Full text: Amtlicher Kalender für das Kurfürstenthum Hessen // Amtlicher Kalender für Kurhessen // Amtlicher Kalender für den Regierungsbezirk Cassel (1860-1873)

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kehren auch nicht ein in das stille Wirthshaus "zum 
Tannenbaum»; einsam steht er im Frühling, einsam 
bleibt er in der strahlenden Sommerzeit, ja selbst 
im Herbste gleicht sein Kleid allein einem Trauer- 
gewande, er allein trägt Leid inmitten der buntge 
schmückten Bäume, die doch trotz ihres Prangens der 
Tod schon geküßt hat. — So kommt endlich der 
Winter heran, gehüllt in einen flimmernden Eismantel, 
begleitet von seinen Dienern, den rauhen Winden. 
Grausam reißen sie alle zarten Blätter herab. Der 
Schneefürst streut eilig dicke weiße Flocken über die 
kleinen Leichen, über die ganze Erde und alles warme 
Leben erstarrt vor seinem Anblick. Nur der Tannen 
baum schaut ihn furchtlos an und lächelt geheimniß 
voll; denn der mächtige Zauberer im Eismantel hat 
keine Macht über ihn. Gott will nicht, daß alles 
Grün ersterbe, so lange und weit noch fühlende 
Menschen auf der Erde wohnen; darum drückte er 
dem Norden seinen Tannen- und Fichtenkranz auf 
das schneeige Haupt, in welchen sich das Leben und 
die Hoffnung flüchten können vor dem eisigen Hauche 
des harten Winters. Dort nistet mitten im Schnee 
sturm der Kreuzschnabel, unter seinem schirmenden 
Dache wirft das Reh sein zartes Kalb, dort harren 
genügsame Menschen einem späten Frühling froh und 
zuversichtlich entgegen. 
So hat sich Friede und Freude, Schönheit und 
Lust getheilt zwischen Laub- und Nadelwald, wie sie 
beide in breiten Gürteln die Erde umschließen, nament 
lich aber unseres deutschen Vaterlandes Höhen und 
Thalgründe schmücken mit unvergänglichen Reizen. 
Jst'ö möglich, so viel an Euch ist, so 
habt mit allen Menschen Frieden. 
Das ist eins alte Lehre die sich schon über 
1800 Jahre bewährt hat, und wer darnach handelt, 
der wird es schon erfahren, daß Niemand größeren 
Vortheil davon hat,'als der Friedfertige selber. 
Nun sagt man freilich, und das soll auch wahr 
sein, daß Niemand länger Frieden haben soll, als 
es seinem bösen Nachbar gefällt, denn Mancher wird 
in Zank und Hader verwickelt, der den Frieden viel 
lieber hätte. Wenn's dir aber mit dem Frieden ein 
rechter Ernst ist, so bringst du ihn doch wohl zu 
Wege, wenn nicht Frieden mit deinem Nachbar, doch 
wenigstens Frieden in deinem eigenen Herzen und Hause. 
Zum Beispiel, du hast Haus und Hof und Acker 
und Wiesen, und Gott segnet das Werk deiner Hände. 
Das kränkt nun deinen neidischen Nachbar, und er 
sucht Gelegenheit, mit dir zu hadern um eine Kleinig 
keit. Da kannst du dir aber leicht helfen. Warte 
du deiner Arbeit und kehre dich nicht an den neidischen 
Nachbar, sondern wenn er anfangen will, mit dir 
M hadern; so meide ihn eine Zeit lang, bis er 
selber anfängt, sich seines Unrechts zu schämen. 
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Und wenn es dann die Gelegenheit giebt, so sei 
freundlich gegen ihn, wie zuvor, als wäre nichts 
zwischen euch vorgefallen. Er dankt es dir vielleicht, 
daß du es nicht zum Zank hast kommen lassen. 
Aber auch so. Du hast einen Nachbar oder 
einen Freund, wenigstens hast du ihn dafür gehalten, 
hast ihm manche Liebe erwiesen, und bist mit ihm 
fröhlich und guter Dinge gewesen. Nun aber wird 
der Nachbar Etwas, Vorsteher der Gemeinde, oder 
Mitglied des Rathes, bei dem oft guter Rath theuer 
ist; das kitzelt ihn, der Hafer sticht ihn, wie man zu 
sagen pflegt. Er kennt dich nicht mehr. Du aber 
hältst es für deine Pflicht, ihm zu sagen: Freund, 
in dem und dem Stück handelst du unrecht! Wer ein 
Amt hat, der soll seines Amtes warten, aber nicht 
seinen eigenen Vortheil dem des Ganzen vorziehen. 
Ich sage dir das, weil ich es gut mit dir meine. 
Das nimmt aber nun der Freund übel und geht 
herum zu den Leuten, die dir schaden und helfen 
können, und redet für deinen guten Willen dir allerlei 
Uebels nach, daran auch nicht ein wahres Wort ist. 
Da kannst du freilich nicht viel thun, sondern mußt 
den Verläumder durch die That widerlegen. Und 
weil doch dein Nachbar das achte Gebot vergessen 
hat, so sage du es sofort her, und prüfe dich, ob 
du es noch weißt, und halte dich dazu, daß du es 
auch übest, am meisten gegen den Nachbar, der es 
doch auch in seiner Jugend gelernt hat, und dem es 
bei Gelegenheit schon einmal wieder in den Sinn 
kommen wird. 
Oder drittens. Dein Nachbar ist ein Hitzkopf, 
und du gehörst auch zu den Leuten, denen es bald 
unter dem Hute zu warm wird. Da ist nichts leichter, 
denn daß ihr Beide aneinander gerathet und euch 
verfeindet für viele Jahre und am Ende euch fragen 
müsset: Was war's denn eigentlich, worüber wir mit 
einander gehadert haben? Wenn du nun merkst, wie 
es mit deinem Nachbar und mit dir selber bestellt 
ist, so mache es, wie jener gute Mann zu thun 
pflegte, der, sobald er merkte, daß er in Zorn gerieth, 
seinem Gegner nicht ein einziges Wort antwortete, 
sondern frisch weg von Eins bis Hundert zählte, und 
wenn es eine Mandel und ein Schock war, noch 
einige Augenblicke inne hielt. Darauf reichte er seinem 
Nachbar die Hand und sagte ihm ganz ruhig: „Nachbar, 
laßt uns die" Sache morgen besprechen, mir ist heute 
gar nicht recht zu Sinne, ich möchte leicht reden, 
was Euch nicht gefiele, und zuletzt auch nicht einmal 
mir selber." Manchmal ist der Streit auch um das 
Mein und Dein, und Jeder glaubt, er wäre dabei im 
Rechte. Da geht nun ein friedfertiger Mann nicht 
sogleich zum Advokaten, und processirt nicht gleich 
vor den Gerichten, er bespricht es mit verständigen 
und friedfertigen Leuten und vergleicht sich am Ende 
mit seinem Nachbar, denn er weiß schon, daß Friede 
ernährt und Unfriede verzehrt, und daß ein magerer 
Vergleich oft bester ist, als ein fetter Proceß.
	        

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