Full text: Kurhessischer Kalender (1830-1835)

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Truppen!^ entgegneke ich. — „Kennen Sie 
die Gegend genau? " fuhr er fort, „und haben 
Sie wohl besonders den Fußsteig dort am Oli 
ven-Wäldchen gut besetzt?" — Mir siel die 
Frage auf, sie schien mir verdächtig; doch that 
der Pfarrer, als ob er meine Verwunderung 
nicht bemerkte. Ohne meine Antwort abzuwarten, 
ging er in's Nebenzimmer, und kam, mit einem 
Cruzifix in der Hand, wieder heraus. „Senor!" 
I sagte er ernst — und Fernando und der Alcalde 
näherten sich uns — „ ruhen wir Beide vielleicht 
auch nicht in dem Schooße einer Kirche, 
glauben wir doch an einen Gott, und an ihn, 
der für unS am Kreuze starb. Hier auf dem 
Bilde des Erlösers fordere ich den Schwur von 
Ihnen, um das, was ich Ihnen sagen werde, 
kein Blut zu vergießen, Niemanden, er sey 
wer er wolle, deshalb unglücklich zu machen, 
und nie meiner hierbei zu erwähnen." — Auch 
Fernando trat jetzt hervor: „Unv bei dem Bilde 
Ihrer Gattin, das Ihnen heute Vittorinens 
Anblick so lebendig darstellte, schwören Sie auch 
mir denselben Schwur, und reichen Sie mir zur 
Bekräftigung Ihre deutsche ritterliche Rechte" — 
„Ist es nicht gegen meine Ehre, gegen meine 
Pflicht, gern!" erwiederte ich, reichte ihm die 
Hand und schwur. , 
Ein sonderbares Gefühl ergriff mich, da ich 
den alten feierlichen Mann vor mir stehen sah, 
da ich einen Schwur leistete, dessen Sinn mir 
noch dunkel war, und den meine aufgereizte 
Phantasie als etwas Hohes und Wichtiges 
malte. — Wie erstaunte ich aber, als der 
Alcalde mich ganz ruhig bei der Hand nahm, 
mir durch die Scheiben des Fensters eine gegen 
überstehende Venta zeigte und ganz ruhig zu 
mir sagte: „Senor, schicken Sie einige Ihrer 
Leute in jenes Haus; Sie werden darin einen 
Mann finden, der sich durch den Verlust eines 
Auges so auszeichnet, baß er nicht zu verkennen 
Lassen sie ihn, wo möglich in der Stille, 
arretiren, bewahren Sie ihn sorgfältig, und 
"st, wenn Sie morgen früh weiter ziehen, 
geben Sie ihn mir zu fernerem scharfen Ver 
wahrsam, der freilich nur so lange dauern wird, 
ms ich Sie entfernt weiß!" — Voll Verwun 
dung stand ich, und der Pfarrer sagte nun r 
will Ihnen das Räthsel lösen! — Als 
5 lr vorhin im Gespräch begriffen waren, sah 
«ernando diesen Menschen dort hineingehen, 
Ad wir kennen ja unsere Leute! Er ist ein 
^pwn unseres braven Mi na, der gewiß in 
wser Gegend angekommen ist; denn wie die 
^be-Möve uns den nahen Sturm ankündigt, 
I »M* dieser Bote der Vorläufer eines Ueber- 
IJ;? 4 Säumen Sie nicht, halten Sie ihn fest, 
"den Sie unter den Waffen; das Gewitter 
soll'"vorüber ziehen, üM hosseMuchwerven uur 
unsern Unglücksgenoffen, den braven Deutschen, 
auf diesem ganzen Zuge Ruhe verschaffen. 
Mögen unsere Landsleute ihre Waffen gegen 
Jene wenden, di»' mit Freuden Sklaven sind, 
und mit Freude freie Menschen in Sklaven- 
ketten legen möchten! — Doch", setzte er ernst 
hinzu, „der Mann kehrt morgen frei und 
unverletzt in unsere Hände zurück, und unsrer 
wird nie gedacht." — Noch einmal versprach 
ich es, und ging. Alles zu veranstalten. Der 
bezeichnete Mann wurde arretirt, und durch 
ausgeschickte Patrouillen erhielt ich die Nach 
richt, daß Mina wirklich in der Nähe sey. . 
Gegen Abend entfernte sich der Alcalde mit 
seinem Sohn, der, so oft ich ihn mit Vitto- 
rinen zusammen sah, ihr stilles Ergeben,« ihre 
sanfte Liebe, mit der heißen Gluth des Südens 
und mit der höchsten gereizten Leidenschaft 
erwiederte. 
„Sie sehen" — sagte in dieser Zeit der 
Greis, als wir uns allein im Zimmer befan 
den — „ wie wir Spanier find, treu und 
bieder gegen die, die uns wohlwollen, aber 
fest und unerschütterlich gegen unsere Feinde. 
Der Kampf ist noch lange nicht beendet, und 
Millionen vielleicht werden noch geopfert werden 
müssen, bis Ihr aus unsern Leichnamen den 
Thron eines französischen Königs aufkastilia- 
nischem Boden errichten könnt. O über die 
verblendeten Menschen, die glauben, daß Alles, 
was uns seit früher Jugend theuer, gleichsam 
innig mit uns verwebt ist, daß unsere heilige 
Religion und die festen Bande, die das Volk 
an seinen vaterländischen König kettet, daß alle 
die süßen Gewohnheiten, die wir mit unserer 
Muttermilch einsaugen, daß dies Alles durch 
den todten Buchstaben, durch ein Machtwort 
eines Tyrannen aufgelöst, zerrissen und vergessen 
seyn soll. O zu fest hängt der Mensch an dem, 
was er von Kindheit an fühlte, liebte, ver 
ehrte, als daß er dies und den Heerd seiner 
Väter nicht willig mit seinem Blut vertheidi 
gen sollte. Und auch Euch" — fuhr er im 
prophetischen Geiste fort — „auch Euch wird 
die Stunde der Erlösung schlagen, und Eure 
Ketten werdet Ihr zerbrechen, werdet frei seyn 
und bleiben!" 
Mich ergriff die feurige Rede des Alten; ich 
mußte ihn freundlich fragen, woher es käme, daß 
bei diesen Grundsätzen und bei demGeiüe, der in 
seiner Umgebung zu wohnen schien, diese Gegend 
doch stets durch Ruhe, durch Gehorsam sich 
auszeichne, und noch nie irgend eine Insurrek 
tion auögebrochen sey? — „Ich habe Alles 
gethan, dies zu verhindern!" entgegnete er; 
„meine Pflicht ist, Geduld, Ruhe und Ein
	        

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