Full text: Kurhessischer Kalender (1830-1835)

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Iltis i 
Va ber Blitz Äaume und Häuser rn den Brank 
stecket, die. dicksten Mauern zerspaltet-, und 
Menschen und Vieh im Augenblick tobtet, so ist 
ein vernünftiger Mensch verbunden, diejenigen 
Mittel, die ihm Gott durch die Natur darbietet, 
zu gebrauchen, um sich gegen solche schädliche 
Wirkungen in Sicherheit zu setzen.. Alle Ver 
haltungsregeln, die man zu dem Ende geben 
kann, müssen, wenn sie bewahrt seyn sollen, sich 
auf die Wahrheit gründen, daß das Donner 
wetter eine Elektricität sey. Da dieses gewiß 
ist, so kann man auf das Gewitter alles Das 
jenige anwenden, was von der künstlichen Elek 
tricität uns die Versuche lehren.. Wir wissen, 
daß die elektrische Materie sich am leichtesten 
in die Metalle ergieße, und sich durch selbige 
vorzüglich fortpflanzen lasse. Dies gilt daher 
auch von der Materie des Blitzes, weil sie eine 
Elektricitätskraft ist.. Die Erfahrung setzt diesen 
Schluß außer allen Zweifel. Denn wenn der 
Blitz in ein Gebäude schlägt, so richtet er sich 
auf seinem Wege vorzüglich nach den Materien 
die ihm zu der geschicktesten Leitung dienen. Da 
nun dieses vor allen anderen Körpern die Me 
talle sind, so folgt auch der Blitz denselben 
beständig nach. Wenn daher ein dicker Draht 
von einem Gebäude bis auf die Erde herabginge, 
und der Blitz träfe denselben, so würde er ohne 
Schaden des Gebäudes an dem Drahte bis zur 
Erde herab geleitet werden. Dies hat Gelegen 
heit zu den Blitzableitern gegeben, die man 
bereits mit dem besten Erfolge auf Thürmen 
und anderen Gebäuden an verschiedenen Orten 
angelegt hat. Die Zurüstung derselben ist sehr 
einfach und kostet wenig. Sie besteht bloß in 
einer eisernen und mit einer kupfernen Spitze 
versehen Stange, die mitten auf der Fürst des 
Hauses befestiget wird, und einige Fuß höher 
seyn muß als die Schornsteine. Gleich über 
der Fürst wird an der eisernen Stange ein 
Eisenvraht oder kupferne an einander gelöthete 
Streifen angebracht, und von da dieses an 
einander Hangende Metall bis zur Erde herab 
geleitet. Diese Zurüstung ist ein sehr bewährtes 
Mittel, ein Gebäude vor den schädlichen Wir 
kungen des Blitzes zu bewahren. Denn der 
Blitz fällt nun nicht auf die Fläche des Hauses; 
sondern auf die aufgerichtete eiserne Stange, 
und läuft an dem Ableitungsmetalle ohne allen 
Schaden des Gebäudes zur Erde herab. Dieser 
große Nutzen, den man von den angelegten 
Blitzableitern zu erwarten hat, wird durch die 
Erfahrung bestätiget. 
Einige sind der Meinung, als wenn die Ge 
wittermaterie dadurch herbeigezogen, und der 
Blitz auf ein solches Gebäude vorzüglich füll:» 
würde.. Allein die Erfahrung lehret uns M 
Gegenthcit, indem durch Ablcirer oftmal- 
nur eine gemächliche Ableitung der Blitzmaterir 
ohne Schlag geschiehet. 
Ist ein Haus mit solcher Zurüstung nicht ver 
sehen, so muß man andere Verhaltungsregeln 
gebrauchen, damit man von dem Blitzstrahl nichk 
getroffen werde. In dieser Absicht erwähle ma° 
dei einem nahen Gewitter in der Stube denje 
nigen Ort, der uns von den Körpern, die stark- 
Leiter der elektrischen Materie sind, am meiste 
entfernt. Da dieser gewöhnlich in der Mitte 
der Stube sich befindet, so ist auch dieser Platz 
der beste Verwahrungsort. Viele setzen sich zur 
Zeit eines nahen Donnerwetters an ein Fenster, 
an eine Wand oder auch wohl nahe an den iß 
der Stube befindlichen eisernen Ofen. Dies is- 
eine sehr üble und gefährliche Gewohnheit. Der 
Blitz fährt als ein elektrischer Strahl vorzüglich 
in die Körper, die sich stark elektrisiren lasse" 
Er hält sich daher gemeiniglich an den Wände» 
auf, ergreift das an den Fenstern befindliche 
Viel und Elsen, und zerschmelzet die Metalle, 
die er an den Wänden und Thüren antrifft. 
Um den Blitz nun desto weniger zu uns zu leiteu, 
ist ferner die Regel in Acht zu nehmen, d-S 
man alles Metall von sich ablege. Denn ds 
Blitz schießt auf seinem Wege zuverlässig dahi". 
wo er solches antrifft. 
Aus eben der Ursache würden die vornehme" 
Leute wohl thun, wenn sie die Eisendrähte, dir 
aus ihrer Wohnstube nach den Klingeln gehe", 
abschafften und dafür hänfene Linien erwählte«" 
Wenn ste dieses nicht beobachten, so wird de- 
Blitz, wenn er an der einen Seite in das Hau^ 
fährt und den E-sendraht ergreifet, auch "" 
demselben gewiß dis in die Wohnstube fortge- 
leitet werden, und daselbst seine Zerstörung"" 
anrichten. 
Sind wir zur Zeit eines nahen Gewitters 
auf freiem Felde und daselbst der höchste Gcge"' 
stand, so ist die Gefahr sehr groß, erschlage".! 
zu werden. Denn der Blitz nimmt immer a"l 
dem Felde den höchsten Körper mit- ehe e- 
gerade durch die ursprünglich elektrische Lui'k 
mit Gewalt zur Erde fährt. In solchem Falle 
ist kein besseres Mittel, als sich mit dem ganze" 
Leibe auf die Erde zu legen, und sich lieber de«" 
Regen auszusetzen, als sich vom Gewitter & 
schlagen zu lassen. Am gefährlichsten ist es, 
unter einen Baum zu treten.. Davor könne" 
die Leser und besonders die Lanbleute nw 
genugsam gewarnt werden. Es sind davon f*“ 
viele traurige Beispiele vorhanden.
	        

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