Full text: Amtlicher Kalender für das Kurfürstenthum Hessen // Amtlicher Kalender für Kurhessen // Amtlicher Kalender für den Regierungsbezirk Cassel (1860-1873)

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dachte Tag und Nacht daran. Das schöne Geld, so 
mühsam erworben, nun auf einmal verloren! Ver 
wünscht! Selbst meine armen, unschuldigen Kranken 
litten darunter, denn ich war immer zerstreut. Auch 
zu Hause hatte ich keine Freude mehr; meine gute 
Frau, sonst immer so heiter, ließ selbst bei Tische, 
wo der Mensch sich doch erholen soll, den Kopf 
hängen; wir saßen stumm und verdrießlich einander 
gegenüber, und unsere sonst so fröhlichen Kinder sahen 
uns schüchtern an. So konnte und durfte es nicht 
bleiben, das fühlte ich wohl. Das schöne Geld war 
einmal weg, und mit ihm hatten wir verloren das 
erste Gut des Lebens, die Zufriedenheit. Ich armer 
Erdenwurm, unfähig aus einer Noth herauszukommen, 
nahm meine Zuflucht zum Allmächtigen. Ich eilte 
auf mein Schlafzimmer, schloß die Thür hinter mir 
zu, und bat auf meinen Knieen recht inbrünstig, daß 
mir Kraft und Muth, Freudigkeit und Ruhe wieder 
gegeben werde. Da war es mir, als wenn der 
liebe Gott erschiene, und zu mir spräche: „Du bist 
eines armen Predigers Sohn, und ich habe Dich 
gesegnet in Deinem Berufe, so daß Du ein gemachter 
Mann bist. Eine Reihe von Jahren habe ich Dich 
spielen lassen mit dem Gelde, das Du jetzt verloren 
hast. Nun Heim, sei kein dummer Junge und höre 
auf, zu pinseln! Sonst komme ich Dir noch ganz ! 
anders! Ich habe die Schlüssel zu allen Geldkasten, ! 
und kann Dir den Verlust hinlänglich ersetzen. Drum 
sei wieder gutes Muths und gib mir Deine Hand 
darauf, daß Du wieder fröhlich Deinem Berufe leben 
willst!" Das habe ich versprochen; Weib und Kind 
sind auch wieder heiter, ich habe es wieder vergessen; 
es ist unter den Füßen, und ich bin nun wieder ver 
gnügt in meinem Gott. Das thut und vermag ein 
Gebet, wenn es ernstlich ist; und nun lassen Sie 
uns von etwas Anderem sprechen! 
3) Wie er eine gefährliche Wunde curirt. 
Heim konnte sich nicht mehr ärgern, als wenn 
er eiligst zu einem Patienten gerufen wurde, und 
dann fand, daß es nicht der Rede werth sei, warum 
man ihn gerufen habe. Ein vornehmer Mann hatte 
sich durch Unvorsichtigkeit eine kleine Wunde beige 
bracht und ließ eiligst den Doctor Heim rufen. Als 
Heim die Wunde untersucht hatte, befahl er einem 
Diener, so geschwind als möglich in die nächste Apo 
theke zu lausen, um ein gewisses Pflaster zu holen. 
Der vornehme Patient wurde leichenblaß und rief: 
„Herr Doctor, es ist doch wohl nicht gefährlich?" 
„Ei freilich", rief Heim, „denn wenn der Kerl 
nicht geschwind läuft, ist die Wunde zugeheilt, ehe 
das Pflaster ankommt." 
4) Sein Jubiläum. 
Der ehrliche, fromme, gemüthliche Heim hatte 
nicht Zeit, krank zu werden, und wurde, immer 
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thätig, sehr alt. Sein Jubiläum feierte ganz Berlin, 
von den allerhöchsten und höchsten Ständen an bis 
herab zu den Straßenjungen, und währte drei Tage. 
Unaufhörlich in Bewegung, ward er endlich erschöpft 
und befahl, daß Alles im Hause still sein sollte. Am 
Abend spät kam eine unbemittelte Bürgersfrau, die 
ihn zu ihrem kranken Kinde rufen wollte. Abgewiesen, 
drang sie, mit der Oertlichkeit bekannt, in das Schlaf 
zimmer von Heim, der die weinende und lärmende 
Frau unhöflich abwies. — Alles ist still geworden, 
und die besorgte Gattin sagt: „Lieber Heim, wie 
ist es mit Dir? Du wirfst Dich ja im Bette hin 
und her!" — „Ich kann", antwortet er, „nicht 
schlafen; es ist doch ein eigen Ding mit dem Gewissen! 
Ich muß hin." Er klingelt, und vergißt alle Müdig 
keit, eilt zum Kranken und stellt ihn glücklich wieder her. 
(Jahrbuch für christliche Unterhaltung.) 
Johannes Falk in Weimar, der im I. 1826 
selig entschlafene Freund der Armen und namentlich 
der verwahrlosten Kinder, erzählt in seinem Volks 
spiegel folgendes Erlebniß unter der Ueberschrift: 
Der kleine Poppendorfer, 
oder 
Recept wider den geistlichen Hochmuth. 
Im Jahre 1822, im Sommer, kam ein armer 
Hutmann zu Johannes Falk, aus einem Dorfe, das 
Pöppendorf heißt, und über Jena heraus liegt. 
Dieser brachte einen kleinen Dorfjunker mit, der sein 
leiblicher Sohn war. Der Bursch wollte durchaus 
der Schule folgen. Er war klein und ganz unansehnlich 
von Gestalt, wie sein Vater auch. Falk prüfte den 
kleinen Candidaten, fand aber, daß seine Schulkennt 
nisse noch sehr gering waren. Da er kaum zwölf 
Jahre zählte und übrigens ein gutes Schullob hatte, 
so bestellte F. ihn das folgende Jahr wieder. Er 
sollte indeß in der Singekunst, im Lesen und Schreiben, 
besonders auch im Clavierspielen, fleißige Uebungen 
nehmen. So gab F. ihm auch einige der schönsten 
geistlichen Lieder auf, die er auswendig lernen und 
künftighin hersagen sollte. Im Sommer 1823 erschien 
der Vater auf's Neue mit dem Knaben. Ein Lehrer 
der Anstalt prüfte ihn sorgfältig in den von ihm nun 
angeblich auf's Vollständigste erworbenen Kenntnissen: 
er bestand, indeß abermals höchst mittelmäßig. Als 
F. den Vater mit diesem Ergebniß bekannt machte, 
erleichterte derselbe sein Herz und meinte: Er glaube 
es wohl, daß dem Dinge so sei; doch müsse F. ihm 
die Schuld davon nicht beimessen. Dem Jungen 
sitze einmal der geistliche Hochmuth im Kopfe und er 
dünke sich bereits so vornehm, wie ein Pfarrer. So 
zum Beispiel, wenn ein liebes Wetter am Himmel 
stände: so könnte ihn kein Mensch dahin bringen, 
daß er die Peitsche in die Hand nehme und Kühe
	        

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