Full text: Amtlicher Kalender für das Kurfürstenthum Hessen // Amtlicher Kalender für Kurhessen // Amtlicher Kalender für den Regierungsbezirk Cassel (1860-1873)

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seinen Mönchs -, Zinngießer- und sonstigen Fahrten 
und der schweren Plage der Gefangenschaft, bis ihn 
Landgraf Philipp der Hochherzige als einen treuen 
und bewährten Diener zum Pfarrer in Abterode 
am Meißner bestellte, wo er am l3. September l 544 
als erster protestantischer Prediger eingeführt worden 
ist. Dort lebte er dann über zehn Jahre ein ge 
ruhiges gottvergnügtes Leben und trieb neben seinem 
Amt die edle Dichtkunst fleißig, hat auch unter 
andern Schriften ein Buch ausgehen lassen, das» 
viele gute lustige Schwänke und Geschichten von 
Thieren und Menschen enthält, daraus man noch 
heutigen Tages Ergötzen und Lehre schöpfen kann. Wann 
er gestorben ist, das muß der Kalenderschreiber wiederum 
verschweigen, weil er nicht und Niemand es weiß. 
Wie man hungrig fordert und satt bezahlt. 
Zu den Zeiten als die HerSfelder Tuchmacher zu 
den Kasseler Messen noch nicht wie heute auf dem 
eisernen Schienenwege in Windeseile jagten, sondern 
noch fein gemächlich auf deni Rücken der Fulda sich 
zu Schiffe tragen ließen, pflegten sie, nach der ersten 
Nachtstation in Rotenburg, zur Frühstückszeit in 
Altmorschen an Land zu gehen, wo der Wirth Hilgen 
berg ihnen einen Imbiß auftischte, der wie man zu 
sagen pflegt, Leib und Seele zusammenhalten konnte. 
Einmal geschah eS, daß die wackeren Herren vom 
Tuchramen mit besonders jähem Hunger in die alt- 
gewohnte Herberge traten. »Vetter Helgeberg«, 
sagte der Vorderste, der den Obmann abgab, als 
er dem wohlbekannten Gasthalter die Hand zum 
Gruß geschüttelt, mit lauter Stimme, --wir haben 
heut' einen Mordsappetit mitbracht. Gelle, Ihr holt 
uns e Worscht, so laug un so dick, als.Ihr sie 
nur in der Rauchkammer hängen habt, un dann 
was sich dazu gehört von Rechtswegen«. Darauf 
brachte der Wirth eine Leberwurst fast armslang 
und schier so dick wie der Lauf eines Zwölfpfünders. 
Die biedern Männer von Hersfeld fürchteten sich 
aber nicht vor dem Caliber. Sie sprachen dem 
Ding fleißig zu und unterhielten sich mit ihm, bis 
sie es sich völlig einverleibt hatten (heut' zu Tage 
nennt man das annektiren). Und da »un die beiden 
Zipfel allein noch von der Sache übrig waren, nahm 
der Vorderste, der auch die Kasse führte, wiederum 
das Wort und sagte, aber diesmal fast kleinmüthig 
und mit gedämpfter Stimme, indem er das Leder 
beutelche» zog: --Vetter Helgeberg, was kost' nu das 
Wörschtche?« 
Lieber Leser, machen wir es nicht alle im Leben 
manchmal wie dieser ehrliche HerSfelder, daß wir, 
wenn wir etwas begehren und wünschen, cs als ein 
Großes und Gewichtiges ansehen und bezeichnen, und 
wen» wir es genossen haben und wir sollen dafür 
danken oder gar es irgendwie bezahlen, so schrumpft 
es in unsern Augen und unserm Munde auf ein 
mal zum --Wörschtche« zusammen, als sei es nicht 
viel damit gewesen? 
Laßt uns Brutkasten in unsern Garten aufhängen. 
Das Ungeziefer treibt'ö immer unverschämter. 
Es hat in den letzten Jahrzehnten in erschreckender 
Weise überhand genommen. Es schmarotzt in Wie 
sen und Feldern-, Gärten und Wäldern, daß es 
einem angst und bange wird. Allein die Engerlinge 
haben im v. I. in Deutschland einen Schaden an 
gerichtet, der sich auf viele Millionen beziffert. 
Dem Unwesen wäre zu einem guten Theil zu 
steuern! Ich weiß ein kleines Jägercorps, das ver- 
steht's, das gefräßige Gesindel zu Paaren zu treiben. 
Es tritt gern in Eure Dienste und kommt in Hellen 
Hausen, wenn Hhr's nur haben wollt. Es nimmt 
keinen Sold; für die Montur — und die schönste — 
sorgt sich's selbst; eS will nichts weiter, als ein 
ungestört' Quartier. Zur Arbeit braucht's nicht an 
getrieben zu werden; früh, wenn Gottes liebe Sonne 
die ersten Strahlen sendet, ist's schon auf den 
Beinen; jubelnd und singend macht's Jagd auf die 
schmarotzenden Eindringlinge, und je mehr es deren 
findet, um so fröhlicher und wüthiger ist es. Was 
mag das für ein kleines Jägercorps sein? Es wird 
gebildet aus den insektenfressenden Vögeln, vor allen 
aber denjenigen, welche in Höhlen nisten und auch 
in solchen, wenn das Brutgeschäft vorüber ist, über 
nachten. Das wird ihnen jetzt aber gar schwer und 
sauer gemacht. Alte hohle Bäume, in denen diese 
nützlichen Thierchen ihre Nester anbringen könnten, 
giebt's immer weniger in Wäldern, Feldern und 
Gärten, und damit fehlt denn auch die beste Hilfe 
gegen das Ungeziefer, und gerade dann am meisten, 
wenn Würmer, Maden, Raupen rc. in ihrem Zer 
störungswerk am thätigsten sind. So sollt Ihr ver 
ständiger Weise den Mangel natürlicher Baumhöhlen 
künstlich ersetzen. Der Winter kommt herangezogen
	        

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