Full text: Kurhessischer Kalender (1830-1835)

immer feucht erhalten werden. Sie besitzen die 
Beschaffenheit eines groben Erdharzes; schmelzen 
daher sonst leicht zusammen und verhindern den 
zum Brennen nothwendigen Zutritt der Luft in 
die inneren Bestandtheile. Hier wird das Wasser 
weniger verdunstet, als vielmehr durch die 
Steinkohlen versetzt. Sein erster Bestandtheil, 
der Wasserstoff, wird als Wasserstoffgas ent 
wickelt, welches verbrennt und die Hitze verliert. 
Sein zweiter Bestandtheil, Sauerstoff, wirkt 
dagegen auf den Kohlenstoff der Steinkohlen 
und begünstigt die Verbrennung derselben. 
Einen in Hinsicht auf Gesundheit, guten Geschmack und Wohlfeilheit einzigen 
Kaffee zu verfertigen. 
Wenn man die zahllosen Versuche bedenkt, die 
bereits gemacht, als gelungen ausposaunt sind, 
und nach welchen man bald ein Mittel, den 
Kaffee zu verbessern, bald die besten Surrogate 
gefunden haben wollte: so muß man sich wun 
dern, daß man noch nicht auf das hier ange 
führte, so einfach schöne Mittel verfiel, das ein 
Menschenfreund vor mehreren Jahren bekannt 
machte und wahrscheinlich selbst erfunden hat. 
Da Einsender dieses sogleich nach der Bekannt- 
werdung den hier vorgeschlagenen Kaffee selbst 
präparirte, und ihn für den gewöhnlichen, täg 
lichen Gebrauch vortrefflich findet, auch e die 
Ersparung dabei so sehr groß ist, baß, würde 
er allgemein, große Summen Geldes weniger 
aus dem Lande gingen: so will man jene will 
kommene Anweisung wörtlich hier mittheilen. 
„Die Erfahrung mehrerer Jahre, besonders 
durch die große Theuerung des Kaffee's in den 
Jahren der Fremdherrschaft veranlaßt, hat es 
bestätigt, daß, wenn ja noch Kaffee getrunken 
werden soll, gerade dieser, sowie er hier beschrie 
ben wird, der zweckmäsigste, wohlfeilste und 
gesündeste ist. Aus Liebe zum allgemeinen Besten 
mache ich hier das Verfahren bekannt." 
„Soll der Kaffee recht gut seyn, so kann nach 
folgendem Verhältniß für ein ganzes Jahr eine 
Haushaltung von vier Personen mit 12 Pfund 
überhaupt fertig werden, und was das Beste 
ist, er laßt sich ohne Zucker recht gut trinken; 
will man aber Zucker dazu nehmen, so bedarf 
man nur wenig. Dieser Stellvertreter ist die 
unbezahlbare Runkelrübe. Man bedarf für das 
Jahr acht Pfund Runkelrüben und vier Pfund 
des besten Kaffee's. Soll er weniger gut seyn, 
so kann man auch auf neun Pfund Runkelrüben 
drei Pfund Kaffee nehmen, und er ist auch 
dann noch gut zu genießen." 
„Die Art des Verfahrens, auf die es einzig 
und allein ankommt, ist folgende. Man nimmt 
auf ein jedes Vierteljahr zwei Pfund gut getrock- 
uete, nicht zu schwarz gebrannte Runkelrüben, 
mahlt sie sogleich nach dem Brennen oder Rösten, 
thut sie in einen Steintopf, dazu ein Pfund 
Kaffee, der aber, sowie er gebrannt ist, sogleich 
zwischen die gemahlenen Runkelrüben gethan 
werden muß; denn gerade hierauf kommt es an, 
damit von dem flüchtigen Oele des 
Kaffee's nichts verloren gehe. Soglühend 
müssen nun die Kaffeebohnen in einen steinernen 
Topf tzethan werden, der daun geschwind so gut 
als möglich verschlossen und umgeschüttelt wird. 
Die Kaffeebohnen bleiben so drei Tage darin» 
Nach dieser Zeit siebet man durch einen Durch 
schlag die Kaffeebohnen heraus, mahlt solche, 
vermischt recht sorgfältig die ganze Masse, drückt 
sie fest ein, bindet den Topf mit Papier gut 
zu, und hebt sie nun zu beliebigem Gebrauche 
auf. Je älter die Masse wird, desto besser 
schmeckt der Kaffee; die Runkelrübe hat dann 
ganz die Natur des Kaffee's angenommen. Man 
nehme bei jedesmaligem Gebrauch eine beliebige 
Quantität, filtrire ihn gehörig, und man wird 
finden, daß dadurch in einer Haushaltung ein 
Großes an Geld und Zeit erspart wird und 
man einen angenehmen Kaffee hat." 
Da beim Brennen des Kaffee's und der Run 
kelrüben in Hinsicht der Zeit ein großer Unter 
schied Statt findet, indem die Runkelrüben 
geschwinder als der Kaffee braun gebrannt wer 
den, so wäre die Frage aufzustellen: ob es 
wohl nicht mit Hülfe einer noch zu erfindenden 
Maschine möglich wäre, Runkelrüben und Kaffee 
zugleich zu brennen, und die Runkelrüben dabei 
in solche Lage zu bringen, daß die sämmtlichen 
beim Brennen des Kaffee's entstiegenden Dämpfe 
und wohlriechenden, also auch wohlschmeckenden, 
Verdünstungen aufgefangen würden? 
Von dem Gewinne nur dieses: wenn eine 
Familie, die täglich nur ein Lotb ungebrannten 
Kaffee gebraucht, im Jahre 11 Pfund 13 Loth 
nöthig hatte, so kann sie, nach unseres Erfin 
ders Bemerkung, mit vier Pfund jährlich aus 
kommen, und hat einen guten Kaffee. Sieben 
Pfund Kaffee zu Gelde gerechnet, sind, ohne 
Berechnung der Lothe, ein annehmbarer Gewinn.
	        

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