Volltext: Rede auf Wilhelm Grimm und Rede über das Alter

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folglich als allgemeine, unvermeidliche nothwendigkeit der 
verlaufenden zeit eintritt, so dasz alter gleichviel mit zeit 
bedeutet und wir die abschnitte der zeit selbst zeitalter 
benennen. es liegt ein widerspruch darin, dasz während 
alle menschen alt zu werden wünschen, sie doch nicht 
alt sein wollen. der greis solte von dank erfüllt fühlen, 
dasz ihm zur letzten lebensstufe vorzuschreiten vergönnt 
war, er hat nicht nöthig zu jammern, wenn sie annaht, 
es ist ihm gestattet mit stiller wehmuth hinter sich zu 
blicken und nach dem schwülen tag in abendlicher, lahen- 
der kühle gleichsam auf der bank vor seiner hausthür 
sitzend sein verbrachtes leben zu überschlagen. solch ein 
hochbejahrter, den das schicksal aufgespart, dem verwand- 
ten und freunde vorausgestorben sind, nur noch deren 
nachkommen zur seite stehen, darf sich dann auch einsam 
und verlassen fühlen, freude und trauer mischen. ich 
kann nicht umhin eine stelle Walthers von der Vogel- 
weide hier auszuheben, worin mit tiefer empfindung aus- 
gesprochen wird, wie der nach langer abwesenheit endlich 
in seine heimat zurückkehrende dichter alles, auszer der 
natur selbst, verändert findet, gleich den aus zauberschlaf 
erwachten, die eine stunde geschlummert zu haben mei- 
nen und hundert jahre verschlafen haben, so dasz nie- 
mand von den leuten sie wiedererkennt. das lied geht 
sicher auf Walther selbst und ist sein schönstes, echte- 
stes obschon es Lachmann: in das vierte buch zweifelhaf- 
ter gedichte setzt, doch kann man sich den platz am 
schlusse, wohin es schon an sich gehört gefallen lassen; 
man vernehme die worte in ihrer alten, von der heutigen 
nur wenig abstehenden gestalt: 
Ow6& war sind verswunden alliu miniu jär! 
ist mir min leben getroumet oder ist ez wär? 
daz ich ie wände daz iht waere, was daz iht? 
dar näch hän ich gesläfen und enweiz es niht.
	        
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