Full text: Rede auf Wilhelm Grimm und Rede über das Alter

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grüne benommen; die kraft welche von kindesbeinen an 
sich erhoben, eine ganze jugend hindurch sich erhöht, 
ım mannesalter ihren gipfel erreicht hatte, beginnt von 
da an erst unmerklich und langsam, dann immer sicht- 
barer zu sinken. der leib verfällt oder fällt ein, der 
rückgrat biegt oder krümmt sich unter der jahre last, 
den gliedern entgeht glanz, gelenkigkeit, stärke. alle 
sprachen besitzen eine menge von natürlichen altherge- 
brachten ausdrücken und bildern, nm diese leiblichen 
erscheinungen zu bezeichnen und zumal die lebendige 
volksmundart versteht hier harmlosen witz aufzuwenden 
für das fallende, erbleichende haar, die geschlichteten, 
aufgelösten locken, für die einschrumpfende haut, die 
faltenziehende stirne, für die in der zahnreihe vorstehen- 
den lücken. in der geschichte der sprache und poesie 
weisz man aus diesen wörtern gewinn zu ziehen und 
eine kleine davon angelegte samlung, welche gegenwärtig 
mitzutheilen unpassend scheinen würde, bleibt in eine 
beilage verwiesen “). mehr oder wenig pflegt die ab- 
nahme leiblicher schönheit oder. fülle ins auge zu fallen, 
läszt sich aber geübtem blicke kaum verbergen: man 
sagt dasz vorzugsweise frauen die gabe eigen sei auf 
alle zeichen und erscheinungen des leiblichen verfalls zu 
achten und aus der äuszeren bildung eines menschen 
fast untrügliche schlüsse auf sein alter zu machen. 
Noch bedeutsamer erscheint aber die den innern 
sınnen durch abnahme der äuszeren im alter drohende 
gefahr und der ihnen zustoszende schade. das auge 
büszt seinen glanz ein, dunkelt und trieft, oder beide 
augen, deren sehkraft nicht mehr genau zusammenstimmt, 
sehen in gewissen wendungen unrichtig und doppelt. das 
‘) (fehlt.)
	        

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