Volltext: Die Neugeburt des Abendlandes

im strengen Richter seinen teuersten Führer und Alterego wieder, 
der schon über seinen Schulweg das reinste Liebeslicht der Ju- 
gend ihm gebreitet hatte in wechselnden Gestalten des Mahners, 
Helfers oder Gespielen. Mein „Alter‘“ oder „Altes‘ (französisch: 
Altesse = Hoheit) ist bis heute ein, wenn auch verfärbter Freun- 
desname geblieben für das „bessere Ich“, das jeder Liebende im 
Andern sieht. 
Die hohe Liebeskultur der Urmütterwelt übte die Kunst höch- 
ster und reinster Steigerung der polaren Kraftnatur in Mann und 
Weib zur gegenseitigen Ergänzung für das Werkschaffen welt- 
bauender Heilstaten. Reich war das Leben damals an Zauber- 
wonnen, die kein Lustrausch entzügelter Leidenschaft später je 
erreichen konnte. Denn sie sind das Gottgeheimnis der Inbrunst- 
liebe und ihrer ewigen Weltseligkeiten, darin die Urpriesterlichen 
Meister waren. Es machte sie zu Göttern. Die reine weibliche 
Seelennatur lebte allzeit nur in diesem Verlangen, und der Toch- 
ter der indischen Brahminenkaste ist bis heute noch selbst der 
Fürst unebenbürtig. Sie darf nicht zu ihm hinabsteigen, doch er 
zu ihr empor. Als die „Götter‘“ der Urzeit sich den „Töchtern der 
Menschen‘ zu mischen begannen, wie die Bibel es nennt, ging 
das große Inspirationsgenie der noachidischen Weltmeister schla- 
fen. Es verschloß sich ihm das Gottbereich der Ur-Ideen aus den 
Fernspannungen der weiblichen Hochnatur. Doch der schaffende 
Künstler suchte dort immer, wie Dante in Beatrice, die Nähe des 
Urbildes, um es im Abbild zum Kunstwerk zu gestalten. Das Ziel 
der Erziehung auf dem Lehrweg der Archiden war die volle Höhe 
zu dieser inspiratorischen Naturfähigkeit des Menschen, gipfelnd 
in einer vollendeten Liebeskultur voll magischer Kraftentfaltung. 
Der Mangel jeglicher Liebeskultur ließ unsere Zeit so tief ver- 
armen und den Liebessinn der Jugend verwildern, bis zur Ent- 
seelung unserer heutigen Völkertodesstunde. An neuer Liebes- 
kultur werden die Kommenden gesunden. 
Sie erblühte immer unter dem frischen Anhauch aus dem 
Idealgeist der Urzeit, der den romantischen Epochen unserer Zeit- 
geschichte stets auch dieErhebung reineren Minnedienstes brachte. 
Die Minnesänger des Mittelalters hießen im Westen Trouvers oder 
Troubadure, gleich Treugenossen und Wiederfinder des Ewig- 
7.
	        
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