Full text: Kurhessischer Kalender (1830-1835)

z vom Kener weq; entzündeter 
Speck hat schon häufig Feuersbrünste verursacht. 
Entzündet es sich aber dennoch, so hüte man 
sich, Wasser darauf zu gießen, um es löschen 
zu wollen, weil es darnach noch ärger auffährt; 
sondern man decke eS gleich mit einem eisernen 
Deckel zu, oder beschütte es mit Sand und 
Asche, um es auszulöschen. 
17. Firniß zumAnstreichen, Malen und Druk- 
ken muß nie im Gebäude. sondern immer draussen 
im Freien gekocht werden. Das Oel nimmt 
einen größern Grad von Hitze an, als Wasser, 
und steckt selbst Holz sogleich an.' 
18. Back- und Bratöfen, die in den Küchen 
angebauet sind, müssen höchst feuerfest angelegt 
und beständig in solchem Zustande erhalten wer 
den. Man muß sie niemals ohne die höchste 
Noth in der Nacht gebrauchen, und noch weni 
ger dazu mißbrauchen, daß man Flachs in ihnen 
dörrt, der gebrochen werden soll. Unzählige 
Feuersbrünste sind dadurch schon verursacht; 
und die größeste Vorsicht reicht da nicht immer 
aus, sie zu verhüten. 
19. Daß Tabacksrauchen muß, während man 
im Bette liegt, ganz unterbleiben, auch nicht 
an Orten geschehen, wo leicht ein Unglück da 
durch veranlaßt werden kann. Z. V. nicht in 
Scheunen und Stallen, in Werkstätten, wo 
Spähne liegen, auf Böden, hölzernen Brücken, 
Gehölzen, wenn es trockne Witterung ist, auch 
nicht in der Nähe von trocknem Heu oder Korn 
im Felde, oder Pulvermühlen und Magazinen. 
20. Vorzüglich vorsichtig muß man mit dem 
Feuerschwamm und Zunder seyn, weil er lang 
sam fortglimmt und große Hitze verursacht. — 
Wer Feuer damit anschlägt, muß nur ein Theil- 
chen davon abreißen, und das Uebrige früher 
in die Tasche stecken, ehe er anschlagt, weil 
sonst ein Fünkchen darin fallen, und er in der 
Tasche fortbrennen kann. 
21. Die Asche ans der Pfeife störe man nie 
eher aus, als bis der Kopf ganz kalt ist, und 
thue das noch weniger in Höfen und Gebäuden, 
oder in Spuckkasten von Holz, worin Sage- 
spahne sind. 
22. Die Betten, vorzüglich diejenigen, unter 
denen Stroh ist, müssen niemals zur Nachtzeit 
und bey'm sichte gemacht werden. Die beste 
Zeit dazu ist Vormittags, damit sie sich lüften 
können. 
25« Kinder muß man nie im Zimmer mit dem 
Lichte allein lassen, und es ihnen so früh als 
möglich beibringen, daß sie das Feuer scheuen, 
und nicht nur dem Lichre spielen. 
24. Eben so muß man sich hüten, irgendwo, 
etwa in der Eile, oder bei'm Schrecken ein Licht 
stehen zu lassen, wo einige Gefahr davon j» 
befürchten ist. 
25. Muß im Stalle etwa bei Viehkrankheiten 
geräuchert werden, so muß das Rauchbecke» 
immer in einen nassen Eimer gestellt, verdeck! 
dahin getragen, und mit großer Vorsicht Ge- 
brauch davon gemacht werden. 
26. Da auch Reibungen Entzündungen her 
vorbringen können, so muß man die Räder fl» 
den Wagen, die Pfannen und Zapfen an de» 
Mühlenwellen der Wasser-, Roß-, und Oel- 
mühlen in den Gebäuden, und an den Glocke» 
auf den Thürmen, wie an sonstigen Maschine» 
zu rechter Zeit einschmieren, und das um s» 
mehr, wenn sie in schnelle Bewegungen gesetzt 
werden. 
27. Mehrere Körper entzünden sich von selbst/ 
wenn sie fest auf einander liegen, man muß 
daher feuchtes Heu, Grummet, Taubenmist/ 
feuchte Steinkohlen, mit Theer oder Oel ange 
feuchtetes Zeuch, Sagespähne, Lohe, geröstete 
Kleie, Flachs, Hanf, Cichorien, ungelöschte" 
Kalk und dergl. nicht fest packen, oder von Zeit 
zu Zeit lüften, und alle diese Dinge mit Um» 
und Vorsicht aufbewahren. 
28. Da man Beispiele hat, daß Brillen/ 
mit Wasser angefüllte Glaskugeln, Brennglaser, 
auf welche die Sonne zufällig in einer gewisse" 
Richtung schien, Brand veranlaßten, so muß 
man in der Aufbewahrung derselbigen gleichfalls 
Vorsicht anwenden. 
29. Bricht ein starkes Gewitter aus, so sey 
man auf Feuersgefahr gefaßt, hüte sich aber/ 
in der Nähe der fast an jedem Hause mehr 
oder weniger befindlichen Blitzableiter zu seyn. 
Diese sind alle metallenen Gegenstände: Klingel- 
dräthe, Dachrinnen, Fenfterstäbe, Oefen, Spie 
gel, hohe Bäume vor den Hausern.Dunst- und 
Rauchsäulen und dergl. — Hohe Bäume, z. 
Tannen, Linden, Pappeln, und andere, deren 
Aeste das Haus nicht berühren, sind gute Wet- 
terableiter für Häuser »nd müssen als solche geach» 
tet, und, wo sie nicht sind, angepflanzt werden. 
30. Wahrend des Gewitters muß man das 
Feuer auf dem Heerde, oder in den Oefen, 
auslöschen, sich nicht erhitzen, sich nicht unter 
Bäume stellen, und sich nicht in zahlreichen 
Gesellschaften aufhalten. 
31. Leiden es die Umstände nur irgend, so 
Muß man die Stroh - oder Schindeldächer mck 
Ziegeldächern vertauschen, diese mit Lehm, Gips, 
oder Kalk vertünchen lassen, und nicht zugeben, 
daß sie mit Strohunterlagen oder sogenannten 
Docken versehen werden. 
33. Was die Einrichtung des Hauses betrifft, 
so muß man genau untersuchen, ob sich rücht
	        

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