Full text: Kinder- und Hausmärchen

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sie schon ganz früh heraus, weil sie das Haus besorgen sollte. Ein 
paar Tage lebten sie auf diese Art schlecht und recht, und zehrten 
ihren Vorrath aus. Da sprach der Mann 'Frau, so gehts nicht 
langer, daß wir hier zehren und nichts verdienen. Du sollst Körbe 
flechten? Er gieng aus, schnitt Weiden und brachte sie heim: da 
fieng sie an zu flechten, aber die harten Weiden stachen ihr die 
zarten Hände wund. 'Ich sehe das geht nicht,' sprach der Mann, 
'spinn lieber, vielleicht kannst du das besser? Sie setzte sich hin, 
und versuchte zu spinnen, aber der harte Faden schnitt ihr bald in 
die weichen Finger, daß das Blut daran herunter lief. 'Siehst 
du/ sprach der Mann, 'du taugst zu keiner Arbeit, mit dir bin 
ich schlimm angekommen. Nun will ichs versuchen und einen Han 
del mit Töpfen und irdenem Geschirr ansangen: du sollst dich auf 
den Markt setzen, und die Waare feil halten? 'Ach/ dachte sie, 
'wenn auf den Markt Leute aus meines Vaters Reich kommen, 
und sehen mich da sitzen und feil halten, wie werden sie mich ver 
spotten!' Aber es hals nichts, sie mußte sich fügen, wenn sie nicht 
Hungers sterben wollten. Das erstemal giengs gut, denn die Leute 
kauften der Frau, weil sie schön war, gern ihre Waare ab, und 
bezahlten was sic forderte: ja, viele gaben ihr das Geld, und lie 
ßen ihr die Töpfe noch dazu. Nun lebten sie von dem erworbenen 
so lang es dauerte, da behandelte der Mann wieder eine Menge 
neues Geschirr ein, und sie setzte sich an eine Ecke des Marktes, 
und stellte es um sich her, und hielt feil. Da kam plötzlich ein 
trunkener Husar daher gejagt, und ritt gerade zu in die Töpfe 
hinein, daß alles in tausend Scherben zersprang. Sie fieng an zu
	        

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