Volltext: Kinder- und Hausmärchen

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26. 
König Drosselbart. 
l§in König hatte eine Tochter, die war über alle Maße» schon, aber 
dabei so stolz und übermüthig, so daß ihr kein Freier gut genug war. 
Sie wies einen nach dem andern ab, und trieb noch dazu Spott mit 
ihnen. Einmal ließ der König ein großes Fest anstellen, und ladete 
dazu aus der Nähe und Ferne die heirathslustigen Männer ein. 
Sie wurden alle in eine Reihe nach Rang und Stand geordnet; 
erst kamen die Könige, dann die Herzöge, die Fürsten, Grasen und 
Freiherrn, zuletzt die Edelleute. Nun ward die Königstochter durch 
die Reihen geführt, aber an jedem hatte sie etwas auszusetzen. Der 
eine war ihr zu dick, 'das Weinfaß!' sprach sie. Der andere zu 
lang, 'lang und schwank hat keinen Gang.' Der dritte zu kurz, 
'kurz und dick hat kein Geschick.' Der vierte zu blaß, 'der bleiche 
Tod!' der sünstc zu roth, 'der Zinshahn!' der sechste war nicht 
gerad genug, 'grünes Holz, hinterm Ofen getrocknet.' Und so 
hatte sie an einem jeden etwas auszusetzen, besonders aber machte 
sie sich über einen guten König lustig, der ganz oben stand, und 
dem das Kinn ein wenig krumm gewachsen war. 'Ei,' rief sie und 
lachte, der hat ein Kinn, wie die Drossel einen Schnabel;' und
	        
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