Full text: Kurhessischer Kalender (1830-1835)

" 
In dieser Hinsicht empfiehlt der Verfasser die 
Kultur folgender Gewächse: 
i) Tabak. 
Verschiedene Arten von Tabak, die sich 
in Deutschland zum Anbau eignen. 
Es giebt zwar mehrere Arten von Tabak, die 
sich zum Anbau in Deutschland eignen, jedoch 
möchten wohl nachstehende am besten und vor- 
theilhaftesten cultivirt werden können. 
0 Der Jungfern -Tabak (Nicotiana 
paniculata). Kennzeichen desselben sind folgende. 
Aufrecht stehender Stengel, von 2 bis 5 Fuß 
Höhe, sonst gar nicht ästig, .nur etwas weich 
haarig, und filzig, oben eckig und klebrig; die 
Wurzel ästig und weißlich, eirund, gestielt, unten 
beinahe herzförmige Blätter, die Blumen zeigen 
sich gestielt, in eine große klebrige Rispe zertheilt. 
Etförmiger, fünfzäbniger Kelch. Die Blumen- 
kröne ganz röhrenförmig, 4 bis 5 Mal länger 
als der Kelch. Eiförmige, etwas stumpfe, unbe 
haarte Saamenkapsel. 
2) Der gemeine Tabak (Nicotiana taba- 
cum), auch der Virginische genannt. Der Sten 
gel wächst zu einer Höhe von 6 Fuß und darüber, 
ist mit weichen Haaren bedeckt und klebrig. Er 
hat eine ästige, stark faserige, ins Weiße spielende 
Wurzel und längliche, lanzettförmig zugespitzte, 
glattrandige. stiellose Blätter, gestielte, in dol- 
dentraubenartige Endriöpe vertheilte Blumen, 
einen länglichen, fünffaltigen, klebrigen, mit 
lanzettförmigen, spitzigen, ungleichen, aufrecht 
stehenden Einschnitten versehenen Kelch und 
eirunde Saamenkapsel. — Es verdient diese 
Gattung, hinsichtlich der guten Beschaffenheck 
der Blätter, der Größe und des reichen Ertrages 
derselben, besonders angebaut zu werden. 
3) Der chinesische Tabak, Nicotiana 
chinensis, auch Baumkanafter, strauch 
artiger Tabak (Nicotiana fruticosa) genant. 
Er wird 3 — 5 Fuß hoch, armsdicke Stengel 
treibend. Man hat in neuern Zeiten diesen Ta 
bak, sowohl wegen seiner vorzüglichen Güte und 
wegen seines reichhaltigen Ertrages, als auch 
desha b, weil er in Deutschland selbst bei Witte 
rung, die den andern Tabaksarten ungünstig ist, 
dennoch geräth. 
Welchen Boden erfordert der in Deutschland 
zu bauende Tabak? 
Man hat die Erfahrung gemacht, daß die 
Schärfe und das Süßliche des Geschmacks des 
Tabaks größtenteils mit vom Boden herrührt, 
indem derjenige Tabak, welcher in einem fetten, 
mehr gebundenen, feuchten Boden gebauet wird, 
diese Schärfe und das Süßliche des Geschmacks 
mehr enthält, als wenn der Tabak in einem mehr 
leichten, weniger gebundenen, sandigen Lehm, 
oder lehmigen Sandboden gebauet wird. 
Derjenige Boden eignet sich daher am besten 
zur Cultur des Tabaks, welcher leicht, milde, 
warm ist und etwa bis 40 Prozent Thon hat, 
ferner von altem Humus (der für den Tabaköbau \ 
als ein besserer Nahrungöstoff erscheint, als der \ 
von frischem Dünger gebildete) stark geschwängert 
ist. Besonders spricht das Neuland, vorzüglich 
wenn der Rasen gebrannt ist, den Tabak an. 
Jedoch geräth der Tabak, bei sonstiger gehöriger 
Kultur, auch in emem Boden, der bis 70 Pro 
zent Thon hat, so wie der auf mehr gebundenem 
Boden gebauere Tabak sich besser zum Schnupf- ; 
als Rauchtabak eignet. — Im Ganzen genommen ! 
baue man in keinem nassen, kalten, von keinem 
sauern Humus geschwängerten Boden den Tabak, 
vielmehr nehme man dazu mehr einen kalk- oder 
mergelartigen Boden. Da der Tabak viel Wärme 
verlangt, so sey die Lage des Bodens eben, etwas 
weniges gegen Mittag abhängig, so daß die 
Sonne den ganzen Tag darauf wirken kann, und 
möglichst vor den scharfen Nord- und Nordost 
winden geschützt. 
Wie musi die zum Tabaksbau erforderliche 
Düngun-g beschaffen seyn? 
Der Dünger, den man wählt, hat auf die , 
Größe des Stengels, der Blätter, so wie auf 
Geruch und Geschmack einen wesentlichen Einfluß. 
Es ist schon immer der Erfahrung gemäß gewesen, 
daß Rindsmist und Pflanzendünger von verfaull- \ 
ten Pflanzen sich besonders für Rauchtabak eignen, \ 
indem er dadurch einen angenehmen Geruch und \ 
Geschmack erhält. Da hingegen Schaf-, Schweine- 
und Pferdemist dem Tabak Schärfe und schlechten 
Geruch mittheilen, und ein so gedüngter Tabak ! 
sich nur zu Schnupftabak gebrauchen läßt. 
Es ist im Allgemeinen anzurathen, eine solche 
Düngung zu geben, die nach Verhältniß des 
Reichthums des Bodens und der Beschaffenheit 
des Düngers eine starke zu nennen ist. Man rotte 
den Dünger gehörig, fahre ihn im Herbst hin 
aus, damit er gehörig verrotte und sich mit dem 
Acker desto besser vermengt habe, wenn der Tabak , 
gepflanzt wird. 
Da die Kalk-, Mergel- und Aschendüngung 
besonders zum milden Geschmacke und angeneh-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.