Full text: Rede auf Wilhelm Grimm und Rede über das Alter

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yehen wollen, die regeln selbst zu finden, zu überbieten 
and zu erhöhen? ihm gewährte freude und beruhigung 
sich in der arbeit gehen, umschauend von ihr erheitern 
zu lassen, meine freude und heiterkeit bestand eben in der 
arbeit selbst. wie manchen abend bis in die späte nacht 
habe ich in seliger einsamkeit über den büchern zuge- 
bracht, die ihm in froher gesellschaft, wo ihn jedermann 
gern sah und seiner anmutigen erzählungsgabe lauschte, 
vergiengen; auch musik zu hören machte ihm grosze, 
mir nur eingeschränkte lust. 
In solcher gemächlichen ausführung seiner vorhaben, 
wie anhaltende gleichmäszige schritte dennoch weit rei- 
chen, ist von ihm rühmenswerthes begonnen und vollen- 
det worden. er las sich texte aus in handschriften die 
ihm in aller nähe vorlagen und die er durch genommene 
abzeichnung oder facsimile schon lieb gewonnen hatte, 
um durch sorgsame behandlung ihre herausgabe vorzu- 
bereiten. er pflegte und besserte mit redlicher einsicht 
so genau er nur vermochte. gieng auch seinen emenda- 
tionen das glänzende und schlagende der von Lachmann 
ab, das gefüge, geschmeidige der von Haupt, so empfah- 
len sich doch seine ausgaben einzelner gedichte sämtlich 
durch die vorhin gerühmten eigenschaften. ich bewun- 
dere seine schöne ergänzung des grafen Rudolf, wie sie 
der zierlich eingerichtete druck anschaulichst vor augen 
legt. Conrads von Würzburg, eines in vielem mit Ovid 
vergleichbaren dichters, darstellung und sprache beschäf- 
tigten ihn lange, wie seine ausgabe des Schwanritters, 
der Schmiede und Silvesters bezeugen; kein anderes ge- 
dicht hatte er öfter und aufmerksamer gelesen als den 
trojanischen krieg, dessen vollständige bekanntmachung 
er noch erlebte. mit dem Rolandslied und allen gestal- 
tungen des Rosengarten, so viel er ihrer habhaft werden
	        

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