Full text: Kinder- und Hausmärchen

55 
ros. Aber Hähnchen war auch nicht faul, und stieg der Ente 
tüchtig zu Leib, endlich hackte es mit seinen Sporn so gewaltig, 
daß sie um Gnade bat, und sich gern zur Strafe vor den Wagen 
spannen ließ. Hähnchen setzte sich nun auf den Bock, und war 
Kutscher, und darauf gieng es fort in einem Jagen, 'Ente, lauf 
zu Iwas du kannst!' Als sie ein Stück Weges gefahren waren, 
begegneten sie zwei Fußgängern, einer Stecknadel und einer Näh 
nadel. Die riesen 'halt! halt!' und sagten es würde gleich stich 
dunkel werden, da könnten sie keinen Schritt weiter, dabei wär es 
so schmutzig auf der Straße, ob sie nicht ein wenig einsitzen könn- 
tenr sie wären auf der Schneiderherberge vor dem Thor gewesen, 
und hätten sich beim Bier verspätet. Hähnchen, da cs magere 
Leute waren, die nicht viel Platz einnahmen, ließ sie beide ein 
steigen, doch mußten sie versprechen ihm und seinem Hühnchen 
nicht auf die Füße zu treten. Spät Abends kamen sie zu einem 
Wirthshaus, und weil sie die Nacht nicht weiter fahren wollten, 
die Ente auch nicht gut zu Fuß war, und von einer Seite auf 
die andere fiel, so kehrten sie ein. Der Wirth machte anfangs 
viel Einwendungen, fein Haus sei schon voll, gedachte auch wohl 
es möchte keine vornehme Herrschaft sein, endlich aber, da sie süße 
Reden führten, er sollte das Ei haben, welches das Hühnchen 
unterwegs gelegt hatte, auch die Ente behalten, die alle Tage 
eins lege, so gab er nach. Nun ließen sie wieder frisch auftragen, 
und lebten in Saus und Braus. Früh Morgens, als es erst 
dämmerte, und noch alles schlief, weckte Hähnchen das Hühnchen, 
holte das Ei, pickte es auf, und sie verzehrten es zusammen; die
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.