Volltext: Hessenland (26.1912)

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Aus Gelnhausen. Für das als Erholungs 
heim für geistige Arbeiter deutscher Nation bestimmte 
Kaiserslist stellten die Stadtverordneten ein Baugelände 
von 25 Morgen in schönster Lage zur Verfügung. 
Aus Schmalkalden. Für die hier geplante 
Gedächtnishalle zur Erinnerung an den Schmalkalder 
Bund hat der Landgraf von Hessen auf Schloß 
Philippsruhe das Bild Philipps des Großmütigen 
zur Verfügung gestellt. 
Aus Büdingen. Auf der Glauburg werden 
zur Zeit umfassende Ausgrabungen vorgenommen, 
die vor allem die Reste der mannigfachen Befestigungen 
freilegen sollen. 
Statistisches. Das relative Wachstum der 
Bevölkerung seit den letzten 5 Jahren betrug im 
Regierungsbezirk Kassel 5,52 Prozent (Kassel 10,39, 
Hanau 9,23, Eschwege 5,95, Hofgeismar 2,24, 
Melsungen 5,03, Witzenhausen 7,31, Marburg 8, 
Fulda 10,13, Hersseld 10,65, Gelnhausen 1,21, 
Bad Orb 4,73, Schlüchtern 31,55, Schmalkalden 
5,23, Rinteln 7,34, Biedenkopf 3,29.) — Bei der 
letzten Volkszählung hatte der Regierungsbezirk Kassel 
514 899 Frauen und 493 143 Männer. Die Frauen 
überwogen an Zahl in Kastel (79 200 73 878), 
Eschwege (6645'5901), Rotenburg (1817 : 1456), 
Witzenhausen (2073 1992), Marburg (10 953 . 
10 915), Fulda (11 452 11036), Hersseld (4873 : 
4740), Gelnhausen (2521 : 2337), Schmalkalden 
(5144 : 4883), Rinteln (2907 : 2813), Biedenkopf 
(1569 : 1446). Die Männer überwogen dagegen 
in Hanau (19 205 - 18 268), Hofgeismar (2602 : 
1863), Homberg (1883 : 1831), Hünseld (1146 • 
993), Schlüchtern (2249 1695). 
Hessische Bücherschau. 
Schoos Wilhelm Schwälmer Vornamen und Hes 
sische Ortsnamen in mundartlicher Gestalt. 
Beide genannte Arbeiten sind in der „Zeitschrift für 
deutsche Mundarten" abgedruckt, die bereits eine ganze 
Reihe ähnlicher Aufsätze über hessische Volkskunde und 
Mundarten aus der Feder desselben Verfasiers gebracht 
hat. Die erste enthält eine vollständige Sammlung der 
in der Schwalm gebrauchten Vornamen in mundartlicher 
Gestalt, wobei die bekannten häufigen Zusammensetzungen, 
die mitunter dem Fremden ganz unverständlich find, ein 
besonderes Interesse bieten. Namen wie Bäs de Hin = 
Sebastian Heinrich und Märleng — Maria Magdalene. 
Angefügt find zahlreiche Spottverse und Kinderreime auf 
Vornamen, die teilweise auch sonst gebräuchlich sind, im 
Schwälmer Volksmunde aber oft eine recht eigenartige und 
derbkräftige Form angenommen haben. Die zweite Arbeit 
stellt Ortsnamen der Hersfelder Gegend in mundartlicher 
Gestalt zusammen, wie es der Verfafier schon früher für 
Ziegenhain und andere Kreise getan hat; die urkundlichen 
Formen find zum Vergleiche daneben gerückt und bieten 
für die heutige Volksaussprache deS Namens manche be 
achtenswerte Entsprechung, wie die appellativen Bezeich 
nungen „die Tann" und nach „dem Kathus" Auf 
fallend erscheint, daß die mundartliche Verkürzung dich 
für dach in manchen Namen wie Asbach und Roßbach 
nicht durchgedrungen sein soll, während sie in allen andern 
vorhanden ist und auch in dem Asbach bei Schmalkalden 
und Allendorf auftritt. 
Kassel. A. Fuckel. 
Engelhard, Karl. Garten der Göttinnen. In 
sieben Lauben. Erhebungen deS Herzens auf dem Wege 
zum Wesen. 162 Seiten. Leipzig (Ernst Wunderlich). 
Die hessische Hausinschrift „Der Gottheit rein und stilles 
Wesen hab ich zur Wohnung mir erlesen", die Karl Engel 
hard seinem neuen Buch voraussetzte, bringt den Inhalt 
knapp und gut zum Ausdruck. Es ist die große Stille, 
in der jeglich „Wann und Wo sich eint" der Punkt, von 
dem, wie Dante sagt, „alle Himmel abhangen" Die lange 
schlummernde germanisch-religiöse Mystik schlägt ihre Augen 
endlich wieder einmal auf; Ekkehart, Böhme, Tauler, 
ValentinuS, Novalis treten in Engelhard aus dem „Schlaf 
der Welt" aufs neue in die Wirklichkeit, das immanente 
GotteStum als höchste Erkenntnis und die im Weltgesetz 
gebundene freie Schöpfertat als deren notwendige Folge 
kündend und preisend. Das neue Werk Engelhardts erklärt 
sich in der Reihe feiner bisher erschienenen am besten als 
nach-, aber doch vollwirkende Macht der vor sieben 
Jahren im „Weltkind" zum ersten Male ausgesprochenen 
Gedanken. Das tiefe, innige Gemüt, das sich mit Gott 
und Welt in pantheistifch-mystischer Verknüpfung eins 
weiß, ist dasselbe geblieben; die Gedanken selber aber sind, 
was bei ungebundener Redeweise ja auch viel eher möglich 
ist, deutlicher, erhabener und klarer herausgeprägt. 
B. Moriton-v. Mellenthin. 
dr.— Abiturientenliste der Auguftinerschule zu 
Friedberg (Hesien) 1851 —1902. 20 S. 8" Bei- 
läge zum Jahresbericht der Großh. Augustinerschule 
(Gymnasium und Realschule) Ostern 1912. — (Zu be 
ziehen durch die Friedberger Buchhandlungen). 30 Pfg. 
Die früheren Augustinerschüler und insbesondere alle 
Freunde der Familiengeschichtsforschung werden diese ebenso 
mühselige wie dankenswerte Veröffentlichung der Friedberger 
Augustinerschulmatrikel freudig begrüßen. In 719 Num 
mern sind darin Beruf. Wohnort und Tod der Ab 
iturienten von 1851—1902 zusammengestellt. Biele ehe 
malige Augustinerschulabiturienten werden aus dem hübsch 
ausgestatteten, empfehlenswerten Büchlein zum erstenmal 
hören, was inzwischen aus ihren Schulfreunden und Mit- 
schülern geworden ist. Dank der freundlichen Mitarbeit 
vieler Freunde der Anstalt gelang es der Direktion, in 
obiger Schrift sogar über das Schicksal der Augustiner- 
schüler Auskunft zu geben, die sich im Ausland nieder- 
gelaffen haben. Besonders zu begrüßen ist eS. daß die 
Matrikelveröffentlichungen fortgesetzt werden. In den 
künftigen Osterberichten der Anstalt sollen die LebenSdaten 
immer der Abiturienten Aufnahme finden, die vor 10 Jahren 
die Anstalt verlassen haben. Hoffentlich bietet sich auch in 
absehbarer Zeit die Gelegenheit, eine gleiche Liste der Schüler 
vor 1851 und ebenso ein Verzeichnis der Lehrer der An 
stalt zu bringen. Durch solche Veröffentlichungen wird um 
Schule und Schüler ein Band geschlungen, dessen ideeller 
Wert mit den Jahren wächst, zumal wenn es sich um eine
	            		
smttb 144 9«Mib Anstalt handelt, die. wie die Friedberger AugUstinrrschlLr. auf eine fast 400jährige, rühmliche Vergangenheit zurück blicken darf. Dreher, Friedberg. Eingegangen: Diehl. W. und Herrmann, F. Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte, IV. Band, 5. Heft, und QuartalblLtter des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen. N. F. 1911. 1.-4. Vierteljahrsheft. Darmstadt (Hist. Verein f. d. Großherz. Hessen) 1911.. Rein. Dr., SBertoIb. Dir Brunn«» im Volksleben. 1.—5. Taufend. 185 Seiten. Mit 110 Abbildungen. München (R- Piper L Co.). Preis kart. 3 M.. geb. 4 M. Personalien. Verliehe« r dem Rechnungsrevisor, Rechnungsrat Z i b e l l zu Marburg der Kronenorden 3. Kl.; dem Obet- landmesser a. D. Klingelhöfer zu Witzenhaufen dir Rote Adlerorden 4. Kl.; dem Postsekretär a. D. Heppe zu Philippsruhe-Kefselstadt der Kronenorden 4. Kl.; dem Oberlehrer vr. phil. Herbert an der Baugewerkschttle zu Kassel der Charakter als Professor. Ernannte Pfarrer Endemann zu Singlis zum Metropolitan der Pfarreiklasse Borken; Gerichts« ssefsor H a r f f zum Amtsrichter in Salmünster; die Referendari Eckard Frießem, vr.'Lehr, Rudolph. Seiden stücker und Warnke zu Gerichtsassessoren. Bestätigt r die Wiederwahl des Landeshauptmanns Riedesel Freiherrn zu Eisenbach zum Landeshaupt mann für den Bezirksverband Kassel auf eine weitere, mit dem 1. Juli d. I. beginnende 12jährige Amtsdauer. Beanftragt: Pfarrer sxtr. Petschar mit der Ver- sehung der Hilfspfarrstelle der luth. Gemeinde in Marburg. Gewähltr Beigeordneter vr. Scholz zu Düsseldorf zum Oberbürgermeister der Stadt Kassel. Versetzt r Regierungs- und Forstrat, Geh. Regierungs rat von Bentheim an die Königliche Regierung in Kassel; Oberförster Strauß nach Fritzlar; Postdirektor Wese» mann nach Kastei; die Vermeffungsinspektoren, Ökonomie räte Deubel von Kassel nach Düsseldorf und Hempel von Hannover nach Kassel; Oberlandmesser Prasse von Marburg nach Eschwege. Zugelassen zur Rechtsanwaltschaft r die Gerichts- astefloren vr. Petz old zu Gudensberg und Rudolph zu Frankenberg. In den Ruhestand versetzt: Kreistierarzt, Veterinär rat Kobel zu Volkmarsen. Geborene eine Tochter: Oberleutnant Schellmann nnd Frau, geb. Wißmann (Kaste!. 18. April); Rechtt- anwalt vr. Vilmar nnd Frau, geb. Bachmann (Kassel, 29/April). Gestorben r Goldwaren - Fabrikant Cäsar Böhm, 64 Jahre alt (Hanau, 14. April); Gräfin Ludovika von Schaumburg, 71 Jahre alt (München, 19.April); Generalmajor z. D. Adalbert Buchfinck, 73 Jahre^alt (Eisenach, 19.April); Frau Elisabeth Weitzmann. gck>. Griesel, Witwe des städt. Obersteuerinspektors, 67 Jahre alt (Kassel, 21. April); Generalmajor z. D. Theodor von Cochenhausen 63 Jahre alt, geborener Kastelaner, gab die Regimentsgeschichte des Kurh. Feldartillerie-Rgt». heraus (Halensee bei Berlin); außerordentl. Professor der Chemie vr.pbil. Friedrich Bernhard Fittica, 62 Jahre alt (Marburg, 23. April); Fabrikant Karl N ö l ke. 62 Jahre alt (Kasiel, 23. April); verw. Frau Marie Heckeroth, geb. Ricker, 64 Jahre alt (Kaffel, 24. April): Fräulein Luise Gies, belletristische Mitarbeiterin des „ Hessenland * (Kaffel, 28. April); Schlosser-Obermeister Werner Bösser (Kastei, 28. April); Ökonomierat Karl S ch l e n k e (Schlitz, 28. April); Rittergutspächter Hermann Braun. 91 Jahre alt (Cornberg. 28. April); Fräulein Thekla vonBarde- leben, StiftSdame zu Obernkirchen, 71 Jahre alt (Kassel, 29. April). Sprechsaal. Zu dem Plane, das Landgestüt von Dillmbnrg nach dem Bezirk Kassel zu verlegen, möchte ich vorschlagen, diese Anstalt in Kassel unterzubringen. Durch die Verlegung des ArtillerieregimentS in eine weiter vor der Stadt zu errichtende Kaserne wird ein sehr umfangreiches Terrain innerhalb der Stadt frei. Wozu also dieses schön« Grund stück verkaufen und anderwärts ein Terrain zum Bau des Landgestüts erwerben? Meiner Anficht nach kann man gar kein geeigneteres Terrain für das Landgestüt finden. Durch geeigneten Umbau und Neubauten kann hier etwas Großes und Schönes geschaffen werden, ganz abgesehen von den wirtschaftlichen Vorteilen, die die Stadt dadurch haben würde. Das Zeughaus, eines unserer hervorragendsten Baudenkmäler, könnte auf diese Weise erhalten bleiben und in vollem Umfang den Zwecken des Landgestüts dienst bar gemacht werden. Das Untergeschoß mit seinen einzig artigen Gewölben könnte als Chaisen- und Wagenhalle dienen, zu welchem Zweck von der Hofseite einige Einfahrts tore gebrochen werden können. Die oberen Geschosse könnten als Material- und Geschirrkammern eingerichtet werden und auch wieder als Futterböden dienen. E. Wenzel. Briefkasten. Auf verschiedene Anfragen. DaS Preisausschreiben für die Erlangung eines BühnenfestspieleS zur Tausendjahr- feier der Residenz Kassel im September 1913 erfolgt nach folgenden Bestimmungen: 1. Der Stoff des Festspiel» muß der Geschichte Kassels entnommen fein, kann aber dichterisch frei gestaltet werden. 2. Bei der Szenerie ist auf einfache Bühnenverhältnisse Rücksicht zu nehmen, da die Aufführung nicht im Hosthrater, sondern in einem Saale stattfinden soll. 3. Die Darsteller werden ans der Kasseler Bürgerschaft gewonnen werden. 4. Die Dauer des Festspiels soll 2 Stunden nicht überschreiten. 5. Da» Manuskript de8 Festspiels ist spätestens btt zum 1. Januar 1913 in Schreibmaschinenschrift an den FestsPielauSschuß Kassel (Rathaus, Zimmer 82) einzureichen, muß mit einem Kennworte versehen sein und in versiegeltem Briefumschlag» mit gleichem Kennwort« den Namen de» Verfassers ent halten. 6. Als Preis für das geeignetste Festspiel find 2000 Mark festgesetzt. Die Stadt Kaffel erwirbt damit das Recht der Aufführung. 7. Die Stadt Kaffel behält fich das Recht vor. von den eingereichten Festspielen noch weitere zur gelegentlichen späteren Aufführung zur erwerben, dergestalt, daß sie das Recht der ersten Aufführung hat. 8. in Kassel. Ob noch eine Mitgliederliste der "in den 60 er Jahren eingegangenen Kasseler Tonkünstlervereinigung besteht, ist uns nicht bekannt. Vielleicht weiß einer unserer Leser, ob der Hoffchauspieler Karl Häser dieser Vereinigung angehört hat. Etwaige Mitteilungen werden wir Ihnen gern übermitteln. Zu 8. 128. Wie uns mitgeteilt wird, wurde der am 8. April verstorbene Altbürgermeister zu Ems August Spangenbergam 9. November 1838 in Ansbach bei Borken als Sohn de» Pfarrers Dietrich Spangenberg geboren. Für die Redaktion verantwortlich: Paul Heidelbach, Kassel. Druck und Verlag von Friedr. Scheel. Kaffel.
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