Full text: Amtlicher Kalender für das Kurfürstenthum Hessen // Amtlicher Kalender für Kurhessen // Amtlicher Kalender für den Regierungsbezirk Cassel (1860-1873)

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Landgraf Philipp der Großmüthige. 
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Auf den 31. März des Jahres 1867 fällt der dreihundert- 
mhrige Todestag des Landgrafen Philipp des Groß 
müthigen von Hessen. Der Kalendermann glaubt nur eine 
Wicht der Dankbarkeit zu erfüllen, wenn er in diesen Blättern 
an den Sterbetag des hochherzigen Fürsten erinnert. Freilich 
^nn seine Mittheilung über den großen Todten auch nichts 
weiter als eine Erinnerung sein; denn wollte man viel von 
M und seinen Thaten berichten, wollte man erzählen, was 
; r für das Hessenland, was er für Deutschland gewesen ist, 
L käme man lange nicht zu Ende, und es würde ein ganzes 
Wch daraus. Darum möge hier nur einiges aus seinem 
Archen, viel bewegten Leben Erwähnung finden. 
r Landgraf Philipp erblickte im Jahre 1507 an einem 
Sonnabend Morgens nach 5 Uhr in dem Schloße zu Mar- 
das Licht der Welt und war noch nicht fünf Jahre alt, 
sein Vater, der Landgraf Wildelm der Mittlere, 
Zuerst kam er unter die Aufsicht des Landhofmeisters 
udwig von Boineburg, bis sich seine Mutter, Anna 
n M e ckl e n b u r g, nach manchen Kämpfen und unruhigen 
^"'^itten der Vormundschaft über den jungen Fürsten wie 
$ r Agentschaft über das Land bemächtigte. Die Pflege und 
s^khung, welche ihm der Landhofmeister angedeihen ließ, 
n^nnt gerade nicht die sorgfältigste gewesen zu'sein. Denn 
weiß kaum die Namen seiner Lehrer, und seine Mutter, 
n der er getrennt war, und die ihn nur etliche mal im 
Jahre, „um Ergötzlichkeit mit ihm zu haben", besuchen durfte, 
erhebt laut und öffentlich Klage darüber, daß er von den 
Bedienten verwahrlost werde und durch einen Stoß an eine 
Bank Schaden am Beine genommen habe, bei dessen Besich 
tigung ihr und Boineburg's Frau die Sinne geschwindelt 
hätten. Philipp hatte ein liebliches Aeußere und zeigte schon 
früh viel natürliche Anlage und einen Hellen, aufgeweckten 
Verstand. Einst las er als Knabe das Wort des Predigers 
Salomo: „Wehe dir Land, des König ein Kind ist!" Dieser 
Ausspruch des weisen Salomo verursachte ihm aber nicht 
allein eine große Betrübniß über seine gegenwärtige Unwissen 
heit in den Rechten und der Verfassung des Landes, sondern 
weckte auch sein Nachdenken über seinen künftigen hohen Beruf 
und wendete seinen Geist großen Dingen zu. Fleißig forschte 
er in der heiligen Schrift und gewann mit den Jahren diese 
Quelle aller Wahrheit und alles Lebens immer lieber. Von 
Körper war er klein, aber stark und rüstig von Geist; daher 
denn Luther von ihm sagt: „Also ist der jetzige Landgraf 
ein Kriegsmann, klein von Person, aber an Verstand mächtig 
und glückselig." 
Er war erst vierzehn Jahre alt, da erklärte ihn der 
deutsche Kaiser Maximilian für volljährig und regierungs 
fähig. Und der junge Landgraf erfaßte mit Kraft und Be 
sonnenheit die Zügel der Negierung und zeigte mit Ernst, 
daß er allein Herr sein wolle. Denn als gleich auf dem
	        

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