Full text: Kinder- und Hausmärchen

138 
ward auf den Mist geworfen. Daumesdick suchte sich heraus zu 
arbeiten, und hatte große Mühe damit, doch endlich brachte er es 
so weit, daß er Platz bekam, aber, als er eben sein Haupt heraus 
strecken wollte, kam ein neues Unglück. Ein hungriger Wolf 
sprang vorbei, und verschlang den ganzen Magen mit einem 
Schluck. Daumesdick verlor den Muth nicht, 'vielleicht,' dachte 
er, 'läßt der Wolf mit sich reden/ und rief ihm aus dem Wanste 
zu 'lieber Wolf, ich weiß dir einen herrlichen Fraß? 'Wo ist der 
zu holen?' sprach der Wolf. 'In dem und dem Haus, da mußt 
du durch die Gosse hinein kriechen, und wirst Kuchen, Speck und 
Wurst finden, so viel du essen willst,' und beschrieb ihm genau 
seines Vaters Haus. Der Wolf ließ sich das nicht zweimal sagen, 
drängte sich in der Nacht zur Gosse hinein, und fraß in der Vor 
rathskammer nach Herzenslust. Als er satt war, wollte er wieder 
fort, aber er war so dick geworden, daß er denselben Weg nicht 
wieder hinaus konnte. Daraus hatte Daumesdick gerechnet, und 
fieng nun an in dem Leib des Wolfs einen gewaltigen Lärmen 
zu machen, tobte und schrie, was er konnte. 'Willst du stille 
sein,' sprach der Wolf, 'du weckst die Leute auf? 'Ei was,' ant 
wortete der Kleine, 'du hast dich satt gefressen, ich will mich auch 
lustig machen,' und fieng von neuem an aus allen Kräften zu 
schreien. Davon erwachte endlich sein Vater und seine Mutter, liefen 
an die Kammer, und schauten durch die Spalte hinein. Wie sie 
sahen daß ein Wolf darin hauste, erschracken sie, und der Mann 
holte die Axt, und die Frau die Sense. 'Bleib dahinten,' sprach 
der Mann, als sie in die Kammer traten, 'wenn ich ihm einen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.