Full text: Kinder- und Hausmärchen

137 
wo sie einen Arm voll Heu packte, und gerade dasjenige, worin 
der anne Daumesdick lag und schlief. Er schlief aber so fest, daß 
er nichts gewahr wurde, und nicht eher aufwachte als bis er in 
dem Maul der Kuh war, die ihn mit dem Heu aufgerafft hatte. 
'Ach Gott/ rief er, 'wie bin ich in die Walkmühle gerathen!' 
merkte aber bald wo er war. Da hieß es aufpassen, daß er nicht 
zwischen die Zähne kam und zerdrückt wurde, und hernach mußte 
er doch mit in den Magen hinabrutschen. 'Zn dem Stübchen 
sind die Fenster vergessen/ sprach er, 'und scheint keine Sonne 
hinein: ein Licht wird auch wohl nicht zu haben sein!' Überhaupt 
gefiel ihm das Quartier schlecht, und was das schlimmste war, es 
kam immer mehr neues Heu zur Thüre hinein, und der Platz 
ward immer enger. Da rief er endlich in der Angst, so laut er 
konnte, 'bringt mir kein frisch Futter mehr, bringt mir kein frisch 
Futter mehr.' Die Magd melkte gerade die Kuh, und als sie 
sprechen horte ohne jemand zu sehen, und es dieselbe Stimme war, 
die sie auch in der Nacht gehört hatte, erschrack sie so, daß sie von 
ihrem Stühlchen herabglitschte, und die Milch verschüttete. Sie 
lief in der größten Hast zu ihrem Herrn, und ries 'ach Gott, Herr 
Pfarrer, die Kuh hat geredet.' 'Du bist verrückt' antwortete der 
Pfarrer, gieng aber doch selbst in den Stall nachzusehen was vor 
wäre. Aber kaum hatte er den Fuß hineingesetzt, so rief Daumes 
dick eben aufs neue 'bringt mir kein frisch Futter mehr, bringt 
mir kein frisch Futter mehr.' Da erschrack der Pfarrer selbst, 
meinte es wäre ein böser Geist, und hieß die Kuh tödten. Nun 
ward sie geschlachtet, der Magen aber, worin Daumesdick steckte,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.