ich aufs Backerdornsche, hierauf auf
Hannöverisch, wieder auf Backerhornsch, von
da auf der Abtey Corvey, zum drittenmal)!
auf Backerhorner Gebiet, und endlich auf die
Grafschaft Pyrmont. So oft ich ein ander
Land betrete, so oft muß ich andere Münze
bey mir führen, anderer Ungemächlichkeiten zu
geschweigen."
Die Vergiftung des Lakaien Bechstädt. Von paul Heidelbach.
(S ch l u ß.)
Schon als ein Knabe von 14 Jahren war
Bechstädt immer niedergeschlagen und traurig,
und es scheint, daß die häuslichen Umstände
seiner Familie, welche durch seines Vaters
Ausschweifung im Trünke sehr zerrüttet wor
den, diese Gemüthsstimmung zunächst veran
laßt haben. Sein Temperament war überdem
sehr reitzbar, und unangenehme Ereignisse, be
sonders wenn sein Ehrgefühl dadurch verletzt
ward, machten einen tiefen Eindruck auf ihn.
Die französische Occupation des Landes brachte
ihn aus den Diensten des höchstseligen Kur
fürsten in die Dienste des vormaligen Königs
von Westphalen, worin er bald zum Oberlakai
befördert wurde. In dieser Eigenschaft be
gleitete er die Königin von Westphalen im
Jahre 1813 nach Frankreich und verlebte eine
geraume Zeit in Paris. Während der 3 letzten
Monate seines dortigen Aufenthaltes verfiel
Bechstädt in eine tiefe Schwermuth, die ihn der
Verzweifelung nahe brachte. Nach der Aus
sage einiger Zeugen, soll diese Gemütskrank
heit nur die Folge eines hitzigen oder Nerven-
Fiebers gewesen seyn; allein ein anderer Zeuge,
der, weil er mit Bechstädt in Paris gewesen,
unb diesen während seiner Gemüthskrankheit
öfters besucht, die beste Kenntniß der Sache
hat, behauptet ganz bestimmt: daß Bechstädt
in Paris keine eigentliche Krankheit gehabt,
sondern sich nur traurige Vorstellungen über