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Neujahrswunsch an die im Vahr 1840 Neuvermaͤhlten.
An Euch, die Ihr in dem verwichenen Jahre 1840
n den Stand der heiligen Ehe getreten seid, und
omit am heutigen Neujahrstage den ersten wichtigen
Abschnitt Eures neuen Lebens beschlossen, und damit
auch wohl groͤßtentheils den Schluß der Flitterwochen
und der Honigmonde erlebt habt, an Euch, mit deren
Hoffnungen das Wohl und das Wehe des kommen⸗
den Geschlechts so eng verbunden ist, richtet der Ka⸗
lendermann diesmal zunaͤchst seine herzlichen Gluͤck⸗
wuͤnsche und zwar ein volles halbes Dutzend auf
einmal, naͤmlich
erstens, daß die beiden Nachbarsleute, Stock
und Pantoffel, den hoffentlich bis dahin gehal⸗
tenen Frieden in einen ewigen verwandeln
moͤgen;
zweitens, daß Hans Schnaps bei der im Laufe
des Jahres 1841 hoffentlich zu feiernden Kind⸗
taufe nicht zu Gevatter gebeten werde;
drittens, daß Ihr von jedem Thaler, den Ihr
waͤhrend Eures jungen Ehestandes eingenommen,
nur zwei und zwanzig gute Groschen moͤget aus⸗
gegeben haben, damit Ihr bei dem heutigen
AÄbschlusse Eurer Jahresrechnung ein, wenn auch
nur kleines, baares Suͤmmchen in Kasse findet;
biertens, daß von diesem Nothpfennige wenig—
stens Ein blanker Thaler, als Heckmaͤnnchen,
waͤhrend des ganzen Jahres 1841 in dem
Sparkaͤstchen seinen Wohnsitz behalte;
fuͤnftens, daß die bisherige gegenseitige Liebe
und das Vertrauen, welches zwischen Euch herrscht,
nicht nur unveraͤndert bleibe, sondern noch taͤg⸗
lich wachse und zunehme, auf daß, wenn auch
oon Außen allerlei Ungemach auf Euch eindringt,
wenigstens Euer Haus ein Wohnsitz des Frie⸗
dens und des haͤuslichen Gluͤckes bleibe, und
endlich
sechstens, daß Ihr sowohl, als auch alle übri⸗
gen Kalenderleser stets den goldenen Spruch vor
Augen behalten moͤget: An Gottes Segen
ist aAlles gelegen! denn wo dieser Segen fehlt,
da bleibt doch alles menschliche Muͤhen und Trach⸗
ten erfolglos. —
Damit soll jedoch keineswegs behauptet werden,
daß das andere Spruͤchlein: Ein Jeglicher ist
8 Gluͤckes Schmied, gar keinen Grund
d ez vielmehr liegt es doch immer zunaͤchst an uns,
den Gaben Gottes uns wuͤrdig zu machen, wenn wir
derselben wirklich erfreuen wollen. Wer unver—
uent zu Guͤtern kommt, und Mißbrauch damit treibt,
n werden sie nie wahrhaft gluͤcklich machen. Darum
res auch diese unsere herzlichen Wuͤnsche nicht so
—* Weiteres in Erfuͤllung gehen, wenn Ihr jungen
dncxarhen nicht auch von Eurer Seite zu deren
arfullung beitragt. »Ist das aber Euer ernster Wille,
und wollt Ihr nicht nur den festen Entschluß fassen:
Fuer wahres Gluͤck, soweit es von Euch abhaͤngt,
relbst zu schmieden, sondern denselben auch treulich
uusfuͤhren, dann werdet Ihr gar bald die Erfah—
rung bestaͤtigt finden, daß Gottes segnende Hand
uns stets und uͤberall nahe ist.
Was nun insbesondere die Erfuͤllung der vier ersten
Wuͤnsche betrifft, so moͤchte ich Euch rathen, die
Aten Kalender von 1838, 1839 und 1840 noch ein⸗
mal zur Hand zu nehmen und nachzusehen, ob Euch
das, 'was uͤber diese Dinge darin geschrieben steht,
noch gut im Gedaͤchtniß Das wird unstreitig
‚iel zu deren Erfuͤllung beitragen. Desgleichen laͤßt
sich auch sehr viel thun, um den fuͤnften Wunsch in
Erfüͤllung zu bringen, wenn man naͤmlich die Kunst
dersteht, das eigne Haus zum Paradies gaͤrt⸗
lein umzuschaffen. Diese Kunst ist freilich nicht
d ganz leicht und deßhalb auch nicht so verbreitet,
als“ sie es billigerweise seyn sollte; indessen hat
doch der Kalender, der uͤberall hinkommt, Gelegenheit
Jehabt, hier und da etwas davon abzusehen, und
das soll Euch, als ein nachtraͤgliches Hochzeitsge—
cchenk, in folgenden vier Regeln offenbart werden:
19 Der Mann darf nicht mehr, wie wohl fruͤher,
zunaͤchst an sich selbst denken, sondern er muß
bor Allem darauf bedacht seyn, seiner Frau, und
diese muß wiederum nur darauf denken, ihrem
Maͤnne das Leben so angenehm zu machen, als
moͤglich.
MBeide Eheleute muͤssen gemeinschaftlich
uͤberlegen, wie sie ihr Hauswesen am zweckmaͤ⸗
sigsten einzurichten haben, und duͤrfen die Haus—
ordnung nur unter beiderseitiger Uebereinstim—
mung festsetzen.
3) Wenn von dem Einen Theile etwas versehen
oder vernachlaͤssigt wird, so darf das der Andere
nicht etwa gleich in einem hofmeisternden
Tone ruͤgen, sondern er muß die Sache erst
spaͤter zu gelegener Zeit und zwar auf die
schoönendste Weeise, und, was die Haupt—⸗
sache ist, mit einem recht freundlichen
Gesicht in Erinnerung bringen, um die Abstel⸗
lung des bemerkten Uebelstandes fuͤr die Zukunft
zu erwirken, ohne des nun einmal geschehenen
uͤnd doch nicht mehr zu aͤndernden Vorfalls auch
nur zu gedenken. Und sollte etwa
HM der Eine Gatte eine dieser Regeln ganz aus
den Augen setzen und anfangen, eigenfüͤch⸗
tig, herrisch und unfreundlich zu werden,
dann darf der Andere bei Leibe nicht Gleiches
mit Gleichem vergelten wollen, sondern muß viel⸗
mehr seine Anstrengungen verdoppeln, um durch
Liebe, Geduld und Festigkeit das alte
trauliche Verhaͤltniß wieder herzustellen.