Full text: Rede auf Wilhelm Grimm und Rede über das Alter

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als wir uns bemühten auszusprechen was ihn erfreuen 
und beruhigen könnte, wurde ihm die versicherung ge- 
geben, dasz die bibliothek in würdiger weise erhalten 
bleiben würde. vielleicht dasz sie auf einer universität 
ihren platz findet, wo sie nutzen bringt und an ihre ur- 
heber fördernd erinnert. 
Bei meinem vater hätte die sorge nähergelegen, hohe 
jahre möchten ihn an seiner frische und arbeitskraft ein- 
büszen lassen. er hatte der zeit nicht so gut widerstan- 
den. während er früher die abende gern in gesellschaft 
verbrachte, muste darin ein allmäliger rückgang eintre- 
ten. zuerst wurde das ausgehn abends aufgegeben, in 
der folge die sehr rege geselligkeit im eigenen hause be- 
schränkt. es war keine entbehrung, aber eine änderung. 
bei Jacob war das nicht der fall, von jugend auf mehr 
zurückgezogen durfte er sich gleicher bleiben in seinen 
gewohnheiten. er arbeitete den ganzen tag über, liesz 
sich aber nicht ungern unterbrechen. besuche nahm er 
stets an. die politischen dinge verfolgte er mit aufmerk- 
samkeit. wenn die zeitung kam legte er oft sogleich die 
feder nieder und las sie genau durch. seine stimmung 
war eine gleichmäszig heitere. man konnte ihm leicht 
eine freude machen. beide brüder liebten blumen am 
fenster zu haben und pflegten sie mit sorgfalt. mein 
vater liebte die primeln besonders, die ihre blätter in 
symmetrischer zierlichkeit entfalten und ununterbrochen 
blühn, Jacob hatte eine vorliebe für goldlack und helio- 
trop. auch auf dem arbeitstisch, der überdies’ mit aller- 
ler andenken, besonders steinen besetzt war, hatte er 
gern ein paar blumen in einem glase stehn. diese klei- 
nigkeiten, obgleich sie zuletzt viel raum einnahmen, lie- 
szen sie beide gern vermehren und wusten das neu hin- 
zukommende immer noch unterzubringen. Jacob hatte 
in den letzten jahren groszes vergnügen an kleinen pho- 
tographischen portraits. es kam bald eine ziemliche an-
	        

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