Full text: Amtlicher Kalender für das Kurfürstenthum Hessen // Amtlicher Kalender für Kurhessen // Amtlicher Kalender für den Regierungsbezirk Cassel (1860-1873)

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Blute, damit er das Gesetz erfüllte und der Gerech 
tigkeit genug gethan, handelte. Am 10. April hielt 
er noch mit vieler Salbung eine Vorlesung über das 
hohepriesterliche Gebet Jesu (Joh. 17), am folgenden 
Tage (Charfreitag) behandelte er das 53. Capitel 
des Propheten Jesaias. Am Festsonnabend schrieb 
er noch eine Osterbetrachtung, beichtete in der Kirche, 
ließ sich absolviren und empfing das heilige Abend 
mahl in rechtschaffenem Glauben, mit Gebet und 
Danksagung. Nachmittags ging er zum letztenmale 
aus und kam in größter Erschöpfung heim, wo er 
die Freude hatte, seinen von Leipzig herbeigeeilten 
theueren Freund Joachim Camerarius zu be 
grüßen. Den Ostergottesdienst konnte er nicht mehr 
besuchen. Man hörte ihn beten, daß er Lust habe 
abzuscheiden und bei seinem lieben Herrn Christo zu 
sein. Des Morgens am 16. April hörte man ihn 
ernstlich beten, er beendigte an diesem Tage auch 
noch ein Schreiben nach Preußen. Von seinem 
Camerarius nahin er schon an diesem Tage vor 
läufigen Abschied, indem er unter Anderem zu ihm 
sagte: „Mein Herr Joachim, wir sind nun bei 
40 Jahre gute Freunde miteinander gewesen, und 
hat Einer den Anderen lieb gehabt aus freiem Herzen 
und sind beide Schulmeister und freie Gesellen gewesen, 
und ich hoffe zu Gott, unsere Arbeit soll nicht ver 
geblich gewesen sein. Ist es Gottes Wille, daß ich 
sterbe, so wollen wir unsere Freundschaft unverrückt 
halten," — und bei dessen Abreise am folgenden 
Tage: „Der Sohn Gottes, der da sitzt zur Rechten 
seines himmlischen Vaters und den Menschen Gaben 
giebt, der erhalte Euch und die Eueren, und uns 
Alle miteinander." Als an demselben Tage Briefe 
aus der Schweiz anlangten, welche ein Concilium 
(Kirchenversammlung) in Aussicht stellten, sagte er: 
„Es ist mir viel besser, ich sterbe, als daß ich auf 
das Concilium ziehen sollte." Abends hatten seine 
Kräfte so abgenommen, daß er seufzte: „Ach Herr 
mach's zu Ende." Am 18ten schlug man ihm das 
Reisebett in seiner Studirstube auf. „Das heißt 
ein Reisebettlein" sprach er, „wie wenn ich darinnen 
reisen müßte." Der Pfarrer Paul Eber und einige 
Andere kamen schon früh zu ihm, und es sielen ernst 
liche und liebliche Gespräche. Mit der größten Ruhe 
und Fassung redete Melanchthon von seinem bal 
digen Abschiede. Wegen der Seinen fühlte er sich 
ganz getrost, „aber" fuhr er fort, „der gemeine 
Schaden geht mir zu Herzen und bekümmert mich 
sehr, daß die verkehrte Welt solchen Muthwillen 
treibt und die heilige christliche Kirche so schändlich 
beunruhigt. Nun, sie machen's gleich, wie sie wollen, 
so ist dennoch durch Gottes Gnade unsre Lehre richtig 
und klar." Er rief seine Enkelin, des Dr. Peucer 
ältestes Töchterlein, zu sich und sagte zu ihr: „Liebe 
Tochter, ich habe Dich herzlich lieb gehabt, siehe, 
halte Deine Eltern vor Augen und sei ihnen gehorsam, 
und fürchte Gott, er wird Dich nicht verlassen." 
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Auch mit den anderen Kindern redete der Großvater 
freundlich und segnend. Zur eigenen Tochter, der 
Ehefrau Peucer's, sagte er: „Liebe Tochter, Gott 
hat Dir einen frommen Mann bescheert. Den halte 
lieb und werth, und sei ihrn gehorsam. Und ziehet 
Euere Kinder auf in der Furcht Gottes, so wird 
Gott bei Euch sein und Euch nicht verlassen." Auf 
die an seinen Schwiegersohn und Arzt, Ilr. Peucer, 
gerichtete Frage, was er für Hoffnung habe? er 
solle ihm nichts verbergen, erwiderte dieser: „Gott 
ist Euer Leben und die Länge der Tage Eueres Lebens. 
Weil ich aber ja die Wahrheit sagen soll, so viel ich 
aus natürlichen Ursachen sehen kann, so ist fürwahr 
wenig Hoffnung." Melanchthon vernahm diese 
Botschaft ganz ruhig. „Ich hab's meinen« Gott be 
fohlen", sagte er, „den bitte ich, daß er's gnädig 
mit mir machen wolle." Er blieb bei vollem Ver 
stände bis zu seinem Ende. Seinem Schwiegersohn 
bezeichnete er seinen Nachfolger und sprach noch über 
andere Angelegenheiten der Universität. Abends mel 
deten Briefe, daß in Frankreich mit frommen Leuten 
grausam verfahren roürde. „Nun, ich bin schwach," 
sagte er, „und mir ist nicht wohl, doch thut mir 
all' meine Krankheit nicht so wehe, als der große 
Jammer und das Elend der heiligen christlichen 
Kirche." — Der 19. April brach an, Melanchthon's 
Todestag. Schon nach Mitternacht ging er viel «nit 
dem Spruche um: „Ist Gott für uns, wer «nag 
wider uns sehn?" Mit Schmerz gedachte er des 
Elends der Kirche, seine Klagen verwandelten sich in 
Gebete für sie. „Man richtet muthwilliges, unnützes 
Gezänk an", sagte er, „zerreißt die Kirche und ver 
dunkelt die Wahrheit rechter, reiner Lehre mit Gewalt. 
Aber ich habe den Trost, zu wissen, daß wahre und 
rechtschaffene Lehre in unseren Kirchen durch Gottes 
Gnade richtig und wohl erllärt «vird. So ich sterbe, 
entgehe ich dem künftigen Unglück." Dabei weinte 
er und betete für die Kirche, forderte auch die an 
wesenden Freunde zum Gebet auf. „Ich weiß wohl, 
daß ihr's thut. Der allmächtige Gott sei mit Euch." 
Das sprach er um 7 Uhr. Inzwischen waren noch 
andere Pfarrer und Professoren hereingekominen. Seine 
Kräfte sanken zusehends. Nach 8 Uhr sprach er sein 
gewöhnliches Gebet, da««n schlummerte er, öffnete 
plötzlich die Augen und sprach zu Peucer: „Ich bin 
im Tode gewesen, aber Gott hat mich gnädiglich 
herausgerissen." Magister Johannes Sturio rief 
ihm daö Trostwort Römer 8, 1 zu: „Es ist nichts 
Berdammliches an denen, die in Christo Jesu sind." 
Darauf sagte Melanchthon: „Christus ist gemacht 
von Gott zur Weisheit und Gerechtigkeit, zur Hei 
ligung und Erlösung, auf daß, «vie geschrieben steht, 
wer sich rühmet, der rühme sich des Herrn." Oft 
hörte man den Stoßseufzer: „Ach Herr, erbarme 
Dich!" Nach 1 Uhr lasen ihm der Pfarrer sammt 
seinen beiden Diakonen abwechselnd Stellen aus dem 
alten und neuen Testamente vor, namentlich die
	        

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