Full text: Kurhessischer Kalender (1830-1835)

men Gerüche des Tabaks beiträgt, so kann sel 
bige besonders in einem mehr gebundenen Boden 
angewendet werden ; jedoch wenn der Boden nicht 
sehr reich ist, so bewirken die Düngungsmittel 
wenig, und man kann sie in dem weniger reichen 
Boden nur mit animalischem und vegetabilischen 
Dünger in Verbindung anwenden. 
In welche Felder muß man den Tabak 
pflanzen und was ist in Ansehung der 
Fruchtfolge beim Tabak zu bedachten? 
In der Dreifelderwirtschaft wird er am besten 
in der Brache und anstatt derselben gebauet, 
wenn von einer vorhergegangenen Düngung Zwei 
Früchte genommen worden sind; also nach Gerste. 
Es mag der Tabak jedoch auch gern einen sehr 
lockern Boden haben, deshalb ist sein Platz nach 
behackten Früchten auch ganz vorzüglich, wo er 
dann freilich ins Winterfelb kommen müßte, 
auch müßte dann nach behackten Früchten eine 
schwache Düngung eintreten. In der Schlag- 
wirthschaft laßt sich sein Platz nullkürlich am 
besten bestimmen. Am besten wäre wohl sein 
Platz nach Klee, da ibm besonders die vegeta, 
bilische Düngung zuträglich ist, welcher Klee 
vorher bevor er umgepflügt wird, noch heran 
gewachsen ist. 
Nach dem Tabak kann im Allgemeinen jede 
Frucht gebauet werden, ohne einen Rückschlag 
zu befürchten, denn der Boden ist locker und hat 
sDie Fortsetzung folgt 
noch volle Krast. Der Tabak kann auch mehrere 
Jahre hintereinander auf einem Stück gebauet 
werden, ohne einen Rückschlag zur Folge zu 
haben, ja er soll sich selbst so in Ansehung seiner 
Qualität verbessern, wie denn in Holland und 
Amerika der Tabak viele Jahre hintereinander 
auf denselben Ländereien gebauet wird. 
Bearbeitung des Tabaklandes. 
Der Acker werde am besten gegraben und von 
Unkraut gehörig gereinigt; die Bestellung erfolge 
so tief, als es die Bodenkrume zuläßt; zurZeit 
der Verpflanzung habe der Boden die gehörige 
Feuchtigkeit Zur baldigen Einwurzelung der Pflan 
zen. Nach Beschaffenheit des Bodens gebe man 
im Herbste mehrere Furchen und bearbeite den 
leichten Boden größtentheils in derselben Zeit. 
Die letzte Furche werde kurz vor dem Pflanzen 
gegeben, in welchem Boden auch der Dünger 
im Herbste unterzupflügen ist; der mehr feuchte 
und strenge Boden muß wenigstens erne Furche 
und zwar ziemlich tief im Winter erhalten , und 
ist die Ausbreitung des Düngers über Winter, 
auf dem Acker, der im Frühling mit unterge 
pflügt werden soll, zu empfehlen. 
In Holland bauet man den Tabak in Rinnen, 
deren Nutzen sehr vielfältig ist und nachgeahmt 
zu werden verdient. Was die Anlegung dieser 
Rinnen und Stücken betrifft, so macht man am 
besteu eine jede etwa 12 Zoll hoch, und 16. bis 
18 Zoll breit, so daß die Pflanzen drei Fuß von 
einander entfernt zu stehen kommen. , 
im künftigjahrigen Kalender. ] 
Ohne der vorstehenden Aufmunterung ;um Anbaue' des Tabaks Eintrag zn thun, verdient auch folgendes 
Gespräch über das zu frühe Tabaksraucheu 
Bei einem der langen Winterabende im Jahre 
,829 fand folgendes Gespräch zwischen einem 
Dorf-Wundarzt F. und einem braven Landmanne 
B., bei welchem Ersterer den Hausarzt machte, 
über das Tabakörauchen statt: 
V. Ich habe ihn deswegen rufen lassen, um 
einmal ordentlich wegen unserm Heinrich, der 
schon so lange schlecht aussieht, als hätte er nicht 
satt zu essen, mit ihm zu sprechen, auch hustet 
er mir so verdächtig. Wenn er es für nöthig 
hält, so soll er ihm etwas verordnen. 
F. Der junge Mensch ist im Wachsen und 
wenn ich nicht irre, sc raucht er auch schon Tabak, 
wenigstens sah ich schon einigemal eine Pfeifen 
röhre, mit O.uastchen, aus der Tasche hervor 
ragen, ob ich ihn gleich noch nicht habe rauchen 
Beherzigung. 
sehen, so wird er doch dieses wahrscheinlich, in 
Gesellschaft junger Leute, wo denn auch mit 
unter gewöhnlich ein wenig Branntewein getrun 
ken wird, und so etwas ist schon hinreichend, bei 
einem im Wachsen begriffenen jungen Menschen 
ein blasses und schwindsichtiges Aussehen zu 
machen 
B. Ich weiß es schon, er ist dem Tabacks 
rauchen nicht gut und wahrscheinlich deswegen , 
weil er selbst nicht raucht. Sollte denn wirklich 
das Rauchen ungesund seyn? Ich wenigstens 
rauche nun schon seit 58 Jahren fast aus einer 
und derselben Pfeife, und ich spüre nichts von 
ungesund. 
F. Mein lieber B., allen Menschen ist das 
Tabaksrauchen ungesund, nur einem mehr und 
dem andern weniger, weiches von der Natur 
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