Full text: Amtlicher Kalender für das Kurfürstenthum Hessen // Amtlicher Kalender für Kurhessen // Amtlicher Kalender für den Regierungsbezirk Cassel (1860-1873)

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Aus der nachfolgenden Tabelle ersieht man den 
großen Unterschied in der Wirkung und Verwerthung 
derselben Futtermasse, je nachdem man sie, wie bei 
kärglicher Fütterung geschieht, lediglich als Erhal 
tungsfutter dienen läßt, oder aber, wie es bei reich 
licherer Ernährung der Fall ist, zu \ bis 4 als Pro 
duktionsfutter ausnutzt. In dieser tabellarischen Zu 
sammenstellung ist angenommen, daß 100 Pfd. Heu 
einmal in acht Kühe, ein auderesmal in sechs und 
ein drittesmal in nur vier Kühe per Tag verfüttert 
werden. Die Kuh zu 750 Pfd. angenommen, so würde 
das Futter im ersten Falle im letzten ihres 
lebenden Gewichts betragen. Die Milcherträge sind 
nach den in der Praxis geltenden Mittelsätzen ver 
anschlagt, wonach 200 Pfund Heu oder Heuwerth 
Totalfutter (d. h. Erhaltungs- und Produktionsfutter 
zusammengenommen), oder 100 Pfv. als Probuk- 
tionsfutter gereicht, 80 Pfd. Milch erzeugen, und 
das Pfund Milch ist zu 5 Heller zur Veranschlagung 
gekommen. 
Milcherträge von 100 Pfund Heu, 
wenn in acht 
Kühe 
verfüttert. 
wenn in sechs 
Kühe 
verfüttert. 
wenn in vier 
Kühe 
verfüttert. 
Von dem Heu sind als Erhaltungsfutter zu rechnen 
100 Pfd. 
75 Pfv. 
50 Pfd. 
per Haupt 
12z - 
12z - 
12z - 
Von dem Heu sind als Produktionsfutter zu rechnen 
0 
25 - 
50 - 
per Haupt 
0 
n - 
12z - 
Milchertrag von 100 Pfd. Heu 
0 
20 - 
40 - 
per Haupt 
0 
- 
10 - 
Geldertrag von 100 Pfd. Heu . 
0 Sgr. 
84 Sgr. 
16? Sgr. 
4z - 
per Haupt 
0 - 
I5 * 
Geldertrag per Jahr (von 365 Ctnr. Heu) . . 
0 Thlr. 
100 Thlr. 
200 Thlr. 
per Haupt 
0 - 
17 - 
50 - 
Milchertrag per Jahr (von 365 Ctnr. Heu) . . 
0 Pfd. 
7500 Pfd. 
15000 Pfd. 
per Haupt gegen 
0 - 
1300 - 
3800 - 
Der geneigte Leser wolle die vielen Nullen der 
ersten Rubrik nicht für unrichtig halten. Sehr schlecht 
genährte Kühe geben allerdings auch noch etwas Milch, 
aber diese rührt nicht von der jetzigen (ungenügenden) 
Fütterung her, sondern sie wird gebildet von dem 
Futter einer früheren, besseren Zeit; sie wird gebildet 
aus dem Fleisch und Fett des Thieres, welches durch 
eine vorangegangene reichlichere Fütterung erzeugt 
worden war. 
Nächst der Futtermenge verdienen aber auch noch 
die Futterqualität, sowie die Futtermischung 
und die Futterzubereitung die sorgsamste Beach 
tung. In dieser Beziehung wird ebenwohl noch arg 
gefehlt. Soll das Futter den Thieren Saft und 
Kraft geben, so muß es selbst erst Saft und Kraft 
haben. Die Produkte, welche der Landwirth von 
seinen Thieren haben will, Wolle, Fleisch, Milch rc., 
sind sehr reich an Stickstoff; ist dieser Stoff im Futter 
nicht in reichlicher Menge zugegen, so kann sich auch 
keine reichliche Menge der genannten Produkte bilden, 
selbst wenn die anderweiten Nährstoffe in überreich 
licher Menge vorhanden wären; der überschüssige Theil > 
der letzter« gelangt dann gar nicht zur Wirkung, 
während er bei einem größer« Verhältniß von Stick 
stoff in der Futtermischung ebenfalls eine Umwand 
lung in Fleisch, Milch rc. erfahren haben würde. 
Wie bei der Mischung der Kartoffeln eine bestimmte 
Menge Malz (die stickstoffhaltige Diastase des 
Malzes) nöthig ist, um die (stickstofffreie) Stärke 
der Kartoffeln in Zucker umzuwandeln; wie bei der 
Gährung der Maische eine bestimmte Menge von der 
(stickstoffhaltigen) Hefe nöthig ist, um deren (stick 
stofffreien) Zucker in Spiritus umzuwandeln, und 
wie in beiden Fällen Stärke und Zucker unzersetzt 
und ungenutzt bleiben, wenn es an dem stickstoffhal 
tigen Erreger der Umsetzung (an Malz und Hefe) 
fehlt, gerade so verhält es sich auch bei der Ver 
dauung und Umwandlung derselben Stoffe im Thier 
körper. Futtermittel mit ungenügendem Stickstofs 
gehalt, wie z. V. Kartoffeln, Rüben, Stroh, geben 
daher, allein verfüttert, bei weitem nicht den Nutzen, 
welchen sie ihrem Nahrungsgehalte nach gewähren 
sollten; sie geben vielmehr ihren vollen Nutzen erst 
dann, wenn sie einen solchen Zusatz von Kraftfutter,
	        

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