Full text: Kinder- und Hausmärchen

Als nun Zweiäuglein die Ziege wieder hinaustrieb, trat Ein- 
äuglein zu ihm, und sprach 'ich will mitgehen und sehen daß die 
Ziege auch recht gehütet und ins Futter getrieben wird.' Aber 
Zweiäuglein merkte was Einäuglein im Sinne hatte, und trieb 
die Ziege hinaus in hohes Gras, und sprach 'komm, Einäuglein, 
wir wollen uns hinsetzen, ich will dir was vorsingen.' Einäuglein 
setzte sich hin, und war von dem ungewohnten Weg und von der 
Sonnenhitze müde, und Zweiäuglein sang immer 
'Einäuglein, wachst du? 
Einäuglein, schläfst du?' 
Da that Einäuglein das eine Auge zu, und schlief ein. Und als 
Zweiäuglein sah daß Einäuglein fest schlief und nichts verrathen 
konnte, sprach es 
'Zicklein, meck, 
Tischlein deck,' 
und setzte sich an sein Tischlein, und aß und trank bis es satt war. 
Dann ries es wieder 
-Zicklein, meck, 
Tischlein weg,' 
und es verschwand alles; und Zweiäuglein weckte nun Ein 
äuglein, und sprach 'Einäuglein, du willst hüten, und schläfst dabei 
ein, derweil hätte die Ziege in alle Welt laufen können; komm, 
wir wollen nach Haus gehen.' Da giengen sie nach Haus, und 
Zweiäuglein ließ wieder sein Schüffelchen unangerührt stehen, und 
Einäuglein konnte der Mutter nicht sagen warum es nicht essen 
wollte, und sprach 'ich war draußen eingeschlafen.'
	        

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