Full text: Kurhessischer Kalender (1830-1835)

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heißt. Der Blitz ist also ein elerrrizcyer ^rrayc 
in der Luft, und der Donner der Schall davon. 
Ist in einer Gewitterwolke diese Materie weit 
gehäufter als in einer benachbarten Wolke oder 
ui den Körpern auf der Erde, die ihr nahe sind, 
ß so bricht sie mit Gewalt aus, und theilt ihren 
' M Ueberfluß der andern Wolke, die daran Mangel 
'ohi° leidet, mit, oder dem ihr nächsten Körper auf 
eft» der Erde. Man sieht daher, daß die Wetter- 
; ha wölke bald gegen eine andere Wolke, und bald 
gegen die Erde blitzet. Da es auch möglich ist, 
k^ül> ein Thurm oder sonst ein Körper auf der 
nn>° Erde von der elektrischen Materie einen großen 
> rslC $ Vorrath haben kann, als die Wetterwolke, so 
urck wird er seinen Ueberfluß gegen die Wolke aus« 
;,[{$ leeren, und in diesem Falle kann von der Erde 
iscbr ein Blitz gegen die Wolke fahren. 
- n# Daß dies die wahre Erklärungsart von dem 
lge^k Donnerwetter sey, solches lehren uns viele Ver 
dat suche, die man darüber angestellt hat. Denn 
' dst Zur Zeit eines Gewitters gehen in der Luft elek- 
n ^ irische Wirkungen vor, und man kann alsdann 
si^'die Körper ohne Maschine elektnstren. Eins 
iE blecherne Röhre, die in Schnüren von blauer 
r ik Seide hängt, und eine aufgerichtete eiserne Stange, 
ter^die in Pech stehet, geben bei Annäherung eines 
auch Gewitters elektrische Funken von sich. Derglei, 
uu-'chen bemerkt man auch an einem Menschen, der 
lauf ursprünglich elektrischen Körpern stehet, wenn 
viel'lhm zur Zeit des Gewitters ein unelektrischer 
siech Körper zu nahe kommt. Daraus ist also offenbar, 
her, daß ein Theil der elektrischen Materie sich in die 
teN/^lecherne Röhre, in die eiserne Stange und in den 
hch Menschen ergieße. Dies würde aber nicht geschehen 
ttju» können, wenn nicht die uns umgebende Luft und 
[est die über uns stehende Wolke elektrisch wäre. Hier- 
val) aus läßt sich demnach mit Gewißhelt schließen, daß 
chM das Donnerwetter ein gewaltiger und heftiger Aus- 
' bruch der elektrischen Materie in der Luft sey. 
^ Aus dieser Erklärung vom Gewitter wird ein 
^eder leicht abnehmen können, wie ungegründet 
iE"^Meinung derjenigen sey, welche glauben, 
" » .alsdann, wenn das Wetter einjchlagt, ein 
^dein mit der größten Heftigkeit aus der Luft 
L^>chleudert werde, den sie einen Donnerkeil 
pennen. Dergleichen in der Erde hin und wieder 
kindliche Steine sind ganz glatt, haben gemei- 
^lich die Gestalt eines Keils, und an ihrem 
^pse ein rundes Loch. Diese ihre Gestalt beweiset 
hinlänglich, daß.sie ehemals von den alten 
vlkern gemacht sind, die sich dergleichen als 
gaffen in ihren Streitigkeiten bedient, oder sie 
zu Opfermessern gebraucht haben. Es ist 
A Sanz und gar unmöglich, daß ein solcher 
un& schwerer Stein in der Lusr erzeugt 
L,,. EU könne. Und da der Blitz ein elektrischer 
Uhl ist, sy mit ihm kein Dvnuerstein 
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yerunrersayren. Würde das Zerschmettern der 
vom Blitz getroffenen Baume durch einen solchen 
Stein verursacht, so müßte ein Mensch davon in 
Stücken zerschlagen werden; aber man sindet au 
einem solchen Erschlagenen nicht die geringste 
Spur von einer Wunde. Alle geheimnißvolleu 
Kräfte, die man daher dem Donnerkeile zu 
schreibt, daß, zum Exempel, ein Haus, in 
welchem ein solcher Stein ist, vor dem Einschla 
gen des Gewitters gesichert sey; daß die Kühe 
die durch Zauberei verlorne Milch wieder bekom 
men, wenn man ihre Euter mit dem Donnerkeile 
bestreichet, oberste durch das an ihm befindliche 
Loch melket, sind lauter Geburten des Aber 
glaubens. Eben so abgeschmackt ist auch der 
Wahn, daß der Blitz kein Haus berühre, in 
welchem Feuer auf dem Heerde von solchem Holze 
angezündet und unterhalten wird, das ehemals 
vom Blitze ist getroffen worden. 
Einige sind inzwischen der Meinung, daß der 
Blitz in den Schornstein alsdann nicht sch'age, 
wenn Feuer auf dem Heerde brennet, weil 
solches die Zugluft des Schornsteins oben hin 
ausjage. Allein es kann dieser Meinung nicht 
wohl beigepflichtet werden. Denn, weil das Feuer 
gewöhnlich mit Rauche verbunden ist; dieser 
aber zu den Leitern der elektrischen Materie 
gehört: so wird der Blitz lieber durch den Rauch 
herabfahren, ehe er seinen Weg durch die vom 
Rauche befreiete Luft nehmen sollte. 
Biele Leute reden auch von einem kalten 
Schlage, und schreiben ihm die Knast zu, daß 
er durch seine Kalte des Feuer wieder auslösche, 
das zuvor durch den Blitzstrahl cnistandLU war. 
Allein dieser Ausdruck.ist eben so widersprechend, 
als wenn man sagt: es giebt einen kalten und 
warmen Flintenschuß. Jeder Blitzstrahl, 'er 
mag zünden, oder nicht zünden, ist ein heftiger 
AuSbruch der elektrischen Materie. Da inzwi 
schen die Erfahrung uns lehret, daß ein zweiter 
Schlag das Feuer wieder auslöschen könne, 
welches der erste angezündet hat, so geschiehet 
solches durch die damit verbundene schnelle Aus 
dehnung der Luft, wodurch die Flamme auf 
eben die Art, wie das Feuer in einem Schorn 
steine durch einen Flintenschuß, ausgelöscht wird. 
Mancher bildet sich ein, daß ein durch einen 
Wetterstrahl entzündetes Haus nur durch Milch 
gelöscht werden könne.- Nun ist zwar nicht zu 
laugnen, daß die Milch, weil sie zäher als 
Wasser ist, zum Feuerlöschen besser sey. In, 
zwischen kann ein solches Haus auch durch Wasser 
gelöscht werden, wenn es nur gleich in großer 
Menge vorhanden ist. Die Ursache, warum 
dergleichen Häuser gemeiniglich abbrennen, rührt 
größrentheils von der Heftigkeit des Feuers her, 
dos sie auf einmal in Flammen setzet.
	        

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