Full text: Kinder- und Hausmärchen

142 
gethan? Nun kam der Däumerling durch den Ritz glücklich in die 
Schatzkammer, öffnete das Fenster, unter welchem die Räuber stan 
den, und warf ihnen einen Thaler nach dem andern hinaus. 
Als das Schneiderlein in der besten Arbeit war, horte es den Kö 
nig kommen, der seine Schatzkammer besehen wollte, und mußte 
sich einstweilen verkriechen. Der König merkte daß viele harte Tha 
ler fehlten, konnte aber nicht begreifen wer sie sollte gestohlen ha 
ben, da die Schlöffer in gutem Stand waren, und alles wohl 
verwahrt schien. Da gieng er wieder fort, und sprach zu den zwei 
Wachen 'habt Acht, cs ist einer hinter dem Geld? Als der Dau 
merling nun seine Arbeit von neuem anfieng, hörten sie das Geld 
drinnen sich regen und klingen klipp, klapp, klipp, klapp, sprangen 
geschwind hinein, und wollten den Dieb greifen. Aber das Schnei 
derlein, das sie kommen hörte, war noch geschwinder, sprang in 
eine Ecke, und deckte einen Thaler über sich, so daß nichts von ihm 
zu sehen war, neckte die Wachen, und rief 'hier bin ich? Die 
Wachen liefen dahin, wie sie aber ankamen, war es schon in eine 
andere Ecke unter einen Thaler gehüpft, und rief 'he, hier bin ich? 
Die Wachen sprangen eilends herbei, Daumerling war aber längst 
in einer dritten Ecke, und rief 'he, hier bin ich? Und so hatte es 
sic zu Narren, und trieb sie so lange in der Schatzkammer herum, 
bis sie müde waren, und davon giengen. Nun warf es die Tha 
ler nach und nach alle hinaus, und den letzten schnellte es mit 
aller Macht, hüpfte dann selber noch behcndiglich darauf, und flog 
damit durchs Fenster hinab. Die Räuber machten ihm große Lob 
sprüche 'du bist ein gewaltiger Held/ sagten sie, 'willst du unser
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.