Full text: Rede auf Wilhelm Grimm und Rede über das Alter

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sauersehend, karger, knicker, erbsenzähler, filz, unke, 
betrübte hausunke, 
verzehren die zeit einsam wie ein unk. H. Sachs. I. 370, 
was zunächst auf einen harthörigen stubenhocker geht, 
gleich altem wein nehmen greise auch säure an, doch 
wird nicht jeder alternde wein sauer. altfränkisch, an 
bräuchen und gewohnheiten seines früheren lebens fest- 
hangend erklärt sich von selbst und ist auch nicht ohne 
guten, wahren sinn, denn welchem menschen erschienen 
nicht erinnerungen aus seiner jugend werth und höher 
beleuchtet? welche tracht hält er für kleidsamer als die 
man in seinen jünglingstagen trug? 
Seltsamer und am gehässigsten lautet das laster und 
der schmutz des geizes, Cato bei Cicero begreift ihn gar 
nicht, avaritia senilis, quid sibi velit, non intelligo, was 
könne. thörigter sein als, je weniger des weges übrig 
stehe,. um desto gröszere wegzehrung zu sorgen, einer 
der weisz, dasz er bald aus der welt weichen musz, warum 
häuft er ängstlich geld und schätze, die nach seinem able- 
ben lachenden erben zufallen? dieser zug und trieb scheint 
aber fester gegründet, als dasz ihm ein so allgemeiner ein- 
wurf etwas anhaben könnte. in allen lustspielen sind die 
geizigen immer greise, die verschwender jünglinge, wel- 
chen die zeit lang wird, bis das zusammengescharrte gut 
ihnen zu theil werde. während fast alle andern leiden- 
schaften im alter erblassen und sich abstumpfen, wächst 
die habsucht und nimmt mit den jahren zu, sie ist ge- 
richtet auf einen gegenstand, der sich im liegen mehrt, 
d. h. durch unablässige wachsamkeit verdoppelt oder ver- 
zehnfacht werden kann woraus ein zwar ängstliches aber 
behagendes gefühl der sicherheit in allen noch bevorste- 
henden lebensverhältnissen entspringt. der geizige liegt 
auf seinem golde einem hütenden drachen gleich, wie der
	        
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