Friedenszeit 1871 bis jetzt.
Großartig waren die für den Einzug des J. Bataillons in Wiesbaden am
7. Zuli getroffenen Vorbereitungen, begeistert der Empfang. Bis in die
entlegensten Gassen hinein fand diese Begeisterung in reichem Häuserschmuck
ihren vielfach rührenden Ausdruck. Die Begrüßungsworte der Zeitungen
ließen ebenso wie die Inschriften und Transparente erkennen, in welch
guten Beziehungen das Regiment vor dem Ausmarsch zur Bürgerschaft
gestanden und wieweit der deutsche Einheitsgedanke jetzt bereits durch⸗
gedrungen war. „Wir betrachten es als unser Regiment,“ hieß es im
„Rheinischen Courier“, „wenn es auch nur zum kleinen Teil aus nassauischen
Landeskindern und zum größten Teil aus hessischen Jungen besteht; wir
haben ja gelernt, alle als die Söhne eines gemeinsamen Vaterlandes zu
schätzen!“ — „Durch Einigkeit und Mut — All' unter einen Hut!“ lautete
eines der vielen Transparente.
Tausende waren dem Bataillon schon nach und über Biebrich hinaus
entgegengeeilt. Der neu ernannte Regimentskommandeur, Oberstleutnant
v. Kaweczynski, hatte in ritterlicher Kameradschaftlichkeit die Führung
beim Einzuge an Major v. Below übertragen, weil dieser das Regiment
vwährend eines so großen Teiles des Feldzuges geführt hatte.
Als erster Gruß der Stadt tönte den Heimkehrenden festliches
Glockengeläute entgegen. Am „Rondel“ war das Ersatzbataillon aufge⸗
stellt, um sich dann dem Einzuge anzuschließen. Je näher die Bataillone
der Stadt kamen, desto höher schlugen die Wogen der Begeisterung, welche
den Höhepunkt erreichte, als das J. Bataillon nach kurzem Halt mit dem
Preußenmarsch in die Adolfsstraße einrückte. Am Eingang zur Rhein—
straße fand die Begrüßung statt durch die Spitzen der Behörden, den
Regierungspräsidenten Grafen Eulenburg, Landrat Rath, Bürgermeister
Coulin und den Rat der Stadt. Der zur Kur in Wiesbaden weilende
Bruder Seiner Majestät, Prinz Carl von Preußen, war durch sein
Leiden am Erscheinen verhindert, jedoch erwies Ihre Königliche Hoheit
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