Full text: Kinder- und Hausmärchen

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9. 
Brüderchen und Schwesterchen. 
Brüderchen nahm sein Schwesterchen an der Hand, «nd sprach 
* fett die Mutter todt ist, haben wir keine gute Stunde mehr; die 
Stiefmutter schlägt uns alle Tage, und wenn wir zu ihr kommen, 
stoßt sie uns mit den Füßen fort. Die harten Brotkrusten, die 
übrig bleiben, sind unsere Speise, und dem Hündlein unter dem 
Tisch gehts besser; dem wirft sie doch manchmal einen guten Bis 
sen zu. Daß Gott erbarm, wenn das unsere Mutter wüßtet 
Komm, wir wollen miteinander in die weite Welt gehen.' Sie 
giengen den ganzen Tag über Wiesen, Felder und Steine, und 
wenn es regnete, sprach das Schwesterchen 'Gott und unsere 
Herzen, die weinen zusammen!' Abends kamen sie in einen gro 
ßen Wald, und waren so müde von Jammer, Hunger und dem 
langen Weg, daß sie sich in einen hohlen Baum setzten und ein 
schliefen. 
Am andern Morgen, als sie aufwachten, stand die Sonne 
schon hoch am Himmel, und schien heiß Ln den Baum hinein. 
Da sprach das Brüderchen Schwesterchen, mich dürstet, wenn ich 
ein Brünnlein wüßte, ich gieng und tränk einmal; ich mein, ich
	        

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