Full text: Kurhessischer Kalender (1830-1835)

dsr auch drei oder mehr Knospen haben, abgeschnit 
tn und von den gereinigt werden« 
be« Sie müssen aber von dem Triebe des vorher- 
er, gehenden Jahres seyn. Dieses läßt sich sehr leicht 
ill, an ihrer Farbe erkennen, welche allemal, wenn 
hrt sie nicht älter sind, weiß ist. Diese Pflänzlinge 
öd) verwahrt man sorgfältig in nasser Streu, damit 
dtt sie nicht trocken werden, und soba'd man damit 
dtt an Ort und Stelle kommt, legt man sie in die 
Erde ein, und pflanzt sie, sobald es das Wetter 
’jÄ erlauben will. Um Michaelis oder gleich darnach 
tief wird in ein jedes erwähntes kleines Viereck von 
die ZweiQuadratellen gerade in die Mitte ein Stöck- 
bei chengesteckt. Dieses ist das Zeichen, wo die 
Hopfenstange tut Frühlinge zu stehen kommt. 
*tK Evbald diese Stückchen abgetheiltermasen gesteckt 
in& -k' wird 6 Zoll weit um das Stückchen herum 
iea ein runder Ringelgraben, eine Hand breit und 
5 Zoll tief gemacht. In jeden solcher Graben wer- 
tief *. ctl Pflänzlinge mit einem Pflanzer senkrecht 
J( eingesetzt, so daß die Augen aufwärts gerichtet 
Werdern Wie viel dergleichen in ein Loch gepflanzt 
td) werden sollen, darüber ist man nicht einerlei 
Meinung. Gewöhnlich pflegt man 4 bis 6 der- 
^ selben hineinzuthun. Sie müssen mit der Ober- 
; i. fläche des Bodens gleichlaufen, oder mit dem 
. Obettheile höchstens nur einen Finger breit aus 
der Erde hervorstehen. Nach dem Einsetzen wird 
£ ein Paar Hände voll Erde darüber gescharrt und 
™ ohne Verrückung des in die Mitte gesteckten Stöck- 
^ chenS, mit den Füßen dicht niedergetreten, damit 
die Pflänzlinge sogleich von dem frischen Erd- 
:e _ boden wohl umfasset werde«. Ein solcher Haufe 
wird ein Stuhl genannt. Mit dieser Pflanzung 
® wird fortgefahren, bis ein jedes Stückchen rings 
rn herum mit i bis 6 Pflänzlingen besetzt ist. 
In diesem Zustande b'cibt der bepflanzte Mor 
gen Hopfenland bis gegen den Frühling in Ruhe. 
: . lJ Im März fängt der Hopfen an zu keimen, da 
kenn die jungen Hopfensprossen aus der Erde 
kommen. 
Sobald die Keimchen nur in ihrem Ringel 
" herum sich einen Zoll hoch aus der Erde zeigen, 
nss Wu Ü ein starker Mann mit einem Pfahleisen in 
^ f das Loch, welches die nunmehr Herauszuziehen» 
jL den Stückchen anzeigen, ein tiefes und weites 
* doch stoßen, daß die Hopfenstangen unbeweglich 
• flehen können. Das Werkzeug, dessen man sich 
bedient, die Löcher zu den Hopfenstangen ein- 
zustoßen, wird der Hopfenstichel genannt, und 
„ besieht in einem sechs Fuß hohen Pfahl, welcher 
'l unten zugespitzt und mit Eisen beschlagen, oben 
a aber mit einem Handgriff, wie gemeiniglich an 
rd/ ben Spat«, gemacht wird, versehen ist. Die 
Tiefe, nach welcher dir Stangen in die Erde 
gesteckt werden, muß der Höhe der Stangen, 
der dichten oder lockern Beschaffenheit des Erd 
bodens, und der Lage desselben gegen den Wind 
gemäß eingerichtet werden. Hohe Stangen, 
lockerer Boden, und eine Loge^ wo der Wind 
stark ist, erfordern, daß sie tief stehen. Ordent- 
licherweise bringt man sie anderthalb oder wenig 
stens einen Fuß tief in die Löcher, und stößt die 
Er^e fest um sie an. 
Für Anschaffung der langen Stangen, welche 
man neben die Hopfenpflanze stecket, oder der 
sogenannten Hopfenstangen, muß man bereits 
im vorhergehenden Winter gesorgt haben. Am 
besten schicken sich junge Kiefern, Fichten und 
Tannen dazu, doch kann man auch Espen, 
Birken, Erlen und Weiden dazu gebrauchen. 
Die Hopfenstangen werden unten einen Fuß hoch 
hinauf an drei Seiten angeschärft, und ihnen 
dadurch eine Spitze gegeben. Man pflegt sie 
auch an diesen gespitzten Enden zu brennen, oder 
mit einer Vermischung von Theer oder Pech zu 
überziehen, um sie dadurch dauerhaft zu machen 
und wider die Faulniß in der Erde zu sichern. 
Damit sich die ganzen Stangen um desto län 
ger nnverfault erhalten, pflegt man denselben 
die Rinde abzuschälen; doch läßt man hie und 
da etwas von der innern Rinde sitzen, weil der 
Hopfen sich an der noch daran befindlichen Rinde 
besser hinauf hilft und anklammern kann. Die 
gewöhnliche Länge der Hopfenstangen ist io bis 
12 Fuß und die Dicke derselben am untersten 
Ende zwei bis drittehalb Zoll im Durchschnitt. 
Da zu einer Hopfenstange zwei Quadrat-Ellen 
Platz gehören; so werden, weil eine Quadrat- 
Ruthe acht mal acht, d. i. 64 Quadrat-Ellen 
hält, auf eine jede Quadrat-Ruthe 52 Stangen, 
und also auf 180 Q.R. 96 Schock Hopfenstangen 
erfordert. 
Im Monat März oder April werd?« die 
Hopfenstöcke mit einer Hacke aufgeräumt (auf 
gezogen, aufgedeckt), da man nämlich die Erde 
von der Wurzel behutsam wegräumet, um zu 
dom nöthigen Schnitt gehörigen Raum zu haben. 
Man nimmt alsdann die verdorreten Enden der 
alten Ranken, nebst den zur Seite ausgelaufenen 
Thauwurzeln und Fasern einige Zoll rund herum 
von dem Stocke weg, um der Hauptwurzel desto 
mehr Nahrung zu verschaffen; deswegen auch 
jährlich neue Düngung zu gleicher Zeit erfordert 
wird. Man kann den Mist um den Stock her 
um legen, ausbreiten und unterhacken; oder vor 
Winter oben auflegen, damit er den Winter 
hindurch auslauge und in das Erdreich dringe.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.