Full text: Kurhessischer Kalender (1830-1835)

Finder man dergleichen, so wird er auf die Stadt 
speicher in Verwahrung genommen, und nachher 
nicht anders als für Schlagsaat verkauft. Bei 
Verladung des frischen Leinfaamens wird ein eid 
liches Zeugniß genommen, daß der geladene 
Saame von dem laufenden Jahre, auch nicht aus 
solchen Gegenden zugeführt sey, die gewöhnlich 
nichts als Schlagsaat liefern. 
R i g a allein verschifft im jährlichen Durch 
schnitt 20,000 Tonnen Leinfaarrren und 30,000 
Tonnen Schlagsaamen. Im Lüneburgrschen, 
sDie Fortsetzung folgt im 
besonders im Braunschweigischen, giebt man dem 
Rigaschen Leinsaamen den Vorzug; hingegen 
Westphalen, Schlesien, Böhmen und Mähren 
halten sich zu den Libauischen und Windanischen. 
Die Tonne von diesem wiegt 200 Pfund und 
hält 2 Berliner Scheffel. Auf den Memeler 
Tonnen, die Saatleinsaamen enthalten, deutet 
das aufgebrannte Stadtwappen frische Saamen 
von mittlerer Güte an; hingegen bezeichnet das 
Wappen und darüber eine Krone, ausgewählte 
Waare, die auch höher im Preise steht. 
künftigjährigen Kalender. 1 
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Ueber die Bienen, deren Fortpflanzung »nd Arbeiten. 
Alte Bienen entstehen aus Eiern. Wenn diese 
durch die Wärme ausgebrütet worden, so kommen 
Maden heraus , welche von den Bienen eine Zeit 
lang mit Nahrung versorgt werden, bis sie nach 
acht Tagen zur Verwandlung reif sind. Durch 
diese Verwandlung werden sie in vierzehn Tagen 
Nymphen, und am ein und zwanzigsten Tage 
beißet sich dir Biene hervor, braucht den ersten 
Tag noch Hülfe und Fütterung von andern Bienen, 
fliegt sodann aus, sammelt Honig, und arbeitet 
fv regelmäsig und künstlich, als die älteste Biene. 
Schon an den Eiern und den Kellen, worin sie 
gelegt sind, kann man Kennzeichen bemerken, 
welche die Geschlechter bezeichnen; aber sicherer 
unterscheidet man sie, wenn sie als Bienen aus 
gewachsen sind. 
In einem jeden Bienenschwarm und Bienenstock 
ist nur eine Mutterbiene, die Königin. Wenn 
die arbeitenden Bienen, welche die kleinsten 
von allen, auch weiblichen Geschlechts sind; so 
find sie doch nicht so gefüttert, nicht von andern 
Bienen früh so gehalten worden, daß sie die 
Größe der Königin hätten erlangen, und zur 
Fortpflanzung des Geschlechts tauglich werden 
können. Die Drohnen, oder die männlichen Bienen, 
find größer att die arbeitenden, aber kleiner als 
die Königin. Die Bienen, als eine geselligeArt 
Insekten, wohnen auch in den Wäldern und sich 
selbst überlassen, unter Führung einer Königin 
Sei einanoer. Noch mehr bemerkt man dies in 
dem Bienenkörbe, in welchem,wenn er von mitt 
lerer Starke ist, gewöhnlich zwanzigtausend Ar 
beitsbienen, fechözehnhundert Drohnen, und nur 
Eine Königin ist. Letztere entfernt sich nie von 
ihrem Korbe, nähert selbst sich nur selten dem 
Flugloche. Ihr einziges Geschäft ist das Eier 
legen. Wenig Tage oder Wochen, nachdem sie 
aus der Hülle, worin sie als Nymphe lag, her 
vorgekrochen, fangt sie, von den Drohnen befruch 
tet, schon an, Eier zu legen. Sie legt in jede 
mit Vorsicht untersuchte Zelle ein Ei, und in die 
größten Zellen die größeren oder weibliche Brut 
enthaltenden Eier, in die mittleren die Drohnen, 
in die kleinsten dieArbeitsbienen-Eier. Wahrend 
dieses Geschäftes wird sie von einigen Bienen 
begleitet-, gefüttert und gepflegt. In sieben bis 
acht Wochen legt sie an zwölftausend Eyer, wor 
unter einige hundert Drohneneier und höchstens 
zwanzig Eier zu Königinnen sind. Nicht blos bei 
diesem Geschäfte beweisen die arbeitenden Bienen 
Hegen die Königin besondere Geflissenheit; sondern 
überhaupt bemerkt man die größte Aufmerksam 
keit gegen dieselbe. Alle Bienen sammeln sich um 
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dieselbe, versorgen und schützen ihre Zelle aufs 
beste, vertheidigen die Königin, wenn sie in 
Gefahr ist, folgen ihr, wohin sie beim Schwär 
men, oder durch irgend einen Unfall aus dem 
Bienenstöcke getrieben, sie führt. Kommt die 
Königin um, ft> ist aues bestürzt und zerrüttet, 
die Arbeit ruht, die Bienen theilen sich, verlas 
sen ihren gesammelten Vorrath, fliegen in der 
Irre umher, ohne zu ihrem Stocke zurückzu 
kehren. Oft werden sie wieder beruhigt, wenn 
man eine neue Königin ihnen giebt, oder ihnen, 
ehe sie sich getrennt, einige Zellentafeln mit 
junger Brut hinsetzt, woraus sie dann selbst eine 
Königin- durch Warme nnd Pflege wieder gewin 
nen. Die Drohnen oder männlichen Bienen 
werden von den arbeitenden jung gefüttert, den 
Sommer hindurch mit Nahrung versorgt, ob- 
schow sie zur Sammlung des Honigs und zur 
Arbeit an den Zellen gar nichts beitragen. Allein 
gegen den Herbst sieht man die arbeitenden Bie 
nen über die übriggebliebenewDvvhnen herfallen, 
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