Full text: Rede auf Wilhelm Grimm und Rede über das Alter

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und allein gekommen, ohne einen reisegefährten, so hätte 
sich vermuthlich schon damals alles aufgeklärt. über 
unsre sache habe ich Ihnen wahrlich nie etwas vorzu- 
werfen gehabt, Ihre urtheile waren allzeit offen ehrlich 
heraus und enthielten so viel einstimmiges in dem was 
mir dabei wesentlich erscheint, dasz mir daran genügt; 
dasz Sie alles auf einmal gutheiszen könnten, war we- 
der nöthig noch zu erwarten. aber zurückhaltung und 
neben gewis herzlich gemeinter theilnahme, ablehnung 
jedes eigentlichen urtheils, wie ich sie von — erfahren, 
verletzte mich; er äuszerte sich immer nicht anders, als 
giengen ihm zur einsicht in die begebenheit die nöthigen 
data ab, während doch über diese begebenheit vor aller 
welt so zureichende, zweifellose data liegen, dasz ich 
nicht begreife wie jemand seinen ausspruch über sie ver- 
hängen und bergen will, und noch irgend eine andere 
historische wahrheit beurtheilen mag. unsern schritt habe 
ich noch keinen augenblick bereut und wenn ich an Göt- 
tingen denke, preise ich Gott, dasz er mich von da, wo 
es jetzt unausstehlich ist weggebracht hat. ich bestehe 
noch immer gut die probe, wenn ich mich frage, was 
wol ein Grieche oder Römer in unserer lage gethan ha- 
ben würde oder nicht? die handlung ist mir zur zeit 
des ereignisses viel unbedeutender vorgekommen, aber 
natürlich und recht, ich glaube auch, dasz den men- 
schen und ganzen völkern nichts anders frommt, als 
gerecht und tapfer zu sein; das ist das fundament der 
wahren politik. ob eine frucht oder welche frucht dar- 
aus hervorkommen soll, das liegt in Gottes lenkender 
hand, es gibt auch bäume die nach kräften aufwachsen 
ohne alle frucht, und nur in dem laub grünen und schat- 
ten. dem gedanken kann ich aber auch nicht wehren, 
und er macht mich desto demütiger, dasz wir vielleicht 
einen funken hergegeben haben, ohne den sich ein feuer 
des widerstandes nicht angefacht hatte, das für unser
	        

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