Full text: Kinder- und Hausmärchen

227 
34. 
Der Arme und der Reiche. 
Vor alten Zeiten, als der liebe Gott noch selber auf Erden unter 
den Menschen wandelte, trug es sich zu, daß er eines Abends müde 
war, und ihn die Nacht überfiel, eh er zu einer Herberge kommen 
konnte. Nun standen aus dem Weg vor ihm zwei Häuser einander 
gegenüber, das eine groß und schön, das andere klein und ärmlich 
anzusehen, und gehörte das große einem reichen, das kleine einem 
armen Manne. Da dachte unser Herr Gott ‘bem Reichen werde 
ich nicht beschwerlich fallen, bei ihm will ich anklopfen? Der 
Reiche, als er an seine Thüre klopfen hörte, machte das Fenster 
auf, und fragte den Fremdling was er suchtet Der Herr antwor 
tete 'ich bitte nur um ein Nachtlager? Der Reiche guckte den 
Wandersmann an vom Haupt bis zu den Füßen, und weil der liebe 
Gott schlichte Kleider trug, und nicht aussah wie einer, der viel 
Geld in der Tasche hat, schüttelte er mit dem Kopf, und sprach 
«ich kann euch nicht aufnehmen, meine Kammern liegen voll Kräu 
ter und Samen, und sollte ich einen jeden beherbergen, der an meine 
Thüre klopfte, so könnte ich selber den Bettelstab in die Hand neh 
men. Sucht anderswo ein Auskommen? Schlug damit sein Fen 
ster zu, und ließ den lieben Gott stehen. Also kehrte ihm der 
P 2
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.