Full text: Kinder- und Hausmärchen

214 
ihr die Stiefeln an den Kopf geworfen würden, und daß sie von 
dem goldenen Spinnrädchen gar nichts wisse. 
Als der König zum drittenmal ein Fest anstellte, da gieng es 
nicht anders als die vorigemale. Der Koch sprach zwar ‘fcit bist 
eine Hexe, Rauhthierchen, und thust immer etwas in die Suppe, 
davon sie so gut wird, und dem König besser schmeckt als was ich 
koche:' doch weil es so bat, so ließ er es auf die bestimmte Zeit 
hingehen. Nun zog es sein Kleid an, das wie die Sterne glänzte, 
und trat damit in den Saal. Der König tanzte wieder mit der 
schönen Jungfrau, und meinte daß sie noch niemals so schön gewe 
sen wäre. Und während er tanzte, steckte er ihr, ohne daß sie es 
merkte, einen goldenen Ring an den Finger, und hatte besohlen 
daß der Tanz recht lange währen sollte. Wie er zu Ende war, 
wollte er sie an den Händen fest halten, aber sie riß sich los, und 
sprang so geschwind unter die Leute, daß sie vor seinen Augen ver 
schwand. Sie lief, was sie konnte, in ihr Ställchen unter der 
Treppe: weil sie aber zu lange und über eine halbe Stunde geblie 
ben war, so konnte sie das schöne Kleid nicht ausziehen, sondern 
warf nur den Mantel von Pelz darüber, und in der Eile machte 
sie sich auch nicht ganz rußig, sondern ein Finger blieb weiß. Al 
lerleirauh lief nun in die Küche, und kochte dem König die Brot 
suppe, und legte, wie der Koch fort war, den goldenen Haspel 
hinein. Der König, als er den Haspel auf dem Grunde fand, 
ließ Allerleirauh wieder rufen, da erblickte er den weißen Finger, 
und sah den Ring, den er im Tanze ihr angesteckt hatte. Da er 
griff er sie an der Hand, und hielt sie fest, und als sie sich los-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.