Full text: Amtlicher Kalender für das Kurfürstenthum Hessen // Amtlicher Kalender für Kurhessen // Amtlicher Kalender für den Regierungsbezirk Cassel (1860-1873)

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Gutei 
Der Acker ist dein Brodkorb, dein Schuldner, 
der dich m : t Nahrung und Kleidung und mit Geld 
versorgen soll. 
Mache darum, daß er leistungsfähig 
und gesund bleibe und dir dienen könne. 
Krank ist ein nasser Acker; er leistet dir nichts. 
Heile ihn durch zweckentsprechende Entwässerung. 
In nassem Boden gedeiht kein Kulturgewächs; 
i» ihm erzeugt sich Säure, weil ihn die Luft nicht 
j» durchdringen vermag, und Säure bringt nur Binsen, 
Riedgräser, Duwock, Schilf, Moose und andere 
gehaltlose Pflanzen. 
Ei» nasser Boden ist aber auch kalt. Die stauende 
Nässe verhindert, daß ihn Sonne und Luft erwär 
mend dnrchdringen, und die Wärme wird zur Per» 
dunstung des Wassers aufgebraucht. 
Nasser Boden ist ferner unthätig. Der Mist 
bleibt unvollständig zersetzt in seinem Schooße liegen; 
denn Wärme und Luft sind von ihm abgesperrt, und 
vhne diese entwickelt sich keine Pflanzennahrung. Die 
Wirkung des Mistes geht verloren. 
Nasser Boden ist endlich schwer und stets nur 
unvollkommen und mangelhaft zu bauen. 
Ruhe nicht, bis dein Acker einen Schuh 
lief vom Pfluge durchwühlt ist, bis du 
->lso einen Schuh tief lockeren Ackerboden 
be fixest; die Pflanze» können dir nur unter dieser 
Bedingung den Dünger reichlich zahlen, den du ihnen 
giebst, und die Arbeit lohnt sich auf's Beste. 
Eine tiefe Krume nimmt mehr Wasser auf, als 
eine flache, ohne davon überfüllt zu werden; denn 
bas Wasser vertheilt sich auf eine größere Erdmasse; 
eine flache Krume überfüllt sich dagegen mit Wasser, 
welches mm Nachtheile der Pflanzen auf der Sohle staut. 
Auf tiefer Krume ist ein dichterer Stand der 
Gewächse möglich, weil sie ihre Wurzeln mehr senk 
eecht in den Boden hinunter senden können. Auf 
wachem dagegen sind sie genöthigt, die Wurzeln mehr 
Ungerecht zu verbreite» Hierbei ist die Wurzel der 
einen Pflanze der Wurzel der andern im Wege. Viele 
Pflanzen verkümmern in Folge dessen. 
Die Fehler eines schlechten Untergrundes treten 
°e> tiefer Bearbeitung des Bodens weniger hervor, 
^ine tiefe Krume gestattet eine größere Auswahl 
Unter den anzubauenden Gewächsen. Auf ihr kommt 
seltener Lagerfrucht vor. 
Halte deinen Acker rein von Unkräu 
tern! 
Rath. 
Vergiß nie, daß das Unkraut stärker ist als die 
Pflanzen, welche du bauest, und daß es diese erstickt, 
wenn du eö nicht bekämpfest. Wie du dein Vieh in 
Schutz nimmst und hütest vor Raubthieren und Un 
geziefer, also halte es auch mit deinen Pflanzen. 
Nimm sie in Schutz vor den Schmarotzern, die sich 
an der großen Wirthschaftstafel breit machen wollen, 
vor den Räubern, die ihnen den besten Saft weg 
nehmen. Die Unkräuter verdrängen die Kulturpflan 
zen; sie nähren sich auf Kosten dieser und zehren sie 
zuletzt auf, wie eö dem Pharao geträumt hat, da 
sieben magere Kühe die sieben feilen verschlangen und die 
sieben mageren Aehren die sieben volle», und man ihnen 
nichts ansah, und eine Hungersnoth über's Land kam. 
Baue so viel Futter als möglich und 
halte nicht mehr Vieh, als du reichlich 
ernähren kannst. 
Futter giebt Mist; Mist giebt wieder Futter und 
Korn; Korn giebt aber Geld und gut genährtes Vieh 
desgleichen, und Geld — regiert die Welt. 
Vermehre den Dünger, behandle ihn 
richtig und wende ihn verständig an, d. h. 
zur rechten Zeit und auf die rechte Frucht. 
Vergiß nie, daß ein Landwirth, der den Mist 
nicht sorgfältig sammelt und ihn nachlässig behandelt, 
dem Bergmanne gleicht, der unscheinbares Silbererz 
wegwirft, weil es nicht glänzt wie Helles, gediege 
nes Silber. Bedenke, daß 100 Centner frischen 
Mistes auf vierzig Centner zusammenschmelzen, wenn 
man ihn sorglos liegen läßt, bis er sich zersetzt hat, 
und daß dabei die werthvollsten Stoffe verloren 
gehen. Der Mist enthält ganz frisch, wie er eben 
aus dem Stalle kommt, die größte Menge von 
Material zur Pflanzennahrung; eine Vermehrung 
dieser letzteren durch irgend eine Aufbewahrungsweise 
ist ein Ding der Unmöglichkeit. Fahre d'rum den 
Mist immer hübsch frisch hinaus auf deinen Acker! 
Lasse nur den einen Entschulvigungsgrund gelten, 
wenn du bei nassem Wetter mit dem schweren Fuhr 
werk den Acker verderben würdest. An Feldern zur 
Aufnahme des frischen Mistes fehlt es ja auch dem 
Dreifelderwirth nicht. Das Düngerkapital ist ein 
hochwichtiges und die Grundlage einer jede» ein 
träglichen Wirthschaft. Es muß daher stets auf 
die sichersten Zinsen angelegt werden! 
Wende bei Bebauung deines Ackers sol 
ches Geräthe an, welches seinem Zweck in 
möglichst vollkommener Weise entspricht. 
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