Full text: Kinder- und Hausmärchen

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ein gemeines Bettelmädchen, das du dir mitgebracht hast, wer 
weiß was für gottlose Streiche sie heimlich treibt. Wenn sie 
stumm ist und nicht sprechen kann, so konnte sie doch einmal lachen, 
aber wer nicht lacht, der hat ein böses Gewissen? Der König 
wollte zuerst nicht daran glauben, aber die Alte trieb es so lange, 
und beschuldigte sie so viel böser Dinge, daß der König sich end 
lich überreden ließ, und sie zum Tod verurtheiltc. 
Nun ward im Hof ein großes Feuer angezündet, darin sie 
sollte verbrannt werden, und der König stand oben am Fenster 
und sah mit weinenden Augen zu, weil er sie noch immer so lieb 
hatte. Und als sie schon an den Pfahl festgebunden war, und 
das Feuer schon an ihre» Kleidern mit rothen Zungen leckte, da 
war eben der letzte Augenblick von den sieben Jahren verflossen. 
Da ließ sich in der Luft ein Geschwirr hören, und zwölf Raben 
kamen hergezogen, und senkten sich nieder: und wie sie die Erde 
berührten, waren cs ihre zwölf Brüder, die sie erlöst hatte. Sie 
rissen das Feuer auseinander, löschten die Flammen, machten ihre 
liebe Schwester frei, und küßten und herzten sie. Nun aber, da 
sie ihren Mund aufthun und reden durfte, erzählte sie dem Könige 
warum sie stumm gewesen wäre und niemals gelacht hätte. Der 
König freute sich daß sie unschuldig war, und sie lebten nun alle 
zusammen in Einigkeit bis an ihren Tod. Die böse Stiefmutter 
ward vor Gericht gestellt, und in ein Faß gesteckt, daS mit sie 
dendem Oel und giftigen Schlangen angefüllt war, und starb eines 
bösen Todes.
	        

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