Full text: Kinder- und Hausmärchen

132 
20. 
Daumesdick. 
Es war ein armer Bauersmann, der saß Abends beim Herd, und 
schürte' das Feuer, und die Frau saß und spann. Da sprach er 
'wie ists so traurig, daß wir keine Kinder haben! es ist so still 
bei uns, und in den andern Häusern ists so laut und lustig.' 
'Ja,' antwortete die Frau, und seufzte, 'wcnns nur ein einziges 
wäre, und Wenns auch ganz klein wäre, nur Daumens groß, so 
wollt ich schon zufrieden sein: wir hättens doch von Herzen lieb.' 
Nun geschah es, daß die Frau kränklich ward, und nach sieben 
Monaten ein Kind gebar, das zwar an allen Gliedern vollkommen 
aber nicht länger als ein Daumen war. Da sprachen sie 'es ist 
wie wir es gewünscht haben, und es soll unser liebes Kind sein,' 
und nannten es nach seiner Gestalt Daumesdick. Sie ließcns 
nicht an Nahrung fehlen, aber das Kind ward nicht großer, son 
dern blieb wie es in der ersten Stunde gewesen war, doch schaute 
cs verständig aus den Augen, und zeigte sich bald als ein kluges 
und behendes Ding, dem alles glückte was cs anfieng. 
Der Bauer machte sich einmal fertig in den Wald zu gehen 
und Holz zu fällen, da sprach er so vor sich hm 'nun wollt ich
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.