Volltext: Das Amt Landeck und seine Bewohner

aussah. Es bildeten sich nunmehr an der Spitze die Knotten, also 
die Behälter für den Leinsamen. Nachdem diese eine gewisse Reife er— 
reicht hatten, wurde der Flachs im August, teilweise auch schon früher, 
geropft, in Bosse gebunden und nach der Scheuer gefahren. Hier 
war eine Vorrichtung für die sogenannte Räffstange vorhanden, 
letztere wurde quer durch die Scheune in wagerechter Lage, ungefähr 
eineinhalb Meter hoch, angebracht, worauf dann ein bis zwei Räff- 
kämme auf derselben befestigt wurden. Letztere bestanden aus Stahl, 
waren ungefähr ein Meter lang, 25 Zentimeter hoch und hatten die 
Form eines Haarkammes. Abends begann bei mangelhafter Beleuch— 
tung das Räffen und es ging oft recht lustig in dieser Räff- 
schüseenn zu, die Burschen wurden eingeladen zu helfen und so stand 
jung und alt an der Räffstange und zog eine Handvoll Flachs mehrere— 
mals durch den Räffkamm, bis keine Knotten mehr an dem Flachs 
waren. Oft dauerte diese Arbeit bis Mitternacht und wurde von der 
Hausfrau mit Kaffee und Kuchen belohnt. Die Knotten — Samen— 
kapseln — wurden eingesackt und bei gutem Wetter im Freien auf 
einem Klängtuch ausgebreitet. Hier trockneten sie rasch, wurden braun 
und sobald der Leinsamen in denselben braun und reif war, brachen 
die Knotten mit einem kleinen Klang auf und der Samen fiel teilweise 
heraus auf das Tuch, daher der Name „Klängtuch“. Hatte man 
festgestellt, daß alle Knotten genügend gedorrt bezw. aufgeplatzt waren, 
so wurde das Tuch mitsamt den Knotten in die Scheune getragen und 
die Knotten wurden noch etwas gedroschen. Die Scheune wurde nun 
recht sauber gekehrt, die gedroschenen Knotten wurden am Eingang 
auf einen Haufen geschüttet und nun begann das Wurfen. Mit 
einer Schaufel wurden dieselben in ziemlich hohem Bogen bis an das 
andere Ende der Scheune geworfen, wodurch sich alles von einander 
schied. Die gesunden Kerne flogen am weitesten, etwas weniger weit 
flogen die unreifen und leichten Kerne und ganz kurz nur flog die 
Spreu. Letztere gab ein gutes Viehfutter, auch wurden die leichten 
Kerne als Viehfutter verwendet, jedoch nur dann, wenn einmal einem 
Stück Vieh etwas fehlte. Der beste Leinsamen wurde von den Oel-— 
schlägern aufgekauft und in der Oelmühle geschlagen. Man 
gewann hieraus das Leinfett, das zum Schmelzen der Suppen 
und Kartoffeln Verwendung fand, daneben diente es aber auch zur 
Speisung der Hängelichter. Die Rückstände von dem Leinfett 
(Leinöl) wurden in sogenannte Leinkuchen geformt und bildeten 
ein gutes Viehfutter. 
Eine viel mühsamere Behandlung erforderte der Flachs, bis er 
verarbeitet werden konnte. 
Nachdem am Räffkamm die Knotten von demselben entfernt 
waren, wurde er in lauter kleine Bündel (Pfuhlböngesl) gebunden 
und in irgend ein Wasserloch (Flachsröste) —Flaasröss— gelegt 
und mit Steinen beschwert. Auch wurde derselbe zum Teil in den Bach 
an eine etwas tiefe und durch Weidenhecken versteckte Stelle gelegt, 
was aber wegen der Fischerei später streng verboten wurde. Nachdem 
der Flachs neun Tage im Wasser gelegen und eine ganz andere Farbe 
angenommen hatte, wurde er auf den Wiesen ausgebreitet. Hier lag 
er einige Wochen und bleichte — rostete —; er nahm eine hell— 
gelbe Farbe an. Wenn er soweit war, daß er sich knicken ließ, wurde
	        
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