Full text: Kurhessischer Kalender (1830-1835)

getilgt, die Erde durch die frische Lust erquickt, 
und zu Annetzmung der Feuchtigkeit geschickt 
gemacht. Alsdannckäßt man den Hopfen, ohne 
weitere Mühe damit zu haben, ausser, daß man, 
wenn es nöthig ist, das stark heranwachsende 
Unkraut nochmals verttlge, bis zu seiner Reife 
wachsen. Bei diesem Häufeln macht man den 
Stuhl in. der Mitte etwas ausgehöhlt, damit 
sich das Wasser daselbst sammeln könne. 
2. Ueber die gehörige Einsammlung 
(Einerndtung) des Hopfens. 
Um die Mitte des Juli, oder gegen Ende 
desselben um Jacobi, fangt der Hopfen an zu 
blühen (schöpfen), und die Blatter an den Hopfen- 
ranken werden harzig, fett und klebrig. Vier 
zehn Tage darnach fängt die Frucht an, sich zu 
ckrer Vollkommenheit zu bilden, Glocken zu setzen, 
^on dieser Zeit an werden die Hopfenköpfe bei 
guter Witterung etwa in drei Wochen, mithin 
un Anfange des Septembers reif, und alsdann 
isi die Zeit der Einsammlung des Hopfens, oder 
dle Hop fen e r n d te. Das Einsammeln muß 
weder zu früh, noch zu spät geschehen; geschieht 
es zu früh, so fehlt es dem Hopfen au seinen 
tesinösen und schmackhaften Theilen; geschiehet 
es hingegen zu spät, so verfliegt das Mehl, 
welches an den Blättern der Häupter je länger, 
je lockerer wird; überdies fallen die inwendigen 
Samenkörnchen, worin hie meiste Kraft zu wür 
zen enthalten ist, gar aus, und gehen verloren. 
Um die Zeit der Erndte zu bestimmen, muß 
wan die Witterung wohl beobachten, weil diese 
den Hopfen sowohl früher, als auch später reif 
wachen kann. Damit man nun den eigentlichen 
Punkt der Reife nicht verfehle, muß man Ge 
sicht, Geruch und Gefühl zu Rathe ziehen. Der 
Hopfen hat seine wahre Reife, wenn die Häup 
ter voncher weißgrunlichen Farbe zur geldbräun- 
'(chen übergegangen sind, wenn sie einen vor 
züglich starken und recht herzhaften Geruch an 
sich haben, und wenn sie bei dem Angriffe der 
Oberfläche etwas Klebriges an den Fingern zu 
rücklassen, Das höchste Zeichen der Reife ist, 
tvenn man, indem man ein Haupt abreißet, 
sind dessen Schuppen aufhebet, vielen gelben 
Staub zwischen denselben gewahr wird, der bei 
dem Angreifen an den Fingern hangen bleibt. 
Man muß daher mit Ausgange des Augustes 
tsiglich nach seinen Hopfenpflanzen sehen, sind 
vle angegebenen Kennzeichen der Reife vorhän 
gn, so muß man ungesäumt zum Einsammeln 
Anstalt machen, weil sonst der Hopfen leicht 
uberreift und seine Güte verliert« Zur Erndte 
selbst wird gutes und trocknes Wetter erfordert. 
Es müssen etliche Personen mit sehr scharfen 
krummen Gärtnermessern (Hippen) die Bande, 
womit die Ranken angebunden sind, und diese 
selbst von dem Stocke etwa § Ellen hoch über 
der Erde abschneiden, dabei aber das unterste 
der Stange festhalten, damit nicht die Pflänzlinge 
in der Erde verrückt werden. Hinter diesen 
gehen einige Männer her, welche durch vorsich 
tiges Biegen die Stangen mit den Hopfenranken 
aus der Erde ziehen, und dieselben heraus auf 
einen leeren P atz tragen, da dann wieder zwei 
Männer stehen, deren einer die Ranken am dicken 
Orte hält, und der andere die Stange heraus 
zieht. Unterdessen müssen die Knechte mit einem 
Heuwagen bereit seyn, die Hopfenranken in 
Bunde binden, aufladen und nach Hause fahren. 
Mit dieser Arbeit ist, weil zu solcher Zeit gemei 
niglich Regen fällt, sehr zu eilen, damit die 
Hopfen nicht naß herein kommen. Denn ein 
solcher, nach dem Abnehmen naß gewordener 
Hopfen verliert sogleich seine schöne gelbbraune 
glänzende Farbe, wird leicht dumpfig und findet 
keinen Liebhaber. Haben sich in dem Hopfen 
garten die Wipfel miteinander verschlungen, 
so muß man sie mit dem Hopfenschneider, d. r. 
einem an einer langen Stange befestigten krum 
men Messer oder Sichel, vorsichtig auseinander 
schneiden, um keine Häupter zu verderben. 
Einige schneiden die Ranken dicht am Boden 
ab, allein dies ist ein sehr großer Fehler. Der 
Hopfen hat um diese Zeit viel Saft eingesogen, 
um die Frucht anzufüllen, welcher noch immer 
einzutreten fortfährt. Wenn man nun die Ran 
ken dicht am Boden abschneidet, so verursacht 
es eine große Wunde, die sich mit Schwächung 
der Wurzel verblutet. 
Nach der Erndte sind die Stangen, nachdem 
die Ranken davon abgestreift worden, auf das 
künftige Jahr aufzuheben. Sie werden in dieser 
Absicht entweder unter Dach gebracht, oder in 
freier Luft aufgesetzt. Geschiehet das Letztere, 
so richtet man drei Stangen in Gestalt eines 
Dreiecks, oder welches besser ist, sechs Stan 
gen in die Höhe, macht für sie mit einem Brech 
eisen Löcher in die Erde, und stellet sie in einem 
Kreise, doch so, daß sie oben an einander an 
liegen und eine Spitze ausmachen. Etwa eine 
Meßruthe von der Spitze herunter, werden sie 
mit Bändern von Hopfenranken zusammengebun 
den. Alsdann legt man die Stangen unverzüg 
lich an dieses Gestell. Denn wenn sie, beson 
ders im schlimmen Wetter, auf der Erde liegen, 
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