Full text: Amtlicher Kalender für das Kurfürstenthum Hessen // Amtlicher Kalender für Kurhessen // Amtlicher Kalender für den Regierungsbezirk Cassel (1860-1873)

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Die Güter der aufgehobenen Klöster und geistlichen 
Stifter wurden zu Schulen, insbesondere zur Gründung einer 
Hochschule oder Universität zu Marburg und zur Errichtung 
mehrerer Landeshospitäler für sieche, irre und geisteskranke 
Personen verwendet. Und bald bevölkerten sich die Klöster 
Haina und Merxhausen mit armen unglücklichen Kran 
ken, mit Gebrechlichen an Leib und Seele aller Art, die neben 
christlicher Unterweisung liebreiche Pflege, Nahrung und Klei 
dung erhielten. Zwar sollte der Landgraf nach kaiserlichem 
Befehl den Abt von Haina wieder einsetzen und die wider 
rechtlich eingezogenen Güter den Klöstern zurückgeben. Allein 
Wipp fügte sich nicht, und es langten jetzt Commissare des 
Kaisers im Lande an und redeten an Ort und Stelle hart 
rnit dem Vorsteher der Anstalt, Heinze von Lüder. Der 
tapfere, wackere Mann hatte aber das Herz auf dem rechten 
Neck. Auf seinen Wink stellten alle Sieche und Preßhafte, 
llle Lahme, Blinde, Stumme, Wahnwitzige, Mondsüchtige, 
Sinnverrückte, Besessene, Mißgestaltete und Aussätzige in 
langer Reihe sich auf, und nun wendete er sich, indem er 
auf seine Schutzbefohlenen zeigte, mit Wärme an die Abge 
ordneten und sprach: „Mögt ihr es wohl vor Gott an jenem 
Tage verantworten, wenn ihr diese armen, hilflosen Menschen 
von neuem in's Elend treibt und dagegen jene faulen, zän 
kischen, durch ihr unnützes, schwelgerisches Leben nur Aergerniß 
gebenden Mönche wieder hierher zurückführt?" Betroffen 
gaben die Commissare zur Antwort, daß sie alles, was sie 
gesehen hätten, ihrem Herrn getreulich berichten wollten, und 
verließen das Land. Haina aber ist mit Merxhausen bis auf 
den heutigen Tag eine Versorgungs- und Zufluchtsstätte für 
Irre und Wahnsinnige, für Geistes- und Seelenkranke ge 
geben. Nun hatten auch viele der vorhandenen Klöster dem 
hessischen Adel ihre Entstehung und ihr Aufblühen zu ver 
danken, und um ihn zu entschädigen, erhielten zwei Stifter, 
Kaufungen und Wetter, die Bestimmung, aus ihren 
Einkünften eine jährliche Unterstützung an arme, unversorgte 
Gliche Jungfrauen zu verabreichen. 
Der Reichstag zu Speier hatte im Jahre 1529 einen 
dem weiteren Fortgang des Neformationswerkes feindseligen 
Beschluß gefaßt, und es war an der Zeit, daß die Evange- 
"schen auf ein engeres Zusammenschließen unter einander und 
auf Errichtung eines starken Schutz- und Trutzbündnißes gegen 
ülvaige Gewaltschritte seitens der Katholischen ernstlich Be 
dacht nehmen mußten. Da zeigte es sich aber alsbald bei 
Elnem Theil der Anhänger Luthers, daß man diejenigen, 
welche mit ihnen nicht gleicher Meinung über das hl. Abend 
mahl waren, mit Mißtrauen betrachtete und die süddeutschen 
Städte, die zu der von Zwingli in der Schweiz gepredigten 
Äre sich hinneigten, von dem Bündniß ausschließen wollte. 
Ms war jedoch dem Landgrafen nicht nach seinem Sinn; 
Mn der wurde von dem Gedanken geleitet, daß man um 
Ä verschiedenen Auffassung einiger Punkte willen, von denen 
?!.e ewige Seligkeit nicht abhängig sei, die Kirche nicht trennen 
Mfe, sondern daß man vielmehr wie eine geschlossene Schaar 
kost und einig dem Feinde gegenüber stehen müsse. Wo der 
Evangelischen Kirche Gefahr drohe, da müsse sie als eine 
Äße Gemeinschaft in Einigkeit des Geistes durch das Band 
Ä Friedens zusammenhalten und zusammenstehen. Er hoffte 
einem „freundlichen und disputirlichen Religionsgespräch" 
Ä besten Erfolg und lud daher die sächsischen und schwei- 
Mchen Reformatoren zu sich auf sein Schloß zu Marburg 
nahm sie und alle, die mit ihnen kamen, herzlich auf 
"nb bewirthete sie mehrere Tage lang als seine lieben Gaste, 
"eher vierzehn Hauptartikel der christlichen Lehre hatte man 
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sich bald geeinigt; bei dem fünfzehnten aber, der von dem 
hl. Abendmahl handelte, konnte eine Einhelligkeit nicht erreicht 
werden. Luther hatte die Worte: „das ist mein Leib" 
vor sich auf den Tisch geschrieben und hielt die buchstäbliche 
Erklärung derselben gegen die Ansicht des Zwingli, der in 
den sichtbaren Zeichen (Brod und Wein) nur die Unter 
pfänder und Bürgschaften für die göttliche Gnade erblickte, 
unerschütterlich fest. Man trennte sich zwar unter der Ver 
sicherung gegenseitiger Liebe; aber zum größten Leidwesen 
des Landgrafen war das Mißtrauen nicht gehoben, der Zwie 
spalt nicht gelöst. 
Der Kaiser war noch immer der Meinung, die Spaltung 
der Kirche durch einen Reichstag verhüten zu können. Die 
Evangelischen übergaben zu dem Ende aufdem großen Reichs 
tag zu Augsburg imJahre1530, damit Kaiser und Reich 
erkennen möchte, daß sie gar nicht Willens seien von der 
alten Kirche sich zu trennen, und daß ihr Glaube und ihre 
Lehre mit der hl. Schrift übereinstimme, ein von Melanchthon 
abgefaßtes und von Luther gebilligtes Glaubensbekenntniß 
— fortan genannt die Augsburgische Confession; —darin war 
mit klaren und bestimmten, aber doch milden und versöhn 
lichen Worten ausgeführt, daß sie die hl. Schrift als die 
höchste Richterin in Sachen des Glaubens, die Gnade 
Gottes als den alleinigen Grund der Seligkeit und Jesum 
Christum als den einigen Mittler zwischen Gott und den 
Menschen betrachteten. Zugleich aber erklärte Landgraf 
Philipp mit fünf andern gleichgesinnten Fürsten, daß sie, 
einer wie der andere, unweigerlich bereit seien, Brod und 
Ehre, Leib und Leben für den eben dargelegten Glauben ein 
zusetzen. Und als der Kaiser den Landgrafen durch die Ver 
sicherung seiner Gnade zum Nachgeben zu bestimmen suchte, 
gab dieser zur Antwort; in den besten Jahren seines Lebens 
fliehe er nicht die Freude noch die Gunst der Großen; aber 
den trügerischen Gütern dieser Welt ziehe er die Gnade 
Gottes vor. 
So fest und entschlossen sich hier Philipp bei Aufrecht 
haltung des evangelischen Glaubens erwies, so edel und un 
erschrocken nahm er sich gegen den Kaiser des wegen verübter 
Gewaltthat von dem schwäbischen Bund aus seinem Lande 
vertriebenen Herzogs Ulrich v on Württe mb erg an. Er 
allein hatte dem unglücklichen, von allen verlassenen Fürsten, 
dessen Erbe nach geschehener Vertreibung dem Bruder des 
Kaisers, Ferdinand von Oesterreich, übergeben wor 
den war, in seinem Lande Obdach und Unterhalt gewährt, 
hatte seine Sache auf verschiedenen Reichsversammlungen mit 
Kraft und Nachdruck geführt und zuletzt für ihn auf dem 
Reichstag zu Augsburg die Kniee vor dem Kaiser gebeugt. 
Als alles vergebens war, behielt der Landgraf das Wort, 
welches der Kaiser ausgestoßen haben soll; „was Ulrich durchs 
Schwert verloren, das mag er auch, wenn er kann, durchs 
Schwert wieder gewinnen", fortan in seinem Herzen. 
Frankreich und Dänemark sagten thätige Unterstützung 
zu, und im Jahre 1534 drang Philipp unter Zustimmung 
seiner Stände mit einem wohlgerüsteten Heer in raschem Zug 
bis zum Neckar vor. Innerhalb dreier Wochen war die Er 
oberung des württembergischen Landes vollendet und damit 
dem 15jährigen Elend des unstät umherirrenden, unverbört 
verurtheilten und gegen Ordnung und Recht in die Reichs 
acht erklärten Fürsten ein Ziel gesetzt. Von diesem mit Ehren 
geführten Kriegszug, den Luther Philipps größte That nennt, 
erhielt der Landgraf von der dankbaren Mitwelt den Bei 
namen des Großmüthigen. 
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