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Aus Gelnhausen. Für das als Erholungs
heim für geistige Arbeiter deutscher Nation bestimmte
Kaiserslist stellten die Stadtverordneten ein Baugelände
von 25 Morgen in schönster Lage zur Verfügung.
Aus Schmalkalden. Für die hier geplante
Gedächtnishalle zur Erinnerung an den Schmalkalder
Bund hat der Landgraf von Hessen auf Schloß
Philippsruhe das Bild Philipps des Großmütigen
zur Verfügung gestellt.
Aus Büdingen. Auf der Glauburg werden
zur Zeit umfassende Ausgrabungen vorgenommen,
die vor allem die Reste der mannigfachen Befestigungen
freilegen sollen.
Statistisches. Das relative Wachstum der
Bevölkerung seit den letzten 5 Jahren betrug im
Regierungsbezirk Kassel 5,52 Prozent (Kassel 10,39,
Hanau 9,23, Eschwege 5,95, Hofgeismar 2,24,
Melsungen 5,03, Witzenhausen 7,31, Marburg 8,
Fulda 10,13, Hersseld 10,65, Gelnhausen 1,21,
Bad Orb 4,73, Schlüchtern 31,55, Schmalkalden
5,23, Rinteln 7,34, Biedenkopf 3,29.) — Bei der
letzten Volkszählung hatte der Regierungsbezirk Kassel
514 899 Frauen und 493 143 Männer. Die Frauen
überwogen an Zahl in Kastel (79 200 73 878),
Eschwege (6645'5901), Rotenburg (1817 : 1456),
Witzenhausen (2073 1992), Marburg (10 953 .
10 915), Fulda (11 452 11036), Hersseld (4873 :
4740), Gelnhausen (2521 : 2337), Schmalkalden
(5144 : 4883), Rinteln (2907 : 2813), Biedenkopf
(1569 : 1446). Die Männer überwogen dagegen
in Hanau (19 205 - 18 268), Hofgeismar (2602 :
1863), Homberg (1883 : 1831), Hünseld (1146 •
993), Schlüchtern (2249 1695).
Hessische Bücherschau.
Schoos Wilhelm Schwälmer Vornamen und Hes
sische Ortsnamen in mundartlicher Gestalt.
Beide genannte Arbeiten sind in der „Zeitschrift für
deutsche Mundarten" abgedruckt, die bereits eine ganze
Reihe ähnlicher Aufsätze über hessische Volkskunde und
Mundarten aus der Feder desselben Verfasiers gebracht
hat. Die erste enthält eine vollständige Sammlung der
in der Schwalm gebrauchten Vornamen in mundartlicher
Gestalt, wobei die bekannten häufigen Zusammensetzungen,
die mitunter dem Fremden ganz unverständlich find, ein
besonderes Interesse bieten. Namen wie Bäs de Hin =
Sebastian Heinrich und Märleng — Maria Magdalene.
Angefügt find zahlreiche Spottverse und Kinderreime auf
Vornamen, die teilweise auch sonst gebräuchlich sind, im
Schwälmer Volksmunde aber oft eine recht eigenartige und
derbkräftige Form angenommen haben. Die zweite Arbeit
stellt Ortsnamen der Hersfelder Gegend in mundartlicher
Gestalt zusammen, wie es der Verfafier schon früher für
Ziegenhain und andere Kreise getan hat; die urkundlichen
Formen find zum Vergleiche daneben gerückt und bieten
für die heutige Volksaussprache deS Namens manche be
achtenswerte Entsprechung, wie die appellativen Bezeich
nungen „die Tann" und nach „dem Kathus" Auf
fallend erscheint, daß die mundartliche Verkürzung dich
für dach in manchen Namen wie Asbach und Roßbach
nicht durchgedrungen sein soll, während sie in allen andern
vorhanden ist und auch in dem Asbach bei Schmalkalden
und Allendorf auftritt.
Kassel. A. Fuckel.
Engelhard, Karl. Garten der Göttinnen. In
sieben Lauben. Erhebungen deS Herzens auf dem Wege
zum Wesen. 162 Seiten. Leipzig (Ernst Wunderlich).
Die hessische Hausinschrift „Der Gottheit rein und stilles
Wesen hab ich zur Wohnung mir erlesen", die Karl Engel
hard seinem neuen Buch voraussetzte, bringt den Inhalt
knapp und gut zum Ausdruck. Es ist die große Stille,
in der jeglich „Wann und Wo sich eint" der Punkt, von
dem, wie Dante sagt, „alle Himmel abhangen" Die lange
schlummernde germanisch-religiöse Mystik schlägt ihre Augen
endlich wieder einmal auf; Ekkehart, Böhme, Tauler,
ValentinuS, Novalis treten in Engelhard aus dem „Schlaf
der Welt" aufs neue in die Wirklichkeit, das immanente
GotteStum als höchste Erkenntnis und die im Weltgesetz
gebundene freie Schöpfertat als deren notwendige Folge
kündend und preisend. Das neue Werk Engelhardts erklärt
sich in der Reihe feiner bisher erschienenen am besten als
nach-, aber doch vollwirkende Macht der vor sieben
Jahren im „Weltkind" zum ersten Male ausgesprochenen
Gedanken. Das tiefe, innige Gemüt, das sich mit Gott
und Welt in pantheistifch-mystischer Verknüpfung eins
weiß, ist dasselbe geblieben; die Gedanken selber aber sind,
was bei ungebundener Redeweise ja auch viel eher möglich
ist, deutlicher, erhabener und klarer herausgeprägt.
B. Moriton-v. Mellenthin.
dr.— Abiturientenliste der Auguftinerschule zu
Friedberg (Hesien) 1851 —1902. 20 S. 8" Bei-
läge zum Jahresbericht der Großh. Augustinerschule
(Gymnasium und Realschule) Ostern 1912. — (Zu be
ziehen durch die Friedberger Buchhandlungen). 30 Pfg.
Die früheren Augustinerschüler und insbesondere alle
Freunde der Familiengeschichtsforschung werden diese ebenso
mühselige wie dankenswerte Veröffentlichung der Friedberger
Augustinerschulmatrikel freudig begrüßen. In 719 Num
mern sind darin Beruf. Wohnort und Tod der Ab
iturienten von 1851—1902 zusammengestellt. Biele ehe
malige Augustinerschulabiturienten werden aus dem hübsch
ausgestatteten, empfehlenswerten Büchlein zum erstenmal
hören, was inzwischen aus ihren Schulfreunden und Mit-
schülern geworden ist. Dank der freundlichen Mitarbeit
vieler Freunde der Anstalt gelang es der Direktion, in
obiger Schrift sogar über das Schicksal der Augustiner-
schüler Auskunft zu geben, die sich im Ausland nieder-
gelaffen haben. Besonders zu begrüßen ist eS. daß die
Matrikelveröffentlichungen fortgesetzt werden. In den
künftigen Osterberichten der Anstalt sollen die LebenSdaten
immer der Abiturienten Aufnahme finden, die vor 10 Jahren
die Anstalt verlassen haben. Hoffentlich bietet sich auch in
absehbarer Zeit die Gelegenheit, eine gleiche Liste der Schüler
vor 1851 und ebenso ein Verzeichnis der Lehrer der An
stalt zu bringen. Durch solche Veröffentlichungen wird um
Schule und Schüler ein Band geschlungen, dessen ideeller
Wert mit den Jahren wächst, zumal wenn es sich um eine
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Anstalt handelt, die. wie die Friedberger AugUstinrrschlLr.
auf eine fast 400jährige, rühmliche Vergangenheit zurück
blicken darf. Dreher, Friedberg.
Eingegangen:
Diehl. W. und Herrmann, F. Beiträge zur
hessischen Kirchengeschichte, IV. Band, 5. Heft,
und QuartalblLtter des Historischen Vereins
für das Großherzogtum Hessen. N. F. 1911.
1.-4. Vierteljahrsheft. Darmstadt (Hist. Verein f. d.
Großherz. Hessen) 1911..
Rein. Dr., SBertoIb. Dir Brunn«» im Volksleben.
1.—5. Taufend. 185 Seiten. Mit 110 Abbildungen.
München (R- Piper L Co.). Preis kart. 3 M.. geb. 4 M.
Personalien.
Verliehe« r dem Rechnungsrevisor, Rechnungsrat
Z i b e l l zu Marburg der Kronenorden 3. Kl.; dem Obet-
landmesser a. D. Klingelhöfer zu Witzenhaufen dir
Rote Adlerorden 4. Kl.; dem Postsekretär a. D. Heppe
zu Philippsruhe-Kefselstadt der Kronenorden 4. Kl.; dem
Oberlehrer vr. phil. Herbert an der Baugewerkschttle
zu Kassel der Charakter als Professor.
Ernannte Pfarrer Endemann zu Singlis zum
Metropolitan der Pfarreiklasse Borken; Gerichts« ssefsor
H a r f f zum Amtsrichter in Salmünster; die Referendari
Eckard Frießem, vr.'Lehr, Rudolph. Seiden
stücker und Warnke zu Gerichtsassessoren.
Bestätigt r die Wiederwahl des Landeshauptmanns
Riedesel Freiherrn zu Eisenbach zum Landeshaupt
mann für den Bezirksverband Kassel auf eine weitere, mit
dem 1. Juli d. I. beginnende 12jährige Amtsdauer.
Beanftragt: Pfarrer sxtr. Petschar mit der Ver-
sehung der Hilfspfarrstelle der luth. Gemeinde in Marburg.
Gewähltr Beigeordneter vr. Scholz zu Düsseldorf
zum Oberbürgermeister der Stadt Kassel.
Versetzt r Regierungs- und Forstrat, Geh. Regierungs
rat von Bentheim an die Königliche Regierung in Kassel;
Oberförster Strauß nach Fritzlar; Postdirektor Wese»
mann nach Kastei; die Vermeffungsinspektoren, Ökonomie
räte Deubel von Kassel nach Düsseldorf und Hempel
von Hannover nach Kassel; Oberlandmesser Prasse von
Marburg nach Eschwege.
Zugelassen zur Rechtsanwaltschaft r die Gerichts-
astefloren vr. Petz old zu Gudensberg und Rudolph
zu Frankenberg.
In den Ruhestand versetzt: Kreistierarzt, Veterinär
rat Kobel zu Volkmarsen.
Geborene eine Tochter: Oberleutnant Schellmann
nnd Frau, geb. Wißmann (Kaste!. 18. April); Rechtt-
anwalt vr. Vilmar nnd Frau, geb. Bachmann (Kassel,
29/April).
Gestorben r Goldwaren - Fabrikant Cäsar Böhm,
64 Jahre alt (Hanau, 14. April); Gräfin Ludovika
von Schaumburg, 71 Jahre alt (München, 19.April);
Generalmajor z. D. Adalbert Buchfinck, 73 Jahre^alt
(Eisenach, 19.April); Frau Elisabeth Weitzmann. gck>.
Griesel, Witwe des städt. Obersteuerinspektors, 67 Jahre
alt (Kassel, 21. April); Generalmajor z. D. Theodor von
Cochenhausen 63 Jahre alt, geborener Kastelaner,
gab die Regimentsgeschichte des Kurh. Feldartillerie-Rgt».
heraus (Halensee bei Berlin); außerordentl. Professor der
Chemie vr.pbil. Friedrich Bernhard Fittica, 62 Jahre
alt (Marburg, 23. April); Fabrikant Karl N ö l ke. 62 Jahre
alt (Kasiel, 23. April); verw. Frau Marie Heckeroth,
geb. Ricker, 64 Jahre alt (Kaffel, 24. April): Fräulein
Luise Gies, belletristische Mitarbeiterin des „ Hessenland *
(Kaffel, 28. April); Schlosser-Obermeister Werner Bösser
(Kastei, 28. April); Ökonomierat Karl S ch l e n k e (Schlitz,
28. April); Rittergutspächter Hermann Braun. 91 Jahre
alt (Cornberg. 28. April); Fräulein Thekla vonBarde-
leben, StiftSdame zu Obernkirchen, 71 Jahre alt (Kassel,
29. April).
Sprechsaal.
Zu dem Plane, das Landgestüt von Dillmbnrg nach
dem Bezirk Kassel zu verlegen, möchte ich vorschlagen, diese
Anstalt in Kassel unterzubringen. Durch die Verlegung
des ArtillerieregimentS in eine weiter vor der Stadt zu
errichtende Kaserne wird ein sehr umfangreiches Terrain
innerhalb der Stadt frei. Wozu also dieses schön« Grund
stück verkaufen und anderwärts ein Terrain zum Bau des
Landgestüts erwerben? Meiner Anficht nach kann man
gar kein geeigneteres Terrain für das Landgestüt finden.
Durch geeigneten Umbau und Neubauten kann hier etwas
Großes und Schönes geschaffen werden, ganz abgesehen von
den wirtschaftlichen Vorteilen, die die Stadt dadurch haben
würde. Das Zeughaus, eines unserer hervorragendsten
Baudenkmäler, könnte auf diese Weise erhalten bleiben
und in vollem Umfang den Zwecken des Landgestüts dienst
bar gemacht werden. Das Untergeschoß mit seinen einzig
artigen Gewölben könnte als Chaisen- und Wagenhalle
dienen, zu welchem Zweck von der Hofseite einige Einfahrts
tore gebrochen werden können. Die oberen Geschosse könnten
als Material- und Geschirrkammern eingerichtet werden
und auch wieder als Futterböden dienen.
E. Wenzel.
Briefkasten.
Auf verschiedene Anfragen. DaS Preisausschreiben
für die Erlangung eines BühnenfestspieleS zur Tausendjahr-
feier der Residenz Kassel im September 1913 erfolgt nach
folgenden Bestimmungen: 1. Der Stoff des Festspiel»
muß der Geschichte Kassels entnommen fein, kann aber
dichterisch frei gestaltet werden. 2. Bei der Szenerie ist
auf einfache Bühnenverhältnisse Rücksicht zu nehmen, da
die Aufführung nicht im Hosthrater, sondern in einem
Saale stattfinden soll. 3. Die Darsteller werden ans der
Kasseler Bürgerschaft gewonnen werden. 4. Die Dauer
des Festspiels soll 2 Stunden nicht überschreiten. 5. Da»
Manuskript de8 Festspiels ist spätestens btt zum 1. Januar
1913 in Schreibmaschinenschrift an den FestsPielauSschuß
Kassel (Rathaus, Zimmer 82) einzureichen, muß mit einem
Kennworte versehen sein und in versiegeltem Briefumschlag»
mit gleichem Kennwort« den Namen de» Verfassers ent
halten. 6. Als Preis für das geeignetste Festspiel find
2000 Mark festgesetzt. Die Stadt Kaffel erwirbt damit
das Recht der Aufführung. 7. Die Stadt Kaffel behält
fich das Recht vor. von den eingereichten Festspielen noch
weitere zur gelegentlichen späteren Aufführung zur erwerben,
dergestalt, daß sie das Recht der ersten Aufführung hat.
8. in Kassel. Ob noch eine Mitgliederliste der "in den
60 er Jahren eingegangenen Kasseler Tonkünstlervereinigung
besteht, ist uns nicht bekannt. Vielleicht weiß einer unserer
Leser, ob der Hoffchauspieler Karl Häser dieser Vereinigung
angehört hat. Etwaige Mitteilungen werden wir Ihnen
gern übermitteln.
Zu 8. 128. Wie uns mitgeteilt wird, wurde der am
8. April verstorbene Altbürgermeister zu Ems August
Spangenbergam 9. November 1838 in Ansbach bei Borken
als Sohn de» Pfarrers Dietrich Spangenberg geboren.
Für die Redaktion verantwortlich: Paul Heidelbach, Kassel. Druck und Verlag von Friedr. Scheel. Kaffel.