Full text: Kurhessischer Kalender (1830-1835)

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emeinnütztge Sachen. 
Das Weltgebäude. 
(Fortsetzung.) 
6) Von unserer Erde, dem Mond, 
und der Sonne insbesondere^ 
c Die Sonne. 
Die Sonne, deren prachtvoller Aufgang, von 
dem Gipfel eines hohen Berges betrachtet, das 
Herz eines jeden gefühlvollen Menschen mit 
Wonne und Entzücken erfüllt, und die ihr wohl 
thätiges Licht nach allen Seiten hin aussendet, 
und dadurch Leben, Warme und Gedeihen ver 
breitet, ist, in Rücksicht ihres körperlichen Baues 
millionenmal größer, als unsere Erde, und 
von ihr -LZ Millionen Meilen entfernt. Wenn 
man alle Planeten und ihre Trabanten in eine 
einzige Kugel zusammen schmelzen-könnte, so 
würde die Masse der Sonne doch noch über 6oo 
mal größer seyn, als die Masse aller um sie 
herumlaufenden dunkelen Weltkörper. Dreißig 
aufeinander gethürmte Erdkugeln würden bis an 
den Mond reichen; aber über zoo Erdkugeln 
gehören dazu, um von dem einen Rande der 
Sonne bis zum andern zu gelangen. Wenn die 
Sonne eine ausgehöhlte Kugel wäre, und die 
Erde stünde im Mittelpunkt derselben, so würde 
der Mond in einem fast doppelt so großen Ab 
stande von der Erde, als er wirklich hat, noch 
Raum genug haben, innerhalb der Sonne seinen 
weiten Kreis, den er um die Erde beschreibt, 
ganz füglich umzuwandern, ohne den Rand der 
Sonne zu erreichen. Das muß ein großer Gott 
seyn, der sie gemacht hat! 
So groß auch die Sonnenmasse ist, so muß 
sie doch den Gesetzen der allgemeinen Bewegung 
folgen; sie dreht sich, frei schwebend, wie unsere 
Erde und alle Weltkörper, in dem unbegränzten 
Raum des Himmels, innerhalb 25L Tagen um 
ihre Achse. Fragt man: Welche Kraft mag es 
seyn, welche die Weltkörper überhaupt immer 
fort um ihre Achse sich zu drehen zwingt? so 
können wir darauf weiter nichts antworten, als: 
die Allmacht, die sie schuf, gab ihnen diese Be 
wegung. Das Wesen dieser Kraft wird uns 
wahrscheinlich hier auf Erden ewig verborgen 
bleiben; denn die heilkge Schrift sagt: „Der 
H i m m e l ist durch d a s W o r t d e s H e r r n 
gemacht, un balle seine Heere durch 
den Geist seines Mundes. D enn so er 
spricht, so .geschiehts, so er gebeut, 
so ftehts da." — Daß sich die Sonne in der 
eben genannten Zeit um ihre Achse dreht, weiss 
man aus folgenden Beobachtungen: Man be 
merkt in der Sonne öfters größere und kleiner» 
dunkele Flecken von mancherlei unregelmäßiger 
Gestalt, die in der Mitte dunkeler, als am Rande 
sind, bald größer, bald kleiner werden, und 
endlich wieder ganz verschwinden; doch sind sie 
öfters mehrere Monate lang sichtbar. Die Größe 
derselben beträgt, zufolge der von den Astronomen 
angestellten Ausmessungen, oft 4- bis 6000, ja 
zuweilen 50,000 geographische Meilen im Durch 
messer. Das Merkwürdigste ist, daß sie sich 
regelmäßig von Morgen nach Abend aus der Son 
nenscheibe bewegen, daß sie ungefähr izZ Tage 
nöthig haben, um von dem ösi.ichen Rande der 
Sonne bis an den westlichen zu gelangen, un.d 
^aß im Gegentheil eben so viel vörbeisireichen, 
ehe sie ihren Weg hinter der Sonne hinweg zu 
rücklegen können, um an dem. östlichen Rande 
derselben aufs Neue sichtbar zu werden, und 
so ihren vorigen Lauf von neuem zu beginnen. 
Daraus folgt, daß sich dieSonne in 25^Tagen 
um ihre Achse bewegen müsse. 
Ausser den dunklen Flecken bemerkt man auch 
helle, weißlichte Flecken in der Sonnenscheibe , 
die wahrscheinlich aus einem zu sehr zusammen 
gehäuften, oder zu dicht zusammengedrängten 
Lichtstoffe bestehen, und nennt sie Sonnen 
fackeln. Sehr wahrscheinlich isi's, daß die 
Sonne nicht ein ewig brennender Feuerklumpen 
ist, wie man ehedem glaubte, wo man sse für 
ein wirkliches Feuer hielt, sondern daß sie eben 
so, wie die Planeten, ein dunkler Körper ist, 
in deren Atmosphäre sich ungeheuer viel Lichrsioff 
entrvickelt, der ihn ganz umgiebt, so wie dke 
'Erde von der Luft umgeben ist. Die Dichtheit 
dieser lichten Umgebung nimmt auf der Sonne 
ab und zu. Die dichtern Stellen sind die soge 
nannten Sonnenfackeln. Da, wo sich die 
lickte Atmosphäre verdünnt, wenn man^zu der 
selben Zeit die Fernröhre dahin richtet, sehen 
wir durch sie den dunkeln Sonnenkörper bald 
längere bald kürzere Zeit. Dieses sind die San 
nen fl ecken. Verdichtet sich über ihnen nach 
und nach die Sonnenatmosphäre wieder, so ver-
	        

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