Full text: Amtlicher Kalender für das Kurfürstenthum Hessen // Amtlicher Kalender für Kurhessen // Amtlicher Kalender für den Regierungsbezirk Cassel (1860-1873)

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betta Und Compagnie) ihren Sitz nach Bordeaux, 
dieweil es ihr nicht mehr an ersterem Orte geheuer war. 
Am 12. Dechr. ergab sich die Festung Pfalz bürg auf 
Gnade und Ungnade. Knegsgefangenr 52 Offiziere und 
1839 Mann, erbeutet 65 Geschütze. 
Am 14. Decbr. desgleichen die Festung Montmedy. 
Kriegsgefangen 3000 Mann, erbeutet abermals 65 Geschütze. 
— — traf die vom norddeutschen Reichstag an den 
neuen deutschen Kaiser zur Beglückwünschung desselben nach 
Versailles entsandte Deputation auf der Durchreise in 
Straßdurg ein und feierte daselbst mit den dortigen Deutschen 
die Wiederherstellung des deutschen Reichs. 
Am 16. Decbr. wurden 6000 Franzosen von Abteilungen 
des 14. Armeecorps unter General v. d. G o! tz (34. Infanterie- 
Regiment) bei Longe au in fester Stellung angegriffen und 
in die Festung Lang res zurückgeworfen. 
telegraphierte der König von Baiern nach Ver 
sailles, daß sämmtliche deutschen Fürsten und freien Städte 
seinem Vorschlage, die deutsche Kaiserwürde herzustellen, bei 
getreten seien. 
~ — nahm die badische 2. Kammer die Verträge mit 
dem deutschen Bunde einstimmig an. 
Am 18. December beglückwünschten in Versailles die 
Reichstagsabgesandten den König Wilhelm als demnächstigen 
deutschen Kaiser. 
griffen die badische 1. u. 2. Brigade unter General 
v. Glümer 20000 Franzosen bei Ruits und Pesmes an 
und stürmten nach hartnäckigem Gefecht Abends Ruits, 
wobei 700 Franzosen gefangen und u. A. ein großer Gewebr- 
und Munitionsvorrat erbeutet wurde. Prinz Wilhelm 
von Baden und General v. Glümer wurden verwundet. 
Am 19. Decbr. Annahme der deutschen Bundesverträge 
durch die badische 1. Kammer mit allen gegen zwei (un- 
patriotische) Stimmen. 
Am 20. Decbr. jagte das 10. Armeecorps unter General 
von Voigts-Rhetz 6000 französische Mobilgarden mit 
Cavaüerie und Artillerie in die Flucht gegen Tours bin. 
überraschte General v. d. Goltz die Franzosen in 
vier Cantonnements bei Lang res und zersprengte dieselben. 
Am 21. Decbr. Erneuter Ausfall der Pariser Besatzung 
gegen das Garde-Corps und sächsische Truppen bei Stains, 
!e Bourget, Sevran und Chelles. Das Ende vom 
Lied war wieder das alte: die Franzosen mußten Kehrt 
machen u. ließen wieder einmal über 1l>00 Gefangene zurück. 
rückte die 19. deutsche Division vor die Stadt 
Tours. Als die Bevölkerung Miene machte, Widerstand 
zu leisten, wurde ihr mit etlichen Granaten Vernunft zuge 
sprochen, worauf die Stadt nicht nur die weiße Fahrigauf 
zog, sondern sogar, um gegen ihre eigenen Einwohner Schutz 
zu bekommen, deutsche Besatzung erbat. Diesem Wunsche 
wurde jedoch nicht willfahrt, sondern die deutschen Truppen 
zogen wieder, nachdem sie ihrem Auftrag gemäß die Eisen 
bahn zerstört hatten, ab in die benachbarten Ortschaften. 
Am 23. Decbr. griff die 1. deutsche Armee unter General 
v. Manteuffel die 60000 Mann starke französische Nord 
armee unter General Faidherbe nördlich von Amiens 
an und trieb sie zu Paaren, wobei die Deutschen wieder 
einmal über 1000 Gefangene machten. Prahlhans Faid 
herbe zog sich schleunigst zurück, verkündigte aber unver 
drossen, daß er (wie gewöhnlich bei seinen beständigen Nieder 
lagen) auch diesmal einen glänzenden Sieg erfochten babe. 
genehmigte die Württembergische 2. Kammer die 
deutschen Bundesverträge mit 74 gegen 14, die Bezeichnung 
„deutscher Kaiser" mit 76 gegen 12 Stimmen. 
Am 25. Decbr. begann die 1. deutsche Armee die Ver 
folgung der (unter dem allezeit siegreichen General Faid 
herbe) fliehenden französischen Norvarmee. 
Am 27. Decbr. begann das großartige Unternehmen, 
welchem seit Langem alle Welt mit äußerster Spannung 
entgegen gesehen batte, die Beschießung der Stadt Paris, 
und zwar zunächst (aus 76 Geschützen) der Festungswerke 
auf dem Mont Avron. 
Am 29. Decbr. besetzten sächsische Truppen den von den 
Verteidigern verlassenen Mont Avion. 
genehmigte die württembergischc 1. Kammer die 
deutsch n Bundesverträge mit 26 gegen 3 Stimmen. 
30. Decbr. desgleichen die baierische 1. Kammer mit 
allen gegen 3 Stimmen. 
Am 3l. Dccbr. Siegreiches Gefecht von Hessen-darm- 
städtischen Truppen gegen die Franzosen bei Bonny. 
Ami. Januar 1871 stellten die Forts Rogent, Rosny 
und R o isy ostwärts von Paris, welche seit dem 31. Decbr. 
beschossen wurden, ihr Feuer ein und erwiderten nicht mehr 
die furchtbare Ansprache aus den deutschen Feuerschlünden. 
Am 2. Januar kapitulierte die Festung Meziöres. 
2000 Franzosen, darunter 98 Offiziere, wurden gefangen 
genommen, 106 Geschütze und viele Vorräte erbeutet. 
schlug die 30. deutsche Brigade, vom General 
Prahlhans Faidherbe mit überlegenen Streitkräften bei 
Bapaume (Sapiegnies) angegriffen, alle Angriffe 
siegreich zurück und machte 250 Gefangene. 
Am 3. Januar lebhaftes Geschützfeuer der deutschen Be 
lagerungsartillerie gegen die Ostseite von Paris, welches 
nur von Fort Rogent schwach erwidert wurde. 
abermaliges Gefecht bei Bapaume zwischen der 
l5. deutschen Division und zwei französischen Armeecorps 
unter General Faid herbe, wobei die Franzosen abermals 
zurückgeschlagen wurden und wieder 260 Gefangene verloren. 
In der Rächt traten die französischen Truppen unter dem 
allzeit siegreichen General Faid derbe den Rückzug an, 
wobei die verfolgende preußische Cavallerie einige feindliche 
Bataillone vernichtete. 
Am 5. Jan. wurde die Festung Rocroi durch einen 
Handstreich einer Abteilung der 1. Armee unter General 
Schüler von. Senden genommen 
fielen die ersten deutschen Granaten in denjenigen 
Teil der Stadt Paris, welcher den berümten Luxemburg- 
Garten in sich schließt. 
Am 6. Januar Besetzung der Festung Rocroi durch 
deutsche Truppen. 300 Franzosen wurden daselbst zu Ge 
fangenen gemacht; 72 Geschütze, 1 Fahne, viele Waffen, 
viel Pulver und Blei und eine große Anzahl Lebensmittel 
wurden erbeutet. 
— — heftiges Gefecht der 2. deutschen Armee unter 
Prinz Friedrich Carl gegen die Armee des Generals 
C h a n z y bei B e n d o m e. Das 94. Regiment erstürmte 
La Fourchöe und eroberte 3 Kanonen. 
erklärte General Trochu, der Oberbefehlshaber 
und Gouverneur in Paris: diese Stadt werde sich nun 
und nimmermehr ergeben. (Vergleiche den 23., 28., 29. Jan.) 
Am 8. Jan. begannen die Bewohner der durch die 
deutschen Granaten gefährdeten südlichen Teile von Paris 
ihre Wohnungen zu räumen. Das Festungswerk Rotre- 
Dame-Clamart (südlich von Paris) wurde durch deutsche 
Truppen besetzt. 
(in der Nacht zum 8.) wurde das südlich von 
der Festung Belfort gelegene Dorf Danjoutin durch 
die Deutschen gestürmt, wobei sich das Bataillon Schneide- 
mühl unter Hauptmann Manstein besonders auszeichnete.
	        

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